Ein (un)möglicher Härtefall (USA 2003)

einunmöglicherhaertefallNachdem die Kritikerlieblinge Joel und Ethan Coen das Skript zu „Intolerable Cruelty” für die Universal-Studios verfassten, mussten erst neun lange Jahre vergehen, ehe die erste Klappe der Produktion fiel. Den Auslöser für das plötzliche Interesse an einer Verfilmung des Stoffes markierte niemand geringeres als George Clooney, der, nachdem er von dem Drehbuch erfuhr, unverzügliches Interesse an der Verkörperung des männlichen Hauptparts bekundete und den Stein des Anstoßes somit ins Rollen brachte. Denn Clooney, der drei Jahre zuvor bereits die tragende Rolle im Coen-Erzeugnis „O´ Brother Where Art Thou?” inne hatte, brannte auf eine erneute Zusammenarbeit mit den brillanten Brüdern, die in geradezu unnachahmlicher Manier den Spagat zwischen Kunst und Kommerz beherrschen.

Der charismatische wie knallharte Scheidungsanwalt Miles Massey (George Clooney) ist der beste seiner Zunft, ein auf unbedingte Siegermentalität geeichter Gewinnertyp. So bewahrt der wortgewandte Winkeladvokat mit bewährt juristischem Fintenreichtum auch den Millionär Rex Rexroth (Edward Herman, „The Purple Rose Of Cairo”) vor horrenden Unterhaltungszahlungen an seine zukünftige Ex-Ehefrau, die ebenso schöne wie hintersinnige Marylin (Catherine Zeta-Jones, „Chicago”). Damit allerdings zieht sich Miles weit mehr als nur deren Unmut auf sich, plante die latente Heiratsschwindlerin doch bereits ihren vorzeitigen Ruhestand auf wohl situiertem Polster. In voller Blüte kann Miles seinen neuerlichen Triumph allerdings nicht auskosten, hat sich der charismatische Charmeur doch unvermittelt in Marylin verliebt. In diesem Falle scheint dem wortgewandten Rechtsverdreher das Glück jedoch weniger hold, präsentiert die Angebetete doch bereits kurze Zeit später die nächste potentielle Altersvorsorge, den redseligen Ölbaron Howard Doyle (Billy Bob Thornton, „The Man Who Wasn´t Where”).

Stars der ersten Garde und ein für die Verhältnisse der Coens immenses Budget von fast 60 Millionen Dollar – fast scheint es, als würden die genialen Gebrüder dem Mainstream verfallen. Und wenn der Schein auch über weite Strecken trübt, so ist „Ein (un)möglicher Härtefall” doch das bislang schwächste Produkt der hochgelobten Autorenfilmer. Die Nuancen zwischen affektiertem Schauspieltum und authentischer Inszenierung erscheinen verwaschen, die zahlreichen Dialoggefechte trotz zum Teil urkomischem Wortwitz unausgegoren und ohne die zu erwartende Klasse. George Clooney gelingt es zwischen den Eckpfeilern seiner umwerfenden Performance zwar den Schein des übermütigen darstellerischen Glanzes zu wahren, doch erweist sich der Sympathiewert der Figuren, in der Hauptsache der des von Catherine Zeta-Jones verkörperten snobistischen Luders, als weitgehend verschwommen und schlicht zerrissen zwischen Zynismus und Romantik. So meistern die Gebrüder Coen den Drahtseilakt des hochfundamentierten Hollywoodkinos trotz gelungener Wendungen und dem Spiel mit der Erwartungshaltung des Publikums nur auf halber Strecke und servieren eine zweifelsohne unterhaltsame wie augenzwinkernde, obschon ebenso nichtige Komödie auf den Spuren legendärer Screwball-Klassiker.

Mit Geoffrey Rush („Fluch der Karibik”) und Cedric the Entertainer („Barbershop”) bis in kleinere Nebenrollen stimmig besetzt, schlägt Clooneys greiser Vorgesetzter (John Bliss) in seinem offenkundig von jüdischen Klischees zerfressenen Aufkeimen eine der wenigen Brücken zum gewohnt hintersinnigen Stil der individualistischen Filmemacher. Doch bleiben solch tragende Lichtblicke in ihrer Präsenz eher sporadisch und hinter dem Schleier der Gewohnheit verborgen. Die Hoffnung auf eine Besinnung von Joel und Ethan Coen auf ihre unabhängigeren Wurzeln bleibt nach dem kommerziellen Misserfolg jedoch bestehen. Nicht zuletzt aufgrund des Umstandes, dass sich der neueste Streich der Independent-Auteure, die ebenfalls hochbudgetierte Komödie „The Ladykillers” mit Tom Hanks in der Hauptrolle, als ebensolcher Flop erwies wie „Ein (un)möglicher Härtefall”.

Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

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