The Walking Dead (Season 7.2) (USA 2017)

„It’s not about us anymore. It’s about a future.“ – Rick

Die Zeichen stehen auf Widerstand. Es brauchte die erste Hälfte der siebten Staffel von „The Walking Dead“, damit auch Rick (Andrew Lincoln) begriff, dass dem lässigen Psychopathen Negan (Jeffrey Dean Morgan) nur mit Gewalt beizukommen ist. Doch das erfordert Verbündete, die der Knute des brutalen Quasi-Lehnsherrens selbst überdrüssig sind. Die dafür geeigneten Gruppen liegen auf der Hand. Nur will Gregory (Xander Berkeley), Vorsteher der Hilltop-Gemeinde, partout nicht kämpfen. Ein Teil der Bewohner, vorrangig Jesus (Tom Payne), sieht das anders. Nicht zuletzt durch Maggies (Lauren Cohan) Zutun, die sich als adäquater Führungsersatz geradewegs aufdrängt. Der nächste potentielle Kollaborateur ist Ezekiel (Khary Payton), der Endzeit-König mit Dreadlocks und echtem (CGI-)Tiger. Doch auch er lehnt den offenen Konflikt mit Negan und seinen Saviors ab. Zumindest vorerst.

Dass der üppig vorbereitete Krieg um die Selbstbestimmung des eigenen Schicksals kommt, daran dürfte kein Zweifel bestehen. Im Zentrum des zweiten Episoden-Achters der siebten Season steht der Weg dorthin. Dabei gelingt es den Produktionsverantwortlichen – mit von der Partie sind wie gehabt Gale Anne Hurd und Comic-Schöpfer Robert Kirkman („Fear the Walking Dead“) – momentweise, an die mittlerweile vermissten Stärken früherer Staffeln anzuknüpfen. Das liegt auch daran, dass in einzelnen Folgen wieder vermehrt mit Zombies als mit Menschen gerungen wird. In einer der visuell gelungensten Szenen pflügen Rick und seine Geliebte, die Schwertkämpferin Michonne (Danai Gurira) mit zwei durch ein Stahlseil verbundenen Autos durch eine Horde Untoter. Ihre Wirkung verfehlt die drastische Verteidigungsmaßnahme weder in der Realität des post-apokalyptischen Horror-Dramas, noch beim Zuschauer. 

Der qualitative Abfall der Gesamtreihe lässt sich aber auch diesmal nicht leugnen. Ein Beispiel: Die, gemessen an der Bedeutung der Sequenz, ärmlich wirkenden Dialoge zwischen Rick und Ezekiel bei ihrer ersten Begegnung. Darin zeigt sich ein mittlerweile grundlegendes Problem der Serie: Schlüsselszenen mangelt es an emotionaler Wucht. Hinzu kommen absurde Züge, die in der Hauptsache von der Schrottplatz-Kolonie um die bekifft dreinblickende Jadis (Polyanna Macintosh, „The Woman“) und ihrem Gefolge (u. a. Thomas Francis Murphy, „12 Years a Slave“) transportiert werden. Auch sie scheinen bereit, sich in den Kampf einzuschalten, verlangen im Gegenzug aber Waffen und die Aussicht auf Beute. Um zu beweisen, dass es Rick ernst ist, muss er in einer Müllberg-Arena gegen einen mit Stahlspitzen gespickten Untoten kämpfen. Gebraucht hätte es das nicht. Zumindest stilistisch bietet die überdrehte Action-Einlage aber willkommene Abwechslung.

Für Rick, seinen unterbeschäftigten Sohn Carl (Chandler Riggs) und die verbliebenen Verbündeten – Raum zur Entfaltung erhält immerhin der tatendurstige Aaron (Ross Marquand) – dreht sich alles ums Suchen; das Suchen von Vorräten und Ausrüstung für Negan und das Suchen nach Unterstützern für den heimlich vorbereiteten Krieg. In den, ob sie es will, oder nicht, muss auch Carol (Melissa McBride) eingreifen. Die einst so resolute Streiterin kehrte Rick den Rücken, um der Gewalt zu entsagen und ihren letzten Rest Menschlichkeit zu retten. Der drohende Verlust ihrer alten Gefährten wiegt jedoch so schwer, dass sie ihre Lethargie allmählich überkommt. Als mentale Stütze erwies sich in der jüngeren Vergangenheit der Frieden predigende Morgan (Lennie James). Nur knallen dem Quasi-Pazifisten in der dramaturgisch ungelenk konstruierten Zuspitzung zwischen den Saviors und Ezekiels Untertanen sämtliche Sicherungen durch.

Erzählerisch ruht der Fokus der u. a. vom auch produzierenden Greg Nicotero inszenierten Episoden wiederum auf einzelnen Handlungsorten und Personen. Das große Ganze wirkt so weiterhin bruchstückhaft. Viel bewegt sich insgesamt zwar nicht, zumindest atmosphärisch stellt sich jedoch eine Steigerung zur ersten Halbstaffel ein. Einer der besten Aspekte ist das Himmelfahrtskommando von Rosita (Christian Serratos) und Sasha (Sonequa Martin-Green), die gemeinsam aufbrechen, um Negan zu eliminieren. Obwohl die beiden aufgrund der Rivalität um die Zuneigung des getöteten Abraham (im finalen Akt als Erinnerung noch einmal dabei: Michael Cudlitz) wenig füreinander übrighaben, finden sie auf ihrem Trip ins Ungewisse zumindest flüchtig zueinander. Ihr anvisiertes Opfer greift spät ins Geschehen ein, punktet aber wieder mit charismatischer Asozialität. Nur seine seltsame Rekrutierungspolitik, bei der jeder, der ihn auslöschen will, gleichd einen Job angeboten bekommt, sorgt weiterhin für Kopfschütteln.

Auf Seiten der Saviors bleibt Simon (Steven Ogg) einmal mehr der prägendste Charakter. Neben ihm empfiehlt sich Überläufer Eugene (Josh McDermitt) als wertvolle Unterstützung, während der vernarbte Dwight (Austin Amelio) mit der Flucht des inhaftierten Daryl (Norman Reedus) hadert. Eine straffere Abhandlung der einzelnen Erzählstränge hätte auch diesmal keineswegs geschadet. Dafür sind die Zombies wieder präsenter – und bei den wandelnden Wasserleichen an der Küste, wo Rick, Tara (Alanna Masterson) und andere die über ein stattliches Waffenarsenal verfügende Frauenkommune besuchen, kommen auch wieder großartige Masken zum Einsatz. Zum von Verrat und dem überstreckten Tod einer weiteren Hauptfigur geprägten Finale scheint der Krieg beendet, noch bevor er begonnen hat. Dabei schlägt der Ausklang der siebten Staffel den Bogen zu deren Auftakt: Rick auf Knien, mit strähnigem Haar und glasigem Blick. Was folgt, erscheint absehbar. Gerade daher hätte es die häufige Dehnung nicht gebraucht. Am Ball bleiben spätestens jetzt nur noch die beinharten Fans.

Wertung: 6.5 out of 10 stars (6,5 / 10)

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