The Wonder Years – Sister Cities (2018, Hopeless Records)

THE WONDER YEARS waren schon immer ein Lichtblick inmitten vieler ähnlich gearteter Pop-Punk Bands. Selbst während ihrer Anfänge, als sie diesen Genre-Stempel noch mehr verdienten als heute. Doch statt irgendwann einfach poppigen Einheitsbrei zu produzieren – siehe ALL TIME LOW – war die Band um Frontmann Dan Campbell schon immer emotionaler und vor allem authentischer. Mit ihrem sechsten Studioalbum „Sister Cities“ ändert sich das nicht, aber musikalisch wird manch alter Zopf doch etwas gestutzt. Das Album bietet insgesamt weniger Tempo, sie reduzieren den Punk (wenn man ihn denn hier so nennen möchte) auf ein Minimum und bewegen sich deutlicher als je zuvor in Indie-Regionen. Doch niemand muss die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, Emotionen und Melodien können THE WONDER YEARS weiterhin.

Einen Song wie „Thanks For The Ride“, der einen auf dem Vorgänger „No Closer To Heaven“ einfach unweigerlich mitriss, den gibt es auf diesem Album in dieser Form nicht. Auch eine Hymne wie „Passing Through A Screen Door“ (aus dem Album „The Greatest Generation“) sucht man vergeblich. Aber das waren auch Hits auf dem Serviertablett. „Sister Cities“ wirkt etwas zurückhaltender. Nicht nur aufgrund des reduzierten Tempos. Die Songs werden dadurch noch mehr vom emotionalen Gesang Dan Campbells getragen. Bestes Beispiel ist das erst ruhige, zum Ende hin ausbrechende „Pyramids of Salt“. Auch beim folgenden „It Must Get Lonely“ ist es der Sänger, der mit Kraft und Emotionen den Song maßgeblich trägt. Mit „Flowers Where Your Face Should Be“ schaltet die Band noch mal einen Gang runter, vermeidet aber stets den Übergang zum wehleidigen Kitsch. Von den schnelleren Songs überzeugt vor allem „The Ghosts of Right Now“.

„Sister Cities“ kommt in seiner Form nicht überraschend. Das die Reise noch mehr in Richtung Midtempo gehen würde, war irgendwie abzusehen. Und ist auch absolut nicht verwerflich. Denn THE WONDER YEARS bleiben sich treu, schrauben aber trotzdem hörbar an ihrem Sound. Und der steht ihnen einfach weiterhin verdammt gut.

Wertung: (7 / 10)

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