Superman II – Allein gegen alle (GB 1980)

superman2donnerWir erinnern uns – in „Superman“-Teil eins verbannte Jor-El (Marlon Brando), Kal-Els/Clarks/Supermans Vater, den Dissidenten General Zod (Terence Stamp) und seine Herolde auf ewig in die Phantomzone. Dumm nur, dass Jahre später eine von der Erde stammende Wasserstoffbombe, die zuvor durch terroristische Hand die Vernichtung von Paris bewerkstelligen sollte, durch den das schurkische Vorhaben vereitelnden Superman (Christopher Reeve) in die Weiten des Kosmos katapultiert wird und bei der Detonation ausgerechnet das gläserne Gefängnis der Aufständischen zerstört und ihnen die Freiheit schenkt. Ist die Welt, pardon, das All doch klein!

Inzwischen gelingt auch Supes Erzfeind Lex Luthor (Gene Hackman) mit Hilfe seiner Assistentin Mrs. Teschmacher (Valerie Perrine) die Flucht aus dem Gefängnis. Während Superman, der Lois (Margot Kidder) mittlerweile seine wahre Identität enthüllt hat, in der Festung der Einsamkeit seine Kräfte für sie aufgibt, um mit ihr als normaler Mensch weiterzuleben – welch‘ Super-Idee – übernehmen auf der Erde Zod and Friends bereits die Schaltzentrale der weltlichen Macht: das Weiße Haus! Als Clark vom Terrorregime seiner Landsleute erfährt, ist es bereits zu spät. Als Normal-Sterblicher kann er gegen die Superdespoten natürlich nichts mehr ausrichten, die sich nebenbei auch noch mit Luthor verbündet haben.

Die Geschichte von „Superman 2“ ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Parallel mit „Superman – Der Film“ wurde auch schon der Zweitling in Angriff genommen – Regisseur Richard Donner („Lethal Weapon“) plante die Geschichte als Zweiteiler mit endgültigen Ende –, doch die Großproduktion stand in der zweiten Hälfte unter keinem guten Stern. Kameramann Geoffrey Unsworth und Designer John Barry, welcher auch für die fantasievollen Sets von „Star Wars“ zuständig war, starben kurz nach der Fertigstellung des ersten Werks. Doch das wohl größte Übel stellte sicherlich die Entlassung Donners vor der Fertigstellung des Films dar. Mehr als zwei Drittel des Gesamtwerks ward bereits auf Zelluloid gebannt, da zerstritten sich der Filmemacher und einer der Produzenten, Alexander Salkind, welche eine weitere Zusammenarbeit gar in diesem Stadium nicht mehr zulassen sollte.

Das Ruder sollte nun Richard Lester übernehmen, welchem die Welt die Beatles-Filme und die 70er Musketier-Abenteuer verdankt. Trotz fast abgeschlossener Dreharbeiten wurde das Szenario aus wirtschaftlichen Gründen gründlich umgeschrieben, um das Budget zu senken, aber auch um weitere Sequels zu ermöglichen. Opfer der Budgetkürzungen wurde unter anderem Marlon Brando, dessen Jor-El-Szenen nicht mehr Verwendung fanden, die aber in Richard Donners Hybrid-Fassung fast drei Jahrzehnte später wieder auftauchten. Diese kuriose Schnittfassung, allgemein „Richard Donner Cut“ genannt, erschien 2006, kurz vor Brian Singers „Superman Returns“, der ebenso zuvor nicht verwendetes Brando-Material integrierte.

Diese von Fans jahrelang lautstark geforderte Version unterscheidet sich von der Kinoversion enorm, es sind nicht nur wie üblich erweiterte Szenen dazu gekommen, Segmente der Geschichte werden zu völlig anderen Zeiten umplatziert, andere Passagen wurden komplett entfernt oder es sind völlig neue hinzu gekommen. Im Grunde genommen handelt es sich so um zwei komplett verschiedene Filme, von welchen aber Donners Schnitt, wie nicht anders zu erwarten war, kompatibler mit dem Vorgänger ist, schließt diese Fassung doch auch nahtlos ans Ende des Erstlings an. So fehlt im Recut etwa der Paris-Part gänzlich, befreit Superman eigentlich schon am Ende des ersten Films die bösen Kryptonier aus der Phantomzone mit einer umgeleiteten Rakete, mit welcher Luthor Neu-Kalifornien erschaffen wollte.

Donner benutzte darüber hinaus das kontroverse „Superman dreht die Zeit zurück“- Ende, das wir als den Schluss des ersten Films kennen, eigentlich als Post-Showdown des zweiten Films, wobei dadurch auch der idiotische Einfall der Kinofassung entfällt, Clark Lois küssen zu lassen und ihr damit wie auch immer das Gedächtnis zu bearbeiten, um sie vergessen zu lassen, dass er Superman ist. Dass sich Clark dann aber auch noch am Schluss des Donner-Cuts am Trucker „rächen“ muss, ist schlicht und einfach dämlich, hat dieser Clark nach der Raum-Zeit-Kontinuum-Verschiebung doch eigentlich nie zu Gesicht bekommen! So weit, so konfus.

Die Kinoversion bereichert den Fähigkeitsfundus des Stählernen neben dem ebengenannten „Kuss des Vergessens“ auch noch um Laser verschießende Handflächen, Telekinese und ein albernes Plastik-Riesen-Superman-Logo, das als Fangnetz genutzt werden kann. Diese gab es zwar im Comic nie zu bestaunen, aber sind sie nicht… super? Wie dem auch sei, zu behaupten, die eine Fassung sei besser oder auch schlechter als die andere, ist nicht leicht, unterhalten beide fraglos noch zur Genüge, auch wenn der lockere Ton des ersten Films so gut wie nicht mehr vorhanden ist. Dafür hat man es dann im dritten Teil mit dem Frohsinn etwas übertrieben. Aber das ist eine gänzlich andere Geschichte.

Wertung: 6.5 out of 10 stars (6,5 / 10)

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