Wings of Freedom (USA 1989)

wingsoffreedom„Die ´Wings of Freedom´ essen Steaks nur medium…” – Gesänge einer unterschätzten Schauspielerseele unter der Dusche: David Hasselhoff

Retro ist in, Retro ist cool. Ob poppige Frisuren, wiederwärtige Modeerscheinungen, halb verweste musikalische Restrudimente oder schnelllebige Neuauflagen seinerzeit beliebter Fernsehserien fürs Kino, das unlängst eingeläutete dritte Jahrtausend trägt den deutlichen Stempel dahingeschmolzener Dekaden. Neben den hinreichend glorifizierten wie scheinbar unbändig beliebten Anachronismen der 70er bilden die nicht minder bemitleidenswerten 80er-Jahre wohl die Speerspitze jenes nur bedingt nachvollziehbaren Modetrends.

Sicher mag der Grund dieser Art der Betrachtung von Sarkasmus gesäumt sein, doch wird folgende Filmvorführung all jenen schwelgerischen Befürwortern derlei Vergangenheitsbewältigung mit blankem Arsch ins grienende Antlitz springen! Die Rede ist von „Wings of Freedom”, in grauer Vorzeit vom wunderbaren Sendegebilde RTL mit dem passenden Untertitel „Hasselhoff haut drauf” versehen. Und in der Tat, die Hauptrolle des auch unter den Titeln „W.B., Blue and the Bean” sowie „Bail Out” veröffentlichten Low-Budget-Streifens spielt niemand geringerer als der beliebte wie verlachte Serienstar und Aushilfsminnesänger David Hasselhoff, der mit den immens erfolgreichen TV-Reihen „Knight Rider” und „Baywatch” rund um den Globus Fernsehhistorie geschrieben hat.

Zur Wiedergabe der Handlung von „Wings of Freedom” soll an dieser Stelle allerdings lediglich die auf dem Cover eines rüstigen Videotapes verewigte Inhaltsangabe des Verleihers VCL bemüht werden: „W.B. (David Hasselhoff) liebt das gute Leben, schnelle Autos und schöne Frauen. Er arbeitet für eine Agentur, die dafür sorgt, daß auf Kaution Freigelassene zum Gerichtstermin erscheinen. Sein Partner ist der Farbige „Blue” (Tony Brubaker), sein Mundwerk ist genauso flink wie seine Hand. Das Trio der Kopfgeldjäger wird komplett durch den Mexikaner „Bean” (Tom Rosales, Jr.), ein Familienvater mit sechs Kindern, der bevor er fragt, erst einmal schießt. Die drei wissen nicht, worauf sie sich eingelassen haben, als sie sich verpflichten, Nettie (Linda Blair) pünktlich zum Gerichtstermin zu bringen. Ihr Gegner in diesem Spiel ist ein übermächtiger und skrupelloser Kokain-Dealer, der eine ganze Armee von Banditen auf die Beine stellt, um das Trio zu stoppen und Nettie zu kidnappen.”

Ohne auf das dünne Eis der Übertreibung zu driften, markiert „Wings of Freedom” unbestreitbar einen der besten 4.543.764 Filme der Geschichte, ein Werk der Superlative, ein schierer Meilenstein an darstellerischer Inbrunst und kostengünstiger Umsetzung. Regievirtuosen des Standes Martin Scorsese, F. Ford Coppola oder Ridley Scott betonten in der Vergangenheit immer wieder die weitreichenden Einflüsse dieses Films auf ihr künstlerisches Gesamtwerk, während Schauspielchamäleon Robert DeNiro beim Leben seiner beiden Oscars beschwört, im Laufe seiner Kariere nie erhabenere Momente mimischen Frohsinns zu Gesicht bekommen zu haben. (NOT) Und in der Tat ruft die inszenatorische Ausnahmeerscheinung Max Kleven („Ruckus – Die Kampfmaschine”) sämtliche in der düsternis seiner krampfigen Darmwindungen schlummernden Talente wach, um das von ihm eigenhändig verfasste Skript gnadenlose Realität werden zu lassen.

Seien es Handys in der Größenordnung einer interstellaren Raumbasis, sporadisch bis gar nicht ausgeleuchtete Interieurs oder eine Handlung, die ihren Bodensatz auch nach dem dritten Durchlauf kaum transparent zurücklässt, „Wings of Freedom” ist als unfreiwillig komischer Video-Trash bedrohlich nahe der Schmerzgrenze. Denn obwohl die hanebüchene Action-Klamotte nicht mit Selbstironie geizt, erscheint der banale Ringelpiez wie ein ominöser Pilotfilm einer niemals realisierten Fernsehserie. Der Soundtrack mutet dabei an wie das wüste Demotape einer verhinderten Easy-Listening-Kapelle, die „uniformierten” Schergen des zuhältergleichen Drogenbarones zeigen sich allesamt gehüllt in die „Miami Vice”-Gedächniskollektion und die putzigen Dialoge laden in loser Folge zum munteren Losprusten und zwerchfellerschütternden Lachsalven ein.

Über aller Frohnatur thront jedoch der sympathische Hauptakteur und obendrein Produzent des infantilen Getümmels David Hasselhoff („Der Schrecken der London Bridge”, „Der Ring der Musketiere”), der allen Ernstes auf den Rollennamen Weißbrot (W.B. – verstanden!) hört und im munteren Zusammenspiel mit der darstellerischen Trockenpflaume Linda Blair („Der Exorzist”) und den Knallchargen Tony Brubaker („Dark Angel”), Thomas Rosales, Jr. („Phantom Commando”) und John Vernon („Dirty Harry”) alle Kritiker billiger Unterhaltungswerke Lügen straft. Dass dabei recht häufig das fusselige Mikro ins Bild flattert, in bester Absicht die Hinterköpfe der Protagonisten mit der erforderlichen Portion Streicheleinheiten zu versorgen, stört in Anbetracht der einzigartigen Verbreitung guter Laune herzlich wenig.

Die beinahe grotesk anmutenden Actionsequenzen hebt sich „Wings of Freedom” indes für das amüsante Schlußdrittel auf und würzt selbige mit einigen raffiniert eingestreuten pyrotechnischen Entgleisungen, in deren tolldreisten Feuerzauber Wellblechbehausungen mit der Sprengkraft einer mittleren Atombombe detonieren und selbst Bambusunterkünfte in gleißenden Lichtkegeln pulverisiert werden. Fragwürdig verbleibt im Angesicht dieses völlig sinnfreien Angriffs auf die Lachmuskeln allerdings das R-Rating der amerikanischen Zensurbehörde MPAA. Oder sollte dieses (trotz Schnitten in der hiesigen Fassung) fast gewaltfreie Spektakel wider Erwarten die Würde des Menschen untergraben?

Letztlich bleibt neben der Anmerkung, dass „Wings of Freedom” absolutes Pflichtprogramm im Dasein eines jeden Trashfreaks ausbildet, noch verschmitzt am Rande die Empfehlung herauszublöken, den schmucken Beau Hasselhoff beim Umgang mit der Waffe sowie hoch zu Ross genauestens zu Beobachten – es lohnt sich! Ach ja, seinen chartplatzierten Gassenhauer „Looking for Freedom” darf der glattrasierte Pinsel auch noch in den Pöter des Lächerlichen schmettern, in einem trailerartigen Zusammenschnitt zum Auftakt des Geschehens – und natürlich im Abspann. So, if you´re „Looking for Freedumb”, feel free to enter the world of „W.B., Blue and the Bean”…

Wertung: (4 / 10)

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