Beginners (USA 2010)

beginnersWo nur soll man beginnen? Am Anfang von „Beginners“ steht das Ende – das eines Vaters. Den Rahmen spannt Ich-Erzähler und Illustrator Oliver Fields (Ewan McGregor, „Big Fish“), Sohn des Verstorbenen, dessen Ausführungen Autorenfilmer Mike Mills („Thumbsucker“) in einfallsreichen Bildcollagen erfahrbar macht. Es sind zeitliche Verortungen, die über die Portraits von Präsidenten oder Schönheitsidealen den Zeitgeist der jeweiligen Ära aufzeigen. Aber Sinn ergibt der Titel erst am Ende, der im Gegenentwurf ein Beginn ist – für zwei Menschen, die sich in ihrem Leben stets aus Beziehungen zurückgezogen haben, sobald bestimmte Erwartungen nicht mehr erfüllt wurden.

Die wunderbar erzählte Tragikomödie ist aber nur zu einem Teil unaufgeregte und sympathisch stille Romanze. Der andere ist emotional kühles Familien-Drama, das von unterdrückten Gefühlen und spätem Coming Out erzählt. Nach dem Tod der Mutter bekannte sich Olivers Vater Hal (Oscar-prämiert: Christopher Plummer, „Das Kabinett des Doktor Parnassus“) zu seiner Homosexualität und holte binnen weniger Jahre so viele Versäumnisse nach wie irgend möglich. Aber die neu gewonnene (sexuelle) Freiheit ist nur von kurzer Dauer. Denn Hal wird Krebs diagnostiziert und so sehr er auch versucht, die tödliche Krankheit auszublenden, ihren absehbaren Verlauf stoppen kann er nicht.

In kurzen Rückblenden öffnet sich Oliver dem Zuschauer. Erinnerungen an die Kindheit zeigen das nüchterne Verhältnis der Eltern, die sich zwar lieben, als Paar aber nie wirklich zueinander finden. Diese emotionale Distanz überträgt die Mutter auf den Sohn, dem es selbst entsprechend schwer fällt, sich anderen Menschen zu öffnen. Drei Monate nach Hals Tod lernt er auf einer Kostümparty die französische Schauspielerin Anna (reizend: Mélanie Laurent, „Inglourious Basterds“) kennen. Sie beginnen eine Beziehung, die flüchtig bleibt, da beide feste Bindungen scheuen.

Mills Film bleibt bedächtig erzählt und trotz (oder gerade aufgrund) des Verzichts auf große Gesten schauspielerisch hervorragend. „Beginners“ geht nahe, ohne im Sinne gewöhnlicher Massenunterhaltung emotional ausgeschlachtet zu werden. Dazu bei trägt auch der leise Humor. Für ihn steht Golden Retriever Arthur, der stumm mit Oliver kommuniziert. Solch dezent skurrile Zwischentöne fügen sich trefflich in den melancholisch versponnenen Tenor ein. Der wird getragen von einer simpel lebensbejahenden Botschaft: Bei der Suche nach einem Löwen sollte man sich nicht mit einer Giraffe zufriedengeben. Wer könnte solch entwaffnend poetischer Weisheit schon widersprechen?

Wertung: (8 / 10)

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