Pearl Harbor (USA 2001)

pearl-harborAmerikaner sind doch die besseren Menschen! Dies möchte uns die Traumfabrik (mal wieder) aufzeigen – diesmal mit „Pearl Harbor”. Über den Inhalt braucht man nicht wirklich viele Worte verlieren. Das hätte jeder Drehbuchautor einer Daily-Soap kaum beliebiger auftischen können: Die beiden Sandkastenfreunde Rafe (Ben Affleck, „Good Will Hunting”) und Danny (Josh Hartnett, „The Faculty”) fliegen für ihr Leben gern.

Der eine (Rafe) zieht in den Krieg gegen die Deutschen, nicht jedoch, ohne sich am Tag vor seiner Abreise noch in die Armee-Krankenschwester Evelyn (Kate Beckinsale, „Shooting Fish”) zu verlieben. Diese wiederum verguckt sich, nachdem Rafe vor der englischen Küste vom Himmel geholt und für tot erklärt wurde, in seinen besten Freund und umgekehrt. Beide werden nach Pearl Harbor versetzt, wo bald auch der unverhofft überlebte Rafe auftaucht. Das Gefühlschaos muss jedoch hinten anstehen, als die Japaner den Flottenstützpunkt am 7. Dezember 1941 attackieren.

Jerry Bruckheimer („The Rock”), seines Zeichens Produzent dieses filmischen Beinahe-Desasters, versucht mit dem amerikanischen Trauma Pearl Harbor – im Kombinat mit einer aufgesetzten Romanze – den bisher kommerziell erfolgreichsten Film „Titanic” zu toppen. Der Versuch ehrt ihn vielleicht, er scheitert jedoch weitgehend kläglich. Hatte „Titanic” (ähem) noch einen gewissen „Tiefgang”, so wirkt „Pearl Harbor” wie die Umsetzung des Praktikanten von James Cameron (hier Michael Bay, „Armagedon”).

Hölzern wirkende Schauspieler – darunter Cuba Gooding Jr. („Jerry Maguire”), Alec Baldwin („Glengarry Glen Ross”) und Tom Sizemore („Heat”) – denen man das Ganze irgendwie so gar nicht abnimmt, lächerliche Dialoge und eine ganz große Portion Patriotismus und Pathos – insbesondere getragen von Jon Voight („Mission: Impossible”) als Präsident Franklin D. Roosevelt – machen diesen Film zu einem gewaltigen Ärgernis. Der Angriff, das zerstörungsintensive Prunkstück des Films, ist zwar spektakulär in Szene gesetzt, bombt dabei aber leider alles weg, egal ob Freund, Feind, Sinn, Verstand oder Handlung. Auch die Darstellung des Feindes bleibt undifferenziert, die melodramatische Auflösung des Freundes- und Liebeskonflikts mehr plump als emotional berührend. Hollywood-Kino, wie es kalkulierter nicht sein könnte.

Wertung: 4 out of 10 stars (4 / 10)

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