Between the Buried and Me – The Great Misdirect (2009, Victory Records)

between-the-buried-and-me-the-great-misdirectDer Nachfolger eines Meisterwerks ist immer der schwerste. Und nicht weniger als das, so der einhellige Tenor, ist „Colors“. Mit dem wirbelten BETWEEN THE BURIED AND ME vor zwei Jahren gehörig Staub auf und verzückten mit Ideenreichtum und Experimentierfreude. Weil sich eine Band nach solch einem Geniestreich aber nicht einfach auflöst, steigen die Erwartungen ans nächste Output ins Unermessliche. Ob „The Great Misdirect“ dieser mächtigen Hypothek überhaupt gerecht werden kann, sei dahingestellt. Ein weiteres Ausnahmealbum ist es trotzdem geworden.

Einer Überraschung entspricht dies konstante Qualitätslevel nicht. Das Quartett aus North Carolina überrollt den Hörer auch mit Platte Nummer fünf (exklusive des Cover-Albums „The Anatomy Of“) und treibt die sie auszeichnende progressive Kraft unaufhaltsam vorwärts. Den Anfang macht, das war fast zu erwarten, die Ruhe vor dem Sturm. „Mirrors“ entfaltet jazzige Züge und gibt sich auf den Spuren von URGE OVERKILL entspannter Zurückhaltung hin. Der Knüppel, zumindest das ist vorhersehbar, lässt nicht lange auf sich warten.

Gerade ein halbes Dutzend Songs haben ihren Weg auf „The Great Misdirect“ gefunden. In die aber investieren BTBAM nahezu eine Stunde. Während der wird von dissonanten Krawallattacken wie selbstverständlich auf meditative Ruhe umgeschaltet. Metal wird von bluesiger Gelassenheit abgelöst, von Country-Einschüben oder auch mal von einem Klavier mit Revue-Charme an die Hand genommen. Grenzen werden aufgeweicht, Genres verschwimmen. Die Schublade des Metal-Hardcore ist für diese brillante Collage längst zu klein. Das technisch auf allerhöchstem Niveau thronende Chaos regiert nur scheinbar. Denn zufällig ist bei dieser aufregenden und erstaunlichen lockeren Grenzerfahrung gar nichts.

Wertung: (8,5 / 10)

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