30 Days of Night (USA/NZ 2007)

30-days-of-nightIn der Vergangenheit war Josh Hartnett vor allem der Teenie-Schwarm. Seit „Sin City“ aber offenbart er ein Faible für düstere Stoffe, das ihn nach der unterschätzten Killer-Groteske „Lucky Number Slevin“ ins verschneite Herz der Finsternis führt. Wo Hartnett in einem Film Früher 40 Tage ohne Sex blieb, sind es heute 30 Tage ohne Tageslicht. Man kann darüber streiten, welches das kleinere Übel darstellt, den besseren Film ermöglicht eindeutig die zweite Beeinträchtigung. Denn mit der Dunkelheit bricht in der Sam Raimi-Produktion „30 Days of Night“ das Grauen über den charismatischen Mimen und seine Schauspielkollegen herein.

Hartnett ist Sheriff Eben, sein Zuständigkeitsbereich eine eisige Kleinstadt in Alaska. Jedes Jahr herrscht dort für einen Monat die Nachtschwärze. Viele Bewohner verlassen in dieser Zeit ihr Heim. Wer sich aber um die Grundversorgung der Gemeinde kümmern muss, der bleibt in der Dunkelheit zurück. Die Ankunft eines mysteriösen Fremden (Ben Foster, „Alpha Dog“) bildet die Vorhut des Schreckens. Denn als das Sonnenlicht erloschen ist, fallen Vampire über das von der Außenwelt abgeschnittene Nest her. In dieser Hölle versucht Eben mit seiner zerstrittenen Frau Stella (Melissa George, „Amytiville Horror“) und einer Handvoll Schicksalsgenossen zu überleben. Ein schier aussichtsloses Unterfangen.

Der dramaturgisch überraschend ausgefeilte Horror-Thriller legt Wert auf die Entwicklung der Figuren. Sie sind weit mehr als die Lämmer auf dem Weg zur Schlachtbank einer formelhaften Geschichte. Gefeit vor Vorhersehbarkeiten und bekannten Mustern, man denke nur an John Carpenters „The Fog“ oder „Das Ding aus einer anderen Welt“, ist „30 Days of Night“ selbstredend nicht. Der knallharte Beißer-Reißer bleibt ein Genrefilm, darüber aber längst keine Dutzendware. Dafür bürgt auch die gute Besetzung, die unter anderem mit Gardecharge Mark Boone Junior („Batman Begins“) und Charakterdarsteller Danny Huston („The Proposition“) als Blutsaugerführer Marlow auftrumpft.

Der sorgfältig ausgearbeitete Spannungsbogen verhindert, dass die Gewalt zum Selbstzweck verkommt. Nicht ihr obliegt die Stimmungsmache, sondern der von der Macht der Suggestion getragenen Andeutung. Dennoch hält sich „Hard Candy“-Regisseur David Slade in Sachen Blutzoll nicht zurück. Gerade gegen Ende serviert er manch explizite Wundzeichnung, wobei die Betonung eindeutig auf der Schlussgeraden liegt. Im Vorfeld besudeln die mit grotesken Fratzen bestückten Vampire zwar ausgiebig sich und die verschneite Umgebung, das jedoch ohne die pure Übervorteilung der Gewalt. Vielmehr unterstreichen die atmosphärischen Farbkontraste und das bisweilen surreale Ambiente die Nähe zur Comic-Vorlage.

Der qualitative Unterschied liegt meist im Detail. Um gar nicht erst in Erklärungsnotstand zu geraten, werden in einer der ersten Szenen die allesamt gestohlenen Mobiltelefone der Einwohner außerhalb der Stadt gefunden – im Feuer zusammengeschmolzen zu einem unbrauchbaren Klumpen Telekommunikationstechnik. Daneben ist es die schier greifbare Furcht, die oft gezeigte Verletzlichkeit der Charaktere, nicht zuletzt das in Teilen tragische Finale, das den sehenswerten Film aus der Beliebig- in die Manierlichkeit führt. Ein Meisterwerk ist der gelungene Streifen sicher nicht, für Genrefans aber dennoch ein kleiner Geheimtipp.

Wertung: (7,5 / 10)

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