London Boulevard (GB/USA 2010)

londonboulevard„What you have to understand is that if I were a gangster you would be the first to fucking die. I wouldn’t work for you. I would kill you and take everything you’ve got – if I were a gangster. That’s why you don’t want me to be a gangster. Nobody wants me to be a gangster. Because I couldn’t stop if I started.“ – Mitchel

Der britische Gangsterfilm ist nicht erst seit Guy Ritchie („Snatch“) ein schwarzhumoriger Sündenpfuhl grotesker Verzerrung. Eines der schillernden Vorbilder ist der Michael Caine-Klassiker „Get Carter“ (1971). Zarte Anlehnung an diesen übt auch der auf Ken Bruens („Blitz“) gleichnamigem Roman basierende Halbwelt-Thriller „London Boulevard“, den der erstmals Regie führende Oscar-prämierte Drehbuchautor William Monahan („The Departed“) selbst adaptierte. Darin sucht Colin Farrell („Brügge sehen… und sterben“) als frisch aus dem Knast entlassener Gangster Mitchel den Weg in die Normalität.

Ein Leben ohne Verbrechen soll es für ihn sein, mit ehrlichem Auskommen. Ein nahezu aussichtsloses Unterfangen. Denn nicht nur der korrupte Bulle Bailey (Eddie Marsan, „Sherlock Holmes“) hat Probleme den Läuterungsbekundungen Glauben zu schenken, auch Mitchels alter Kumpel Billy (Ben Chaplin, „Birthday Girl“) versucht ihn gleich auf die schiefe Bahn zurückzuleiten. Dieser steht in Diensten des gefürchteten Unterweltbosses Gant (Ray Winstone, „Auftrag Rache“), der seinerseits reges Interesse zeigt, den gerissenen Ex-Knacki in sein Syndikat zu integrieren. Und ein Nein lässt der als Antwort nicht gelten.

Das allein ist aber nur eine Seite dieses betont flüchtig erzählten, jedoch nicht frei von Tiefe belassenen Brit-Thrillers, der Coolness auch schon mal mit blanken Zynismus gleichsetzt. Die andere Seite ist eine Romanze zwischen Mitchel und Schauspielerin Charlotte (Keira Knightley, „Abbitte“), die ob freizügiger Rollen in ihrem Londoner Haus von Paparazzi belagert wird. Ihr und dem exzentrischen Alt-Hippie Jordan (David Thewlis, „Anonymous“) dient sich Mitchel als Hausmeister an. Dass sich der Ex-Gangster und das Starlet näher kommen, bleibt unabdingbar. Was aber klingt wie schmalziges Hollywood-Gesäusel mit „Bodyguard“-Beigeschmack, wird als flüchtiger Hoffnungsschimmer eher zum Beiwerk.

Denn neben den Querelen mit Gant, die sich nach anfänglichen Drohungen in Gewalt manifestieren, will Mitchel den brutalen Mord an einem ihm vertrauten Bettler rächen. All diese Elemente verdichtet Monahan nicht immer homogen, dafür aber schnörkellos und mit starken Bildern vom zweifach Oscar-gekrönten Chris Menges („The Killing Fields“). Allerdings will „London Boulevard“ trotz tragischer Anflüge und unkonventionellem Ausklang keine Milieustudie sein, sondern ein dramaturgisch nachvollziehbarer Pulp-Thriller mit unterschwelliger Überspitzung und eruptiven Gewaltexplosionen. Die guten Darsteller tun ihr übriges, um dies unterschätzte und bitter gefloppte Werk zumindest für Freunde des modernen (britischen) Gangsterkinos zum Pflichtprogramm zu erheben. Ruppig und gut.

Wertung: 7.0 Stars (7,0 / 10)

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