American Horror Story (Season 1) (USA 2011)

american-horror-story-season-1„I have long stopped asking why the mad do mad things.“ – Constance

Das Genre des Haunted House-Horrors ist tot. Oder etwa nicht? Tatsächlich gelingt es der von Ryan Murphy und Brad Falchuk („Nip/Tuk“, „Glee“) entwickelten und weitgehend auch geschriebenen TV-Serie „American Horror Story“ frischen Wind in die Erbfolge von „Das Haus auf dem Geisterhügel“, „Bis das Blut gefriert“ oder „Amityville Horror“ zu bringen. Dass sich dieser im Laufe der 12 Episoden der ersten Staffel allmählich in ein laues Lüftchen verwandelt, ist bedauerlich. Denn vor allem die Einleitung ist überragend geraten und verknüpft fulminant Drama und Mystery-Grusel, wobei gängige Formeln des Spukhaus-Kinos eindrucksvoll unterlaufen werden.

Im Mittelpunkt steht Familie Harmon, die es von der amerikanischen Ost- an die Westküste verschlägt, wo nach dem Ehebruch von Vater Ben (Dylan McDermott, „The Messengers“) der Neuanfang gewagt werden soll. Gemeinsam mit Gattin Vivien (Connie Britton, „A Nightmare on Elm Street“) und der gemeinsam Tochter Violet (Taissa Farmiga, „Higher Ground“) zieht der Psychotherapeut in ein herrschaftliches Haus in Los Angeles, dessen blutige Vergangenheit von Maklerin Marcy (Christine Estabrook, „Desperate Housewives“) lediglich periphere Erwähnung findet. Weit auskunftsfreudiger gibt sich da schon die elitär anmutende Nachbarin Constance Langdon (famos: Jessica Lange, „Kap der Angst“).

Sie und ihre mit Down-Syndrom lebende Tochter Adelaide (Jamie Brewer) wohnen im Haus nebenan – und scheinen über die seltsamen Vorgänge auf dem Nachbargrundstück bestens informiert zu sein. Nahezu sämtliche Vormieter der Harmons kamen auf grausame Weise ums Leben. Dass ihr neues Heim ein seltsames Eigenleben aufweist, an die verborgenen Sehnsüchte seiner Bewohner appelliert und von den Geistern der in ihm Verstorbenen heimgesucht wird, dämmert als erstes der aufmüpfigen Heranwachsenden Violet. Die freundet sich rasch mit dem gleichaltrigen Tate (Evan Peters, „Kick-Ass“) an, der von Ben behandelt wird. Auch ihn scheinen die unheimlichen Vorgänge wenig zu überraschen.

Ein erster Beleg übernatürlicher Begebenheiten ist Haushälterin Moira O’Hara, die Vivien als zurückhaltende ältliche Dame (Frances Conroy, „Six Feet Under“) und Ben als dralle Verführerin (Alexandra Breckenridge, „The Ex List“) erscheint. Neben ihr sind es die mörderischen Erbauer des Hauses, deren monströse Brut oder ein schwules paar (u.a. Zachary Quinto, „Heroes“), die immer wieder im Haus (oder auf dem Grundstück) erscheinen. Ihr Schicksal eschließt sich in zumeist einleitenden Rückblicken. Aus ihrer Qual und die dem jeweiligen Ableben vorausgehenden Obsessionen scheint sich die mysteriöse Macht des alten Gebäudes zu speisen.

„It’s the darkness. It has me.“ – Violet

Um die weiß auch der durch Brandnarben entstellte Larry Harvey (Dennis O’Hare, „True Blood“), der Ben nachstellt und ihm unsanfte Warnungen über die supernaturale Kraft des Hauses zukommen lässt. Aber was auch geschieht, die Harmons können ihrem verfluchten Heim nicht entfliehen. Allen voran aus finanziellen Gründen. Das für den Zuschauer vorerst größte Geheimnis bleibt aber die Männergestalt im Latexanzug, die Vivien in nebulösem Dämmerzustand vergewaltigt. Als sie schwanger wird, glaubt sie zunächst an die neuerliche Vaterschaft ihres noch immer entfremdeten Gatten. Doch können beide nicht ahnen, welch teuflische Brut in ihrem Leib heranwächst.

Das stimmige Nebeneinander von präzisen Charakterzeichnungen und Gänsehautfaktor wird durch die häppchenweise präsentierten Erklärungen der Hintergründe gestützt. „American Horror Story“ hält dies hochatmosphärische und nicht allein aufgrund des verstörenden Vorspannes unbehagliche Stimmungsbild über die erste Hälfte der Staffel aufrecht und zählt dabei zum Besten, was die wahrlich an Höhepunkten nicht arme US-Serienlandschaft in den letzten Jahren zu bieten hatte. Dabei profitieren die Macher auch vom intensiven Spiel der Darstellerriege, zu der auch die gewohnt sehenswerte Kate Mara („127 Hours“) als Bens junge Affäre Hayden zählt.

Sie stellt dem schuldgeplagten Verflossenen in Kalifornien nach und erbringt bald den Beweis, dass Haus und Grundstück den Toten tatsächlich ein ewiges Gefängnis sind. Im sich schleichend verdichtenden Bild des Schreckens mit seinen morbiden Andeutungen und bisweilen wenig zimperlichen Gewalteinlagen werden die Erwartungen des Publikums immer wieder ausgehebelt. Im Verlauf der Geschichte erhalten die Geister allerdings einen wachsenden Stellenwert und werden selbst zu Protagonisten klassischer Prägung. Nur fällt die Spannung damit rapide ab.

Spätestens im Schlussdrittel wird der Plot mehr solide verwaltet denn packend vorwärts getrieben. Rundheraus enttäuschend gerät aber das Finale, bei dem einzig die zweifache Oscar-Gewinnerin Jessica Lange, die für ihre begeisternde Darbietung mit einem Golden Globe ausgezeichnet wurde, das Potenzial des Plots aufrecht erhält. Die bereits bestellte zweite Staffel wird mit annähernd gleichem Cast eine andere Geschichte erzählen. Hoffentlich eine mit mehr Konstanz.

Wertung: (7 / 10)

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