Bad Santa (USA 2003)

bad-santaWeihnachten, Fest der Liebe und vor allem für die kleineren Erdenbewohner immer wieder ein Erlebnis. Andere sehnen nichts mehr herbei, als dass die hektische Zeit des Geschenkekaufens und Eilens durch völlig überfüllte Kaufhäuser endlich zu Ende ist. Passende Filme zum Thema Weihnachten gibt es zuhauf, doch da fast immer die moralische Keule dieser Werke Kopfschmerzen und üble Laune bereitet, sind auch diese eher zu vernachlässigen. Eine kleine Ausnahme bietet vielleicht noch der Griswold-Spaß mit Chevy Chase, der alljährlich im Fernsehen läuft und auch beim x-ten Mal nichts von seiner Sympathie verlieren mag. Grundsätzlich ist es im Falle des Anti-Weihnachtsmanns „Bad Santa“ schon fraglich, warum eine Veröffentlichung genau in der Mitte des Jahres erfolgt und nicht ein paar Monate später, doch stellt der sarkastische Spaß der Coen-Brüder, die hier als Produzenten fungieren, auch ohne Schneetreiben, Weihnachtsbäume und den üblichen Überfluss an Kitsch herrlich unterhaltsame 90 Minuten dar.

Willie T. Stokes (Billy Bob Thornton) kann auf eine beschissene Kindheit und ein Leben im Suff zurückblicken, über etwas anderes kann der notorisch betrunkene und stets fluchende Griesgram nicht reden. Gemeinsam mit seinem Partner Marcus (Tony Cox) geht er alljährlich zwecks Haushaltsicherung der nächsten Monate nach dem gleichen Muster vor. Er mimt den Weihnachtsmann in einem großen Kaufhaus und spielt den zahlreichen kleinen Blagen ihren Wünsche-Erfüller vor, während Marcus den kleinen Weihnachtselfen an seiner Seite gibt. Nachdem die Kassen des Kaufhauses voll sind, plündern die beiden kurzerhand den Tresor und sonstige benötigten Gegenstände und im kommenden Jahr geht das Spiel von vorne los. Nachdem alle guten Vorsätze für das nächste Jahr, ohne Suff das Geld nicht innerhalb kürzester Zeit zu verschleudern, ad acta gelegt werden müssen, haben die beiden Gauner sich das Kaufhaus des Managers Chipeska (John Ritter) ausgesucht. Doch der Plan scheint gefährdet, denn Willie erscheint nicht nur stets völlig betrunken zur Arbeit, sondern zudem fängt er eine Liaison mit der Kellnerin Sue (Lauren Graham) an und zu allem Überfluss nistet er sich auch noch bei einem 8-jährigen Jungen und seiner Großmutter ein, nachdem die Polizei ihm auf den Fersen ist.

Zwei Sachen stehen bezüglich „Bad Santa“ unweigerlich fest. Für einen geruhsamen Abend auf der heimischen Couch inmitten seiner Liebsten, sprich den Kindern, ist dies der falsche Film. Doch alle Menschen, denen die Lust an Weihnachten schnell vergeht, könnten durch Terry Zwigoffs („Ghost World“) Film neue Kraft für die Feiertage tanken. Ex-Angelina Jolie-Ehegatte Billy Bob Thornton („Ein einfacher Plan“) darf hier derart das Arschloch spielen, dass es eine wahre Freude ist, ihm bei seinen unaufhörlichen Hass- und Schimpftiraden zuzuhören. Diese richten sich nicht nur gegen seinen kleinwüchsigen Partner Tony Cox („Willow“), sondern auch gegen Kinder, seinen Vorgesetzten und im Grunde gegen alle, die irgendwann seinen Weg kreuzen. Es scheint so, als sei die Rolle des versoffenen Weihnachtsmanns die perfekte Rolle für Thornton, denn in all der Zeit hat man nie das Gefühl, er müsste sich irgendwie verstellen. Egal, ob er sein Inneres in den Hof einer Kneipe entlädt, betrunken zur Prime-Time die Weihnachtsdeko des Kaufhauses ruiniert oder großkotzige Kinder verprügelt, der Spaß ist gewiss. Auch in der deutschen Fassung, die im Übrigen dank der verbalen Entgleisungen seiner Protagonisten eine Freigabe ab 16 erhalten hat. Doch richtig lustig wird es wie so häufig in der Originalversion, die verbal noch einmal eine Spur härter ist.

Gänzlich ohne moralische Pfade zu beschreiten kommt zwar auch „Bad Santa“ nicht aus, doch bekommt in diesen anderthalb Stunden so ziemlich jeder sein Fett weg, auf politische Korrektheit wird dabei zu jeder Minute geschissen. Neben dem brillanten Billy Bob Thornton sowie Tony Cox gibt es auch ein kurzes und vor allem letztes Wiedersehen mit John Ritter („So ein Satansbraten“), der nach den Dreharbeiten verstarb. Bernie „Oceans Eleven“ Mac spielt ebenfalls eine kleinere Rolle, während Lauren Graham („Der Babynator“) die kleine Theken-Schlampe an der Seite des Weihnachtsmannes spielen darf. Kurzweiliger Spaß ist hier garantiert und unmittelbar vor den Feiertagen sollte man sich „Bad Santa“ noch einmal zu Gemüte führen, dann klappt es auch mit der Verwandtschaft.

Wertung: (7 / 10)

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