Zeki Min – Shiner (2016, Gunner Records)

zeki-min-shiner„This goddamn world is broken / And I can’t fix it, I can’t fix it / Just try to live as honest as I can / Sometimes it works sometimes it doesn’t.“ – ‘Everything’s Collapsing’

Dass mitreißender Folk nicht zwangsläufig aus dem Herzen der USA stammen muss, beweist Zeki Min. Der kommt aus Bremen und wurde für das Backcover seines neuen Albums „Shiner“ als zauseliger Hut- und Gitarrenträger in einem Feld abgelichtet, das gut und gern auch im nordamerikanischen Corn Belt verortet sein könnte. Aber das Wo war in der Musik noch nie entscheidend. Auf das Wie kommt es an. Und das erweist sich auf der zweiten Solo-Platte des heimischen Singers/Songwriters als zeitlose Brücke zwischen der klassischen Ausrichtung eines Woody Guthrie und der modernen Interpretation von MUMFORD & SONS.

Das Problem vieler Solo-Werke ist die schleichende Monotonie. „Shiner“ beugt dem durch eine beachtliche Vielseitigkeit vor. Denn obwohl die Cover-Fotos anderes suggerieren, werden die elf Stücke eben nicht allein von Zeki Min und seiner Akustikgitarre ausgebreitet. Neben vereinzelten Nummern in Bandbegleitung (hervor sticht der Opener „Everything’s Collapsing“) sind Streicher und Keyboard rege Begleiter. Hinzu kommen teils weibliche Hintergrund-Gesänge, die den Songs eine willkommene Dynamik – und der Platte insgesamt dankbares Volumen verleihen. Von Melancholie getragene Beiträge wie „Out in the Wild“, „A Single Thing“ oder „Up and Down and Turn Around“ sind Kleinode, deren umfänglicher Wirkung bisweilen einzig der dezent widerhallende Sound entgegensteht. Aber irgendwie fügt sich auch dies vermeintliche Mini-Manko ins eigenwillige wie durchweg positive Gesamtbild ein.

Wertung: (7,5 / 10)

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