Porn Horror Movie (USA 2008)

porn-horror-movieEs müssen nicht immer Vampire, Zombies oder maskierte Wahnsinnige sein! In der absurden Welt des Horrorfilms kann so ziemlich alles zur rücksichtlosen Killermaschine mutieren. Eine kleine Kostprobe? Wir hatten mordende Rucksäcke, psychopathische Kondome, bestialische Rasenmäher, barbarische Tomaten, wildgewordene Aufzüge, grausame Häslein, mordgierige Autos und Motorräder, besessene Stehlampen, meuchelnde Kühlschränke und ähnlich abstruses Zeug. Normalsterbliche unter den Filmschauenden dürften sicherlich jetzt schon heftig mit dem Kopf geschüttelt haben. Für die wäre an dieser Stelle ratsam, das Lesen dieser Rezension abrupt zu beenden. Denn was der junge Regisseur Adam Fields mit „Porn Horror Movie“ auf Zelluloid gebannt hat, wird gewiss nur Leute ansprechen, die bei Trash nicht an Hausmüll denken.

Ron Jeremy, der Chuck Norris der Rammlerbranche, fährt mit weiteren Kollegen aus demselben Geschäftsfeld in eine abgelegene Waldhütte um einen, naja Pornofilm zu drehen. Während einer Drehpause gönnt sich die Koryphäe des Schmuddelfilms [über 1700 Auftritte!] etwas frische Luft, wobei er von einem vorbeifliegenden Blitzdings [!] getroffen wird. Bei der Fortsetzung des Drehs geschieht die Tragödie: Ron Jeremy stirbt. Doch der Crew bleibt keine Zeit zum Trauern, da plötzlich jedes einzelne Mitglied [nein, das Wortspiel mit „Glied“ bleibt jetzt aus] in perakuter Lebensgefahr schwebt. Rons Herz mag zwar aufgehört haben zu schlagen, dafür hat sein Gemächt in bester Manier von Carpenters „The Thing“ ein mörderisches Eigenleben entwickelt. Das einzige Ziel des dauererigierten Assassinen: Tod und Verderben! Kann der einsame Vietnamveteran (Charles Napier, „Supervixens“) , der zurückgezogen in den Wäldern lebt, und der es schon einmal mit zombifizierten Begattungsorganen zu tun hatte, helfen? Wer wird überleben und was wird von ihnen übrig bleiben?

Einzelne Körperteile haben schon des öfteren für Horror gesorgt. Sehr beliebt sind natürlich – weil doch am geeignetsten – die Hände [siehe dazu u.a. die zweite Geschichte im Episodenhorror „Quicksilver Highway“, „Der Aufstand der Hände“, die idiotische Horrorkomödie „Die Killerhand“ oder Oliver Stones Semi-Klassiker „Die Hand“]. Aber was soll man von einem Film erwarten, der den Phallus einer Bumsfilmlegende zum Killer werden lässt? Die notorischen Spaßverweigerer aus dem ersten Absatz dieser Kritik würden enorme Schwierigkeiten haben, dem bunten Treiben tatsächlich über 84 Minuten ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Aber für die ist dieser Film auch keineswegs gemacht. Für Fans des erzsympathischen Stechers und „sonderbarer“ Filmkost schon eher. Auch wenn diese leider nicht überzeugt werden können.

Das große Problem des Films ist offensichtlich das Budget. Viele talentierte Filmemacher haben schon bewiesen, dass das Fehlen eines großen Etats keineswegs ein Manko sein muss. Man denke nur an die [jungen] Raimis und Jacksons. Dem ersten „Genital-Slasher“ hingegen sieht man in jeder Einstellung an, das hier mehr wirklich mehr gewesen wäre. Der Sound und die Beleuchtung sind mies, die Effekte nicht erwähnenswert, der Rest des Darstellerensembles sehr darum bemüht, bloß nicht einen Funken Talent durchsickern zu lassen. Die üblichen Symptome eines B-Movies eben. Und leider gibt es die Kardinalfrage betreffend – wie sieht der Killer aus und sind seine Exekutionen unterhaltsam? – wenig befriedigendes zu vermelden.

Wenn man guten Willens ist, könnte man behaupten, Herr Fields habe sich den großen Ridley Scott zum Vorbild genommen, indem er das „Monster“ erst ziemlich spät zeigt. Dass das gewiss nicht so ist, sondern augenscheinlich eine Geldfrage, dürfte spätestens klar werden, wenn das Ungetüm zum ersten Mal gezeigt wird. Das trifft des weiteren auch auf die Morde des Lustknochens zu. Ein Loch im Schädel nach dem Oralverkehr und ein zweigeteilter Körper sind das Maximum des Splatteranteils, der aber auch nicht die wichtigste Komponente ausmacht. Da der Film keineswegs ernst genommen werden kann [und glücklicherweise auch von den Machern so nicht angedacht ist], ist es sicherlich nicht verkehrt zu behaupten, das [mehr] absurde Komik dem Film gut getan hätte. Immerhin läuft hier ein frankensteinesker Penis herum und mordet, verdammt!

Das Witzigste an der ganzen Angelegenheit ist eigentlich die Posterserie zum Film, in der Motive von Klassikern nachgeahmt werden, so etwa „E.T.“, „Der Exorzist“ oder eben Scotts „Alien“ – danach googlen lohnt sich allemal! Und doch bleibt der im Original weit besser „One Eyed Monster“ betitelte Film, die erste größere und richtige Rolle von Porno-Ikone und Gelegenheitsschauspieler Ron Jeremy [u.a. „Boondock Saints“ oder „Crank – High Voltage“], leider nur der halbe Spaß, der er hätte werden können. Schade.

Wertung: 3 out of 10 stars (3 / 10)

 

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