Wolf Creek 2 (AUS 2013)

wolf-creek-2.jpg„I am a ‘pig shooter‘! Ya know what I do to pigs when they start squealin’? I make ’em stop!“ – Mick

Australien ist ein gefährliches Pflaster. Einer der Regisseure, die dies mit jedem Film aufs Neue unter Beweis stellen, ist Greg McLean („Rogue“). Als moderner Verfechter der „Ozploitation“, jener Down Under-Spielart des exploitativen Genrekinos, führt er Protagonisten und Publikum in die Welt des Schmerzes. Eindrucksvoll unterstreichen konnte er dies bereits mit seinem Debütfilm „Wolf Creek“ (2005), der das Sujet des Backwood-Slashers variierte und John Jarrett („Dark Age“) als diabolischen Freizeitjäger Mick Taylor etablierte. Natürlich auf den Spuren wahrer Begebenheiten.

Bevorzugte Beute des wahnsinnigen Killers sind Rucksacktouristen. Und da er am Ende einfach in der unendlichen Einöde verschwand, stand er potenziell für eine Fortsetzung bereit. Für die allerdings ließ McLean acht Jahre ins (Hinter-)Land ziehen. Geändert hat sich in dieser Zeit jedoch denkbar wenig. Der True Crime-Anstrich ist erhalten geblieben, wird in der einleitenden Skizzierung jedoch rasch einem konventionellen Blutbad geopfert, bei dem sich Jarratt als zynische Sprüche klopfender Psychopath mit sichtlichen Vergnügen an Sadismus und Ausweidung präsentieren darf.

Die Einführung stilisiert ihn zum Outback-Anarcho, der dem überzogenen Traktat durch wichtigtuerische Streifenpolizisten mit Präzisionsgewehr und Benzinkanister begegnet. Aber die Rache des Wutbürgers ist nur ein Aufhänger für rüde Gewalt, die in der deutschen Kinofassung recht großzügig herausgekürzt wurde. Das ungeschnittene Original ist mal wieder ein heißer Anwärter auf eine bundesweite Beschlagnahmung und steht im Geiste übertrieben gewaltsamer Schocker der Marke „Storm Warning“. Der dazugehörige alibihafte Plot geht so: Als sich zwei deutsche Urlauber in Micks Jagdrevier im Nationalpark verirren, folgt die absehbare Zuspitzung aus Mord und Verfolgung.

Der sich unfreiwillig einmischende Brite Paul (Ryan Corr) wird fortan zum Hauptziel des sadistischen Naturburschen, der mit einem Truck freudig über die Straße hüpfende Kängurus plättet und kurzeitige Erinnerungen an Steven Spielbergs „Duell“ wachruft. Über kleine Verschnaufpausen mündet die Hatz für Paul in Micks üppig ausgestattetem Folterkeller, in dem der nationalistische Unmensch aus Leidenschaft Australien vor Übervölkerung bewahrt und seine perversen Neigungen voll auslebt. Dabei entspinnt sich eine makabre Quizrunde, bei der jede falsche Antwort mit dem Verlust eines Fingers quittiert wird.

Ein bisschen Gegenwehr muss natürlich erlaubt sein. Doch wer da am Ende unversehrt in den Sonnenuntergang spaziert, sollte von vorneherein klar sein. „Wolf Creek 2“ ist brutales Genrekino mit deftigem (Anti-)Humor – zweckentfremdete Musikklassiker eingeschlossen – und solidem Nervenkitzel. Die Umsetzung ist der klassischen Genreformel entsprechend schnörkellos und um verstörende Ausweglosigkeit bemüht. Wertschätzern des rüden Horrorfilms wird das genügen. Überraschend, geschweige denn aufwühlend ist der zweite Auftritt des debil kichernden Schlächters Mick Taylor allerdings nicht geraten.

Wertung: 5 out of 10 stars (5 / 10)

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