Atomic Shark (USA 2016)

Der Hai ist im modernen Monsterfilm vor allem eines: ein Vehikel absurder Ideen. Zwischen all den „Sharknados“ oder „X-Headed Shark Attacks“ kommt es auf „Atomic Shark“ dann auch nicht mehr an. Dabei hätte A. B. Stones („Lake Placid vs. Anaconda“) gewohnt billig abgespultes Massenprodukt das Zeug gehabt, den gegenwärtigen Trend wahrlich ironisch zu brechen. Denn vereinzelt parodistische Anflüge, bei denen über das Spiel mit Sound- und Bilddramaturgie gängige Klischees – und mit ihnen die Erwartung des Zuschauers –  trefflich ausgehebelt werden, fördern überraschendes Potential zu Tage. Bedauerlicherweise bleiben solch gelungene Szenen im u. a. von Griff Furst („Trailer Park Shark“) ersonnenen Skript seltene Lichtmomente.

Ergo wiegt die Last des konfektionierten Schnellschusses schwer, wenn am Strand von San Diego ein radioaktiv verstrahlter Hai sein Unwesen treibt. Der Vorspann taucht mit dokumentarischen Aufnahmen in die atomare Pionierzeit ein. Das hätte Möglichkeiten eröffnet, an denen die Macher aber offenkundig kein Interesse hatten. Also saust der Killerfisch in der Gegenwart mit glühender Finne durchs Wasser, setzt Boote in Brand und versengt angefallene Opfer. Obendrein zieht er eine Rauchfahne hinter sich her. Wenn das die Anti-Feinstaub-Lobby wüsste! Der an einem lädierten Knie leidende Rettungsschwimmer Kaplan (Bobby Campo, „Scream: The TV Series“) wird auf das Untier aufmerksam und macht sich mit Kollegin Gina (Rachele Brooke Smith, „Nightmare Shark“), die passenderweise Umweltwissenschaft studiert, an die Beweissuche.

Die ironische Übertreibung hilft auch diesmal nicht, den Standardplot zu erhellen. Das Tempo bleibt verhalten, der Humor gibt sich albern und der offensichtlichen Füllszenen sind es schlicht zu viele. Geradewegs erfrischend – oder passend trashig – erscheint hingegen die fast mitleidige Beteiligung von „Eine schrecklich nette Familie“-Veteran David Faustino. Als Drohnen-Spanner Fletcher beschert er Kaplan und Gina die nötigen Belege für die Existenz der tierischen Anomalie. Um das Monster aus Sicherheitsgründen (biologische Atombombe etc.) auf offener See zu bekämpfen, braucht es aber noch den knurrigen Bootseigner Rottger (B-Gardist Jeff Fahey, „Machete“). Dass der obendrein Ginas entfremdeter Vater ist, bleibt für die weitere Entwicklung absolut nebensächlich. Viel zu holen gibt es hier also nicht einmal für Genre-geübte Allesseher.

Wertung: 3.5 out of 10 stars (3,5 / 10)

Ähnliche Beiträge

  • Planet der Affen: Revolution (USA 2014)

    „Apes not kill apes.“ – Das Gesetz der Affen Dass sprechende Affen die Welt beherrschen, scheint angesichts der derzeit in verschiedenen Erdteilen eskalierenden kriegerischen Konflikte nicht einmal weit hergeholt. Denn vernunftorientierte Zeitgenossen sind in den Schaltzentralen der Macht offenkundig nicht als Taktgeber eingesetzt. Aber das Wesen des Menschen ist nun mal grundlegend destruktiv und die…

  • The Ring Virus (ROK 1999)

    Wer glaubte, Remakes wären ein Steckenpferd Hollywoods, irrt. Als Hideo Nakatas „Ring“ Ende der Neunziger seinen Siegeszug durch die japanische Kinolandschaft startete, schickte als erste Filmnation Südkorea eine eigens initiierte Neuverfilmung ins Rennen. Für die stand nicht nur die literarische Vorlage Kôji Suzukis Pate, Autor und Regisseur Dong-bin Kim („Train of the Dead“) wollte der…

  • The Spirit (USA 2008)

    „My city, I can not deny her. My city screams. She is my mother. She is my lover. And I am her Spirit.“ – The Spirit Welch kühne Idee, einen gefeierten Comiczeichner die Arbeit eines Kollegen verfilmen zu lassen. Und dann auch noch Frank Miller, der die Vorlagen zu „Sin City“ und „300“ schuf. Bei…

  • The Experiment (USA 2010)

    Wenn Menschen zu Bestien werden: Mit „The Experiment“ bereitet „Prison Break“-Erfinder Paul Scheuring den berühmten Stanford-Prison-Versuch von 1971 filmisch neu auf. Statt der reellen Ereignisse folgt er der populären deutschen Version, die Oliver Hirschbiegel als Adaption von Mario Giordanos Erfolgsroman „Black Box“ 2001 bereits unter dem Titel „Das Experiment“ drehte. Hinter dem bleibt Scheurings plakatives…

  • Und wieder 48 Stunden (USA 1990)

    Mit „Nur 48 Stunden“ gab Walter Hill („Long Riders“) die Steilvorlage für den modernen Kumpelfilm. An der Seite von Nick Nolte („Farewell to the King“) feierte Eddie Murphy („Beverly Hills Cop“) seinen Durchbruch und eroberte Hollywood mit Charme und Kodderschnauze. Acht Jahre später fand sich das bewährte Team zur Fortsetzung ein und beging ein Sequel,…