12.04.2014 – Broilers / The Bones – Dortmund Westfalenhalle

broilers-tour-2014Die BROILERS haben es geschafft. Ihren Wurzeln im Oi- und (Ska-)Punk sind die Düsseldorfer weitgehend entwachsen und haben im deutschsprachigen Rock den Massenerfolg gefunden. Geebnet wurde der Weg mit ihrem fünften Album „Santa Muerte“, das bis auf Platz drei der Charts kletterte. Gekürt wurde dieser Siegeszug mit dem im Februar 2014 präsentierten Nachfolger „Noir“, der sich verkauft wie geschnitten Brot und gar die Spitze des statistischen Kommerz-Rankings erklomm. Das gefällt naturgemäß nicht jedem. Vor allem die alten Fans fühlen sich bei solch steilen Entwicklungen oftmals im Stich gelassen. Wer will seine Lieblingsband schon mit allen anderen teilen?

Ihr bislang größtes Konzert gab die 1992 gegründete Combo an diesem Abend in der Dortmunder Westfalenhalle. Rund 12.000 Besucher folgten dem Ruf und ließen insbesondere Bassistin Ines konstant im Kreis grinsen. Es sei ihr und Kollegen gegönnt. Die BROILERS haben sich den Erfolg erarbeitet und verstehen sich mittlerweile als Berufsmusiker. Wer könnte auch einem regulären 9-to-5-Job die Stange halten, wenn er/sie stattdessen das Hobby zur Profession erheben kann? Zünftig abgefeiert und textlich aus tausenden Kehlen begleitet wurden die BROILERS unbedingt. Ein bisweilen schaler Beigeschmack stellte sich trotzdem ein. Aber dazu später mehr.

Als Anheizer wurden die bewährten Schweden-Punk ‘n Roller von THE BONES verpflichtet, die über rund 30 Minuten souverän die Massen bespaßten. Die knappe Präsentationszeit nutzten die Herren für akustisch ungewohnt klare Anrisse ihres Schaffens und hinterließen mit Songs der Marke „Wendy“ sympathische Kurzweil. Die kleinen Bühnen, so viel aber steht fest, liegen dem nordischen Gespann trotzdem mehr. Doch zurück zu den BROILERS, die sich ein beachtliches Bühnenbild in Stadtsilhouette zimmern ließen und (inklusive filmischer Selbst-Laudatio) stolze 130 Minuten kernigen Rundumschlag boten.

Naja, kernig war zumindest der furiose Auftakt, der die Fanscharen mit Hits wie „Zurück zum Beton“, „Tanzt du noch einmal mit mir“, „Ist da jemand“, „Harter weg (Go!)“ oder „Ruby Light & Dark“ gleich in Ekstase versetzte. Vor allem im Mittelteil aber stellte sich gerade bei Nummern aus dem „Noir“-Fundus eine gewisse Beliebigkeit ein. Ein rauschendes Fest nämlich wurde es insbesondere dann, wenn die Blechbläser zum Einsatz kamen. Gemessen am Sound der jüngsten Scheibe eine durchaus erhellende Erkenntnis. Schwachpunkt des Abends blieben (trotz willkommener Anti-Nazi-Parolen) die Ansagen von Sänger Sammy, der wortreich versuchte die jüngste Entwicklung trotz aller Ablehnung durch Die Hard-Fans der ersten Stunde als einigende Maßnahme zu verkaufen.

Aber seien wir ehrlich, Erfolg geht immer auf Kosten derer, die nicht bereit sind die kommerziell einträglichere Wandlung einer Band zu akzeptieren. Die Verleugnung ihrer Wurzeln kann man den Rheinländern jedoch nicht zum Vorwurf machen. Dafür standen ins Set eingeflochtene Rückgriffe wie „In 80 Tagen um die Welt“, „Lofi“, das SLIME-Cover „Zusammen“ oder das final geschmetterte „Blume“. So blieb es eine nicht immer mitreißende, aber doch abwechslungsreiche und bereits aufgrund der Kulisse imposante Feuertaufe auf den ganz großen Brettern der Republik. Die BROILERS sind in den Stadien angekommen. Wer das nicht mittragen will, muss seine Sympathien wohl anderen Bands zukommen lassen.

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