Between the Buried and Me – Colors (2007, Victory Records)

bewteen-the-buried-and-me-colorsVorhang auf für den Prolog: Eine fast schmusige Ballade entspinnt sich, getragen von Piano und hohem Chor. Der Hang zur epischen Breite verdichtet sich, als Tempo und Härte zunehmen. Plötzlich ist da Stakkato-Drumming und der vertraut kehlig grollende Schreihals Tommy Rogers, der den verträumten Singsang des Auftakts mit grober Kelle hinfortwischt. BETWEEN THE BURIED AND ME prägen ihre neueste Scheibe „Colors“ durch den geradezu kindlichen Hang zum unbedingten Experiment. Diesen Schub hatte die Band aus North Carolina nach ihrem blassen Coveralbum „The Anatomy of“ auch bitter nötig.

Ihr vierter Langspieler ist eine Platte aus höheren Sphären, geheimnisvoll, faszinierend und betörend zugleich. Erstaunlicherweise vertragen sich diese umschreibenden Adjektive mit dem chaotisch abgründigen Metal-Hardcore, den das Quintett in der Vergangenheit auszeichnete. Gerade diese Abseitigkeit wird nun ein ums andere Mal durchbrochen, sei es durch glasklare, religiös inspirierte Gesangsparts oder den Einsatz verschiedenster Instrumente und Musikformen – vom Indie-Pop bis zur Polka. Anstrengend ist ihre Musik noch immer. Wenn auch auf eine Art, die in ihrer kreativen Raffinesse überrascht, wenn nicht gar überrumpelt.

Für acht Stücke benötigen BETWEEN THE BURIED AND ME mehr als eine Stunde. Das erschreckt, entfaltet aber allein beim elfminütigen „Sun of Nothing“ eine fast hypnotische Sogwirkung. Plötzlich kann man sich in diesem infernalischen Chaos verlieren, dem diesmal eine überraschend positive Aura entweicht. Sie scheinen mit ihrer Welt im reinen, was nicht bedeutet, dass es nicht noch genug Mauern einzureißen gäbe. Oder wie heißt es von Labelseite: „BTBAM will be a major Victory Records priority for the fall of 2007!” Alles andere wäre auch eine blanke Unverschämtheit.

Wertung: (9 / 10)

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