Arctic Blue – Durch die weiße Hölle (CAN/USA 1993)

arcticblueBen Corbett (Rutger Hauer, „Blade Runner“) und seine Trapper-Kumpane sind wahre Naturburschen, die das unwirtliche Alaska wie ihre Westentasche kennen. Allerdings schneiden sie anderen Jägern auch einfach mal die Kehle durch, wenn diese nicht nach ihrer Pfeife tanzen. Zwar wird Ben gefasst, doch ist der Marshall verhindert um diesen per Flugzeug in die Zivilisation auszufliegen und somit der Justiz zu übergeben. Da trifft sich gut, dass Umweltaktivist und Wissenschaftler Eric Desmond (Dylan Walsh, „Nip/Tuck“), der für die lukrative Anstellung bei einem Ölkonzern samt Freundin Anne Marie (Ria Kihlstedt, „Deep Impact“) von L.A. in die ewige Kälte gezogen ist, einen Flugschein hat.

Während des Fluges gelingt es Ben allerdings das Fluggerät zu manipulieren und Eric zu einer Notlandung zu zwingen. Fortan müssen sich die Männer zu Fuß durch die eisige Wildnis kämpfen. Der erste Eindruck ist ein durchaus positiver. Zwei absolut unterschiedliche und rivalisierende Kerle müssen sich zusammenraufen, um in der Ödnis überleben zu können – und einer von ihnen ist Rutger Hauer! Leider kann das Öko-Abenteuer aber nur bedingt überzeugen. Hauer ist routiniert wie immer und auch wenn sein Ben Corbett ein unberechenbarer Killer ist, muss man den Kerl einfach mögen. An ihm liegt es denn auch nicht, dass „Arctic Blue“ in der Filmografie des kantigen Niederländers keinen der vorderen Ränge einnimmt.

Wesentlich zum unbefriedigenden Auskommen trägt neben der kaum zu leugnenden Belanglosigkeit der Geschichte die Unentschlossenheit des Skripts bei, jenen Corbett nun als gewissenlosen und opportunistischen Bastard zu zeigen, oder doch nun als Retter in der Not. Das letztere anzunehmen fällt aber sichtlich schwer, schließlich wird er zu Beginn als wirklich mieser Drecksack eingeführt, um dann dank der Rücksichtlosigkeit des wirklich bösen, bösen Ölkonzerns – gab es eigentlich mal einen Film, in dem ein vorkommender Ölkonzern nicht als pures Symbol des Bösen dargestellt wurde? – doch noch mit den Guten zu interagieren.

Zudem fällt der Part des Überlebenskampfes in den nie enden wollenden Schneemassen Alaskas dann doch sehr obsolet und darüber hinaus langatmig aus. Vier Jahre später, genauer 1997, durften Sir Anthony Hopkins und Alec Baldwin in „Auf Messers Schneide“ zeigen, was aus „Arctic Blue“ hätte werden können, wäre man bei der Umsetzung einfach etwas konsequenter gewesen. Für Gönner von Hauer sicher kein Totalausfall, für alle anderen aber in Werk, dessen Unkenntnis sich locker verschmerzen lässt.

Wertung: 4 out of 10 stars (4 / 10)

Ähnliche Beiträge

  • Bruderschaft des Todes (E 1999)

    Als Drehbuchautor hat sich Mateo Gil einen Namen gemacht. Der Spanier schrieb die gefeierten Thriller „Tesis“ und „Öffne deine Augen“, in Zusammenarbeit mit Alejandro Amenabár ersonn er auch das Skript zum Oscar-prämierten Melodram „Das Meer in mir“. Amenabár, Regisseur dieser drei Filme, komponierte im Gegenzug die Musik zu Gils Langfilmdebüt „Bruderschaft des Todes“. Geschrieben hat…

  • Bloody Mary (USA 2006)

    Manch sozialer Kreis pflegt seltsame Riten. Das Spiegel-Spiel zum Beispiel, bei dem die Probanden kleiderlos in den Keller einer Irrenanstalt entsendet werden, um vor einem gesprungenen Reflektor gleich mehrfach den Glauben an Bloody Mary zu bekunden. Gewinner gibt es keine. Höchstens die fahle Gestalt mit den langen Fingernägeln, die ihren Opfern die Augen raubt und…

  • Daredevil (USA 2003)

    Der blinde Teufelsadvokat Matt Murdock bzw. sein alter Ego „Daredevil“ hat in Deutschland nie die Popularität anderer Marvel-Kollegen genießen können, etwa die der freundlichen „Spinne aus deiner Nachbarschaft“ oder der Homo Superior um Professor X. Matt Murdock ist ein äußerst ambivalenter Charakter. Tagsüber ein engagierter Anwalt, der auch mal einen Fall verliert, so dass manch…

  • Mallrats (USA 1995)

    „They’re not there to shop. They’re not there to work. They’re just there.“ Mit seinem 1993 gedrehten und mehrfach preisgekrönten No-Budget-Kultfilm „Clerks“ wurde Autor und Regisseur Kevin Smith über Nacht berühmt. Sein knapp 30.000 Dollar teures Regiedebüt gilt als einer der innovativsten Independent-Filme überhaupt. 1995 folgte der zweite Teil seiner „New Jersey“-Trilogie: „Mallrats“. Diesmal, bedingt…

  • Das Kabinett des Doktor Parnassus (GB/F/CDN 2009)

    „Can you put a price on your dreams?“ – Tony Früher eilte den Filmen von Ex-Monty Python Terry Gilliam („König der Fischer“) das Zerwürfnis mit den Produzenten voraus. Oft zeigte sich der Regisseur unzufrieden, gab sich fremdgesteuert und der kreativen Freiheit beraubt. Bei „Das Kabinett des Doktor Parnassus“ jedoch waren es nicht die Leiden und…

  • Sister (USA 2011)

    „Jacob is harmless.“ – Irrt gewaltig: Edith Der positive Einfluss der Familie wird überschätzt. Nicht umsonst gerät bei Morduntersuchungen immer zuerst der genetische Anhang ins Visier der Fahnder. Wie oft hinter etwaigen Gräueltaten allerdings dunkle Mächte stecken, ist in nationalen Kriminalstatistiken nicht erfasst. Eine solche Vermischung strebt Larry Wade Carrell mit „Sister“ an, einem B-Horrorfilm…