07.10.2003 – No Use for a Name / Bigwig / Irish Car Bomb / The Planet Smashers – Berlin SO 36

no-use-for-a-name-tour-2003NO USE FOR A NAME zählen in den hoch geschätzten Stallungen des kalifornischen Vertreibers Fat Wreck unumstritten zu den beständigsten wie beliebtesten Formationen. In den mehr als 15 Jahren seines Bestehens bereicherte das vierköpfige Gespann die Wegesrichtung des melodischen Punk-Rocks um diverse erinnerungswürdige Veröffentlichungen, beispielsweise das klassische ’95er-Album „Leche Con Carne”. So sind NO USE nicht zuletzt aufgrund ihrer hohen Sympathiewerte gern gesehene Gäste in der bundesdeutschen Clublandschaft, was ihnen im Rahmen des 2001er Bizarre Festivals auch nicht unverdient den Rang des Fat Stage-Headliners bescherte.

Berlin wurde in den vergangenen Jahren bei den doch regelmäßig integrierten Europavisiten der Band sträflichst vernachlässigt; ein Umstand, welcher durch den eingeräumten Auftritt im legendären kreuzberger SO 36 nun Änderung erfuhr. Ein wenig gespannt war ich schon auf die Räumlichkeiten jener traditionellen Konzertstätte, sollte diese Veranstaltung doch meine erste Erfahrung im SO 36 nach der Übersiedelung in die Hauptstadt sein. Und im Bezug auf Klangqualität, Aufbau und Atmosphäre stellt die berliner Kult-Location, nach notwendiger Umbaupause mit nagelneuem Fußboden versehen, so manchen in NRW ansässigen Club doch weit in den Schatten.

In Sachen Stimmung präsentierte sich die sehr zeitig in Gang kommende Konzertkette an diesem regnerischen Dienstagabend allerdings noch deutlich steigerungsfähiger. Denn der relativ kurze wie kurzweilige Auftakt des kanadischen Quintetts THE PLANET SMASHERS, welche einen erstaunlich frischen Zwitter aus Pop-Punk und Ska, verpackt in einen stimmigen Kontext ironisch-sinnloser Natur, zum Besten gaben, wurde von einer recht überschaubaren Meute von knapp 100 Zuschauern mitverfolgt. Wohlgefühlt und amüsiert haben sich die Jungs allem Anschein nach jedoch prächtig, immerhin zollte ihnen der bewegungsfreudige Pulk in Front ansprechenden Tribut und würdigte die stimmungssprühenden Songs mit ausgelassenem Schwingen des obligatorischen Tanzbeines.

Bereits kurz darauf spie der eng bemessene Zeitplan die grundsoliden kreuzberger Old-School-Punk-Rocker FISHKILLER auf die Bühne, die allerdings nur verhaltene Begeisterung bei der merklich anschwellenden Betrachterzahl hervorriefen und lediglich die Vorfreude auf die nachfolgenden IRISH CAR BOMB schürten. Der muntere Vierer aus Florida, im Jahre 2000 aus ehemaligen Mitgliedern von RADIOBAGHDAD, AGAINST ALL AUTHORITY, ANCHORMAN und NUCLEAR BEER hervorgegangen, zog das Publikum denn auch recht zügig mit seiner überzeugenden Mixtur aus Hardcore-Punk und Street-Einflüssen auf seine Seite und verbreitete im Rahmen ihrer überaus gelungenen Performance durchgängig spürbare Fürsprache.

Diese ansprechende Vorführung wurde jedoch eine knapp gehaltene Umbaupause später in einem zutiefst beeindruckenden Handstreich durch das aus New Jersey stammende Trio BIGWIG beiseite gewischt. Denn die vor Energie strotzende Bühnenpräsenz BIGWIGs, im grandiosen Zusammenspiel mit blitzschnell aus den Boxen gefeuerten Bastarden aus melodischem Punk-Rock und Hardcore sucht wahrlich ihresgleichen und wird auf diesem, ihrem ersten Besuch in europäischen Breiten wohl so manch neugewonnenen Sympathisanten hinter sich lassen. Kraftvolle und eingängige Passagen bahnten sich bei ihrem famosen Gastspiel Hand in Hand ihren Weg in die Gehörgänge der Anwesenden Zuschauerreihen, welche das hervorragend zu Werke gehende Dreigestirn in jeder Hinsicht verdient abfeierten.

Daran änderte sich denn auch erwartungsgemäß wenig, als gegen kurz nach 23 Uhr NO USE FOR A NAME das Podium enterten und mit „Soulmate” gleich zur Begrüßung einen absolut frenetisch bejubelten Evergreen in die mittlerweile satt angefüllten Räumlichkeiten schmetterten. Zwar sollte im weiteren Verlaufe ihres einstündigen Gigs das meiste Gewicht den beiden Longplayern „More Betterness” und „Hard Rock Bottom” zuteil werden, doch waren sich NO USE einmal mehr nicht zu schade, geforderte wie stets vom Publikum stimmlich untermalte Hits wie „Justified Black Eye”, „Straight From the Jacket”, „Coming Too Close”, „The Answer is Still No”, von Bassist Matt Riddle im Einklang mit der begeisterungsfähigen Anhängerschaft gar mit dem auf „Making Friends” eingeleiteten Intro versehen, „Invincible” und „On the Outside” in das abwechslungsreiche Set zu involvieren.

Dabei zeigten sich Tony Sly und seine Spießgesellen um Publikumsnähe bemüht wie selten erlebt und dirigierten die dankbare wie willige Fangemeinde, letztendlich auf schätzungsweise 450 Getreue angewachsen, nach Belieben. Im Zuge der eingestreuten Zugaben wurde denn final auch in Gestalt von „Feeding the Fire” der „Daily Grind”-EP gehuldigt, bevor eine rundum begeisterte Zuschauerschar in die verregnete Nacht entlassen wurde. Dieser denkwürdige Konzertabend, geprägt von einem fulminanten, obendrein abwechslungsreichen Line-Up, gebettet in einen optimalen akustischen Mantel und aufgegriffen von einer Vielzahl begeisterungsfähiger Besucher wird wohl auch nachhaltig einen der vorderen Plätze im Spektrum erlebter Live-Events belegen. Definitiv der beste Club-Gig von NO USE FOR A NAME, dem ich bislang das Privileg hatte beiwohnen zu können!

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