Redirected – Ein fast perfekter Coup (LT/GB 2014)

redirectedDer Pulp-Thriller mag durch Quentin Tarantino seine moderne Blaupause erhalten haben, geprägt wurde er – neben Robert Rodriguez – aber auch durch Guy Ritchie. In dessen Gangster-Grotesken „Bube, Dame, König, grAS“ und „Snatch“ kam Ex-Fußballprofi Vinnie Jones zu seinen ersten Auftritten als Schauspieler. Auf dieser Basis startete er eine beachtliche Karriere und wirkte unter anderem in „Die Todeskandidaten“ und dem Kult-Schocker „Midnight Meat Train“ mit. Die litauisch-britische Koproduktion „Redirected“ (deutscher Kinotitel: „What the Fuck heißt REDIRECTED?“) – gedreht von „Zero“-Regisseur Emilis Velyvis – führt ihn auf Ritchies Spuren an seinen Ursprung zurück. Wenn auch ohne nennenswertes Qualitätslevel.

Ausgerechnet an seinem Geburtstag wird Michael (Scot Williams, „Dead Man Running“) von seinen Kumpels Johnny (Gil Darnell, „The Deadly Game“), Ben (Anthony Strachan, „Once Upon a Time in the Midlands“) und Tim (Oliver Jackson, „Entity“) „entführt“. Die Gelegenheits-Gangster benötigen für den Überfall auf eine illegale Pokerrunde einen weiteren Komplizen. Der nichtsahnende Michael kommt ihnen da gerade recht. Dass die Bar, in der das Kartenspiel steigt, „The Big Tits“ heißt, reißt das um absurde Details bemühte humoristische Niveau frühzeitig zusammen. Das wäre grundlegend verzeihlich, würden die Figuren nicht durchweg notwendige Sympathiewerte vermissen lassen. Und Protagonisten, die dem Zuschauer am Allerwertesten vorbeigehen, waren noch nie eine solide Basis für einen Film.

Aber zurück zur Geschichte. Besagte Bar wird von Jones’ Unterweltgröße Golden Pole betrieben. Klar, dass der den Raubzug sühnen will. Anlass gibt ein besonderer Ring, den er von einem gewissen Tony Montana (!) geschenkt bekam, und den die Möchtegern-Diebe neben einer stattlichen Summe Bargeld an sich reißen. Nach geglückter Flucht wird ausgerechnet Michael erkannt und am Flughafen, wo er die Beute sicherstellen will, von seinen Richtung Malaysia aufgebrochenen Gefährten niedergeschlagen und an Bord verfrachtet. Durch den Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull wird der Flieger jedoch nach Litauen umgeleitet, wo sich die Flüchtigen neben dem ihnen nachreisenden Golden Pole mit kriminellen Prostituierten, diebischen Polizisten und provinziellen Menschenschleusern herumplagen müssen.

Velyvis setzt auf harte Kerle und übersteigerte Dialoge. Groteske Gewalt, wie sie für Tarantino & Co. typisch ist, spart er weitgehend aus. Nötig hätte sie der Film ohnehin nicht gehabt. Dafür aber eine gewisse Eigenständigkeit, denn typische (Brit-)Gangster-Klischees mit übertriebenen Osteuropa-Eigenheiten zu koppeln, darf kaum als originell bezeichnet werden. So geraten die gestrandeten Engländer mit Anleihen bei „Mad Dogs“ und „Hangover“ in skurrile Situationen (Johnny etwa muss den halben Film halbnackt mit einem ans Handgelenk geketteten Heizkörper zubringen) und werden verprügelt, mit dem Kopf ins Klo gesteckt, angefahren oder angeschossen. Bemüht turbulent ist das fraglos, in der Hauptsache aber aus Bestandteilen viel besserer Vorläufer zusammengeschustert. Wie es der Film bei uns ins Kino schaffen konnte, bleibt damit mehr als fraglich.

Wertung: (3,5 / 10)

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