Moulin Rouge (USA/AUS 2001)

moulin-rouge-2001Vorhang auf für den Abschluss von Baz Luhrmans „Red Curtain“-Trilogie. Die nahm 1992 mit „Strictly Ballroom“ ihren Anfang und wurde 1996 mit „Romeo + Julia“ fortgesetzt. Letzterer bestach dabei vor allem durch die gewagte Mischung aus Shakespeares Blankversen und zeitgenössischer Aufmachung, nicht zuletzt aber auch durch das perfekte Zusammenspiel der Darsteller. Diese Symbiose aus knalligem Farb-Kitsch und erstklassigen Akteuren treibt der Filmemacher mit „Moulin Rouge“ auf die Spitze. Luhrmans Musical ist ein die Sinne betörender Bildersturm voller Tempo, Ironie und Zauber, gleichzeitig aber auch eine tragische Ode an die unerschütterliche Kraft der Liebe.

Erzählt wird die Geschichte des jungen englischen Dichters Christian (Ewan McGregor), der im Jahre 1900 nach Paris reist, um sich von der dortigen Künstler-Boheme inspirieren zu lassen. Dort angekommen macht er die Bekanntschaft des kleinwüchsigen Toulouse-Lautrec (John Leguizamo) und dessen Truppe illustrer Varieté-Künstler, die ihn unverzüglich in den faszinierenden Mikrokosmos des legendären Moulin Rouge hineinführen. Auf seiner Suche nach Freiheit und Anregung verfällt er dem Star der Show, der langbeinigen Tänzerin Satine (Nicole Kidman). Diese hegt Ambitionen, Schauspielerin zu werden, was jedoch nur als Geliebte eines wohlhabenden Finanziers realisierbar ist.

Der auserkorene Gönner ist der prüde Duke (Richard Roxburgh). Nach einer folgenschweren Verwechslung des armen Schriftstellers mit dem verklemmten Adligen rückt dieser Traum in weite Ferne, hat Satine doch bereits ihr Herz an den mittellosen Christian verloren. Der Auftakt eines verhängnisvollen Doppelspiels, in dem sich die obendrein an Schwindsucht leidende Kurtisane zwischen der Liebe ihres Lebens und der Erfüllung ihrer Träume entscheiden muss. Was nach Kitsch und Pomp klingt, entpuppt sich dabei als faszinierendes Meisterwerk, mit dem Regisseur, Produzent und Co-Autor Baz Luhrman sein gesamtes können zeigt.

Das spektakuläre Pop-Musical hält mit meisterlicher Eleganz die Balance zwischen Kunst und Kitsch, skurriler Komik und bitterer Tragik. Anfangs erweckt der Film aufgrund seiner schnellen Schnitte den Eindruck zeitgemäßer Videoclip-Ästhetik. Doch eine solch seelenlose, schnelllebige Anhäufung optischer Mätzchen wäre eine unverzeihliche Schmähung des beeindruckenden Regiestils Luhrmans. Mit spielerischer Leichtigkeit gelingt ihm das Kunststück, die Geschichte und seine Charaktere nicht vom Bombast der prunkvollen Bauten und Kostüme erdrücken zu lassen. Vielmehr wird die Ausstattung dazu genutzt, die brillanten Darsteller in ihrem gefühlvollen Spiel zu unterstützen. Fulminante Optik und Schauspielerische Klasse gehen hier Hand in Hand, untermalt von einer erlesenen Auswahl unterschiedlichster Musikstücke.

Die Bandbreite der Songs reicht von Madonna über Sting, Elton John, Phil Collins, Fatboy Slim bis hin zu Nirvana und den Beatles. Aber all das bildet nur den Rahmen, um die erstklassigen Schauspielerischen Leistungen der Oscar-nominierten Nicole Kidman („To Die For“) und Ewan McGregor („Emma“), die im Film beide beweisen, welch große Sangestalente doch in ihnen schlummern. Des Weiteren gibt es ein Wiedersehen mit John Leguizamo („Spawn“) als kleinwüchsigem Theatermimen, Jim Broadbent („Iris“), David Wenham („Der Herr der Ringe“) und Pop-Sternchen Kylie Minogue als grüne Absinth-Fee (gesanglich unterstützt von Metal-Legende Ozzy Osbourne). Wer sich dieses Meisterwerk entgehen lässt, ist selber schuld!

Wertung: 9 out of 10 stars (9 / 10)

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