Man of Steel (USA/GB/CAN 2013)

manofsteelcavillDie Figur des Superman muss gewiss nicht mehr ausführlich vorgestellt werden, dürfte der aufrichtige Kryptonier im rot-blauen Strampelanzug doch auch in den entlegensten Ecken des Planeten bekannt sein. Und da zur Zeit (Superhelden-)Comicverfilmungen erfolgreicher denn je laufen – besonders die aus dem Hause Marvel – war es wohl an der Zeit, dem „supersten“ der Superhelden endlich auch eine moderne(re) Verfilmung zu spendieren. Zwar hatte das vor einigen Jahren (genauer 2006) bereits der im Comicfilm erprobte Bryan Singer („X-Men“) versucht, dieser scheiterte aber mit seiner Schlaftablette „Superman Returns“ in nahezu allen Belangen.

Nun sollte Zack Snyder, der mit den Adaptionen von „300“ und „The Watchmen“ zwei recht gelungene Genrevertreter schuf, dafür sorgen, dass der Stählerne auch auf der großen Leinwand Episches erlebt und damit die Massen in die Lichtspielhäuser locken. Man wollte nichts dem Zufall überlassen und so wurde die lebende Kino-Legende Christopher Nolan mit ins Boot geholt, verhalf dieser doch dem DC-Kollegen im Fledermauskostüm zu einem mehr als fulminanten Comeback. Trotz der knorken Voraussetzungen ist das Reboot aber bei weitem nicht das erhoffte Meisterstück geworden.

Die Story von „Man of Steel“ erzählt (wieder) die schon seit den frühesten Anfängen Supermans (hier gespielt von Henry Cavill, „Krieg der Götter“) etablierte: Krypton explodiert, der kleine Kal-El wird zur Erde geschickt, entdeckt langsam seine Kräfte (und die Konsequenzen seiner Taten), kämpft gegen ein großes Übel und siegt am Schluss. So wie in all den (Kino-)Abenteuern zuvor. Nur liegt der Fokus diesmal größtenteils auf der zugegeben, recht ansehnlich gefilmten Action. Zunächst dürfen wir in den ruhigeren Passagen aber Clark während seiner Kindheit und der Jugendjahre beim Heranwachsen zusehen, der von einem stets grimmigen, aber grundsympathischen Kevin Costner („Waterworld“) in der Rolle von Adoptiv-Vater Jonathan Kent allenthalben Onkel-Ben-Weisheiten- und Ratschläge um die Ohren geschmissen bekommt. Große Verantwortung und so.

Der „Early Years“-Teil fällt aber deutlich geringer aus, als etwa zuvor in Richard Donners 1978er Evergreen „Superman“. Dafür aber wird mit knapp einer halben Stunde dem Krypton-Prolog deutlich mehr Zeit gewidmet, was aber begrüßenswert erscheint, weil dieser Part als der gelungenste des ganzen Films durchgeht. Snyder zeigt uns ein Krypton, wie man es zuvor im Film noch nie gesehen hat, von welchem man gerne auch noch mehr gesehen hätte. „Gladiator“ Russell Crowe ist darüber hinaus ein würdiger Nachfolger Marlon Brandos in der Rolle Jor-Els, des leiblichen Vaters unseres Helden, der hier neben seinen diplomatischen Fähigkeiten auch seine Combat Skills präsentieren darf. Überhaupt ist der Film sehenswert besetzt, da auch Amy Adams („Die Muppets“) als Lois Lane, Laurence Fishburne („Matrix“) und Diane Lane („Untreu“) mitwirken.

Snyder bedient sich aber auch bei Donners Sequel „Superman II“, da der Mann aus Stahl mit seinem Gegenpart, dem verbissenen General Zod (und Gehilfen) gegen einen sehr klassischen (Film-)Gegner antreten darf. Der 2013er Zod, gut ausgefüllt vom immer grandiosen Michael Shannon („Boardwalk Empire“), hat immerhin aber ein Motiv für seine Skrupellosigkeit, will dieser doch mit einer Terra-Forming-Apparatur die Erde in ein neues Krypton verwandeln. Über den (Un-)Sinn dieses Vorhabens sollte man sich besser keine Gedanken machen, denn es geht noch idiotischer, man denke nur an Luthors grandiosen Plan zur Landgewinnung in Singers bereits erwähnten „Returns“-Desaster. In Donners Fortsetzung war der vom großartigen Terence Stamp  gespielte Zod aber nur ein nach Macht und Anerkennung gierender Übermensch.

Der Rest ist eine gewaltige Zerstörungsorgie, die man so auf der großen Leinwand bestenfalls/schlimmstenfalls bei einem Michael Bay erwartet hätte. Dabei durften Snyder und Nolan für den spektakulären Showdown, in welchem halb Metropolis buchstäblich in Schutt und Asche verwandelt wird, viel negative Kritik einstecken, schließlich müssten den finalen Kampf der Supermänner Abertausende von Menschen mit ihrem Leben bezahlt haben. Nun ist aber ein Krieg ohne Kollateralschäden undenkbar, und wenn darüber hinaus auf dem Kriegsfeld zwei Superwesen, die sprichwörtlich Berge versetzen können, aufeinander prallen, ist die Wahrscheinlichkeit verdammt hoch, dass viel kaputt gehen könnte. Eben auch Menschen.

Sicherlich unnötig, ja sogar unpassend, ist hingegen die Superman-Christus-Analogie, die mehrmals so plump wie aufdringlich in Szene gesetzt wird, die aber umso absurder erscheint, als Supes selbst zum Schluss (im wahrsten Sinne des Wortes) das fünfte Gebot bricht. Nichtsdestotrotz sind die Weichen für ein (expandierendes) DC-Kino-Universum gesetzt, in dem schon längst beschlossenen Sequel kann es eigentlich nur noch besser werden. Wie auch nicht, ist mittlerweile doch schon bekannt, dass nebst Batman auch eine Wonder Woman zu sehen sein wird.

Wertung: 6.0 Stars (6,0 / 10)

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