Unleashed – Entfesselt (GB/F/USA/HK 2005)

unleashed-entfesselt„Wenn ihr mit dem Herrchen fertig seid, tötet den Hund!“

Seit seiner kommerziellen Bauchlandung mit „Johanna von Orleans“ hat Frankreichs Regie-Maestro Luc Besson („Nikita“, „Léon – Der Profi“) seine Anstrengungen auf das Autoren- und Produzentenfach verlagert. In erster Linie kurbelt er damit den Actionfilm in seiner Heimat an und beschert dem Publikum meist unterhaltsames, doch im Grunde wenig originelles Genrekino. Eben Filme wie „Taxi“, „Wasabi“ oder „Die purpurnen Flüsse 2“. Nach „Kiss of the Dragon“ ist „Unleashed“ bereits seine zweite Zusammenarbeit mit dem quirligen Hongkong-Export Jet Li, der neben der neuerlichen Übernahme der Hauptrolle auch als Produzent fungierte. Auf dem Regiestuhl nahm Louis Leterrier platz, der bereits mit „The Transporter“ ein Skript Bessons auf die Leinwand brachte. Doch was im Ansatz ideale Voraussetzungen für kurzweiliges Popcorn-Kino verspricht, stolpert rasch über den Anspruch, auch dramatische Facetten bedienen zu wollen.

Bart (Bob Hoskins, „Felicia mein Engel“) ist einer der brutalsten Geldeintreiber Glasgows. Gerät einer seiner Schuldner in Zahlungsnot oder weigert sich gar, den geliehenen Betrag zu begleichen, lässt der skrupellose Gangster seinen Hund von der Kette. Mit mörderischer Präzision und roher Gewalt bewegt dieser potentielle Preller schnell zum Umdenken. Der Haken an der Sache: Barts Hund Danny (Jet Li, „The One“) ist ein Mensch. Sobald sein stählernes Halsband aufschnappt und die Worte „Hol sie dir“ erklingen, wird der dressierte Sklave zur rasenden Kampfmaschine. Nach einem heimtückischen Anschlag auf Barts Leben nutzt Danny die Chance zur Flucht. Schwer verletzt bricht er in einem Warenlager für antike Tasteninstrumente vor dem blinden Klavierstimmer Sam (Morgan Freeman, „Erbarmungslos“) zusammen. Der sanftmütige Amerikaner nimmt sich seiner an und lässt Danny bei sich und seiner Stieftochter Victoria (Kerry Condon, „Gesetzlos“) wohnen. Nur zögerlich öffnet sich der schüchterne Gast dieser Welt des gegenseitigen Respekts, doch gelingt es Danny sich binnen weniger Monate von der brutalen Vergangenheit zu lösen. Allerdings hat Bart das Attentat überlebt – und fordert bald das Besitzrecht an seinem menschlichen Haustier ein.

„Unleashed“ möchte mehr sein als die bloße Aneinanderreihung stupider Actionexzesse. Gerade im Mittelteil wird großer Wert auf den Wandel und die Sozialisation Dannys gelegt. Dabei bedienen sich die Produzenten mit der Verpflichtung Morgan Freemans eines simplen Tricks, soll der für seine Leistung in „Million Dollar Baby“ unlängst mit dem Oscar gekürte Darsteller doch allein durch seine physische Präsenz Sensibilität implizieren. Dabei ist Freeman aus darstellerischer Sicht kein Vorwurf zu machen, spielt er den vor Klischees berstenden Gutmenschen Sam doch mit routinierter Ausdrucksstärke. Das Problem des Films liegt in seiner völligen Unglaubwürdigkeit. Die Szenerie der ewig fluchenden Gangster und Gauner wirkt stereotyp und abgegriffen, neben Bob Hoskins klafft ein existenzielles Vakuum der Uninspiriertheit. In seinem wohl bekanntesten Film, „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“, geriet Hoskins mit allerhand Zeichentrickfiguren aneinander. Hier verkommt er selbst zum cartoonesken Abbild eines archetypischen Leinwandschurken. Dessen Hintergrund wirkt konstruiert, mancherlei Handlung gar hochgradig lächerlich. Denn von jeder Obrigkeit unbehelligt kann Bart in der Öffentlichkeit eine Pistole ziehen oder im Stadtgebiet brutal seinem Tagewerk nachgehen.

Wo „Unleashed“ auf psychologischer Ebene versagt, überzeugen zumindest die rasant in Szene gesetzten Actionsequenzen. Einen eigenen Stil kann man Louis Leterrier nicht attestieren, in schnellen Schnitten und rastloser Fotografie allerdings eine Affinität zur obligatorisch gewordenen Ästhetik moderner Videoclips. An Gewalt spart der Franzose dabei nicht, in ihrer archaischen Rohheit degradieren splitternde Knochen und in mörderischem Tempo gegen Schädel gerichtete Schlagsalven Haudegen des Standes Steven Seagal zu handzahmen Chorknaben. Wieso Barts eingekerkerte Geheimwaffe über solch hervorragende Martial-Arts-Kenntnisse verfügt, bleibt ungeklärt. Jedoch nutzt Jet Li auch diesen Film zur eindrucksvollen Zurschaustellung seiner akrobatischen Künste. Diese werden einmal mehr von „Matrix“-Choreograph Yuen Woo-Ping standesgemäß vorbereitet und dirigiert. Dass Li im Gegenzug bereits bei mimischer Zurückhaltung an seine darstellerischen Grenzen stößt, verwundert wenig. Denn sein „Danny the Dog“ ist nicht der Kaspar Hauser des Actionfachs, sondern lediglich ein weiterer Schlagetot mit marginalen Erinnerungswerten.

Wertung: (5 / 10)

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