The Real Thing (USA 1996)

„You know who I am? I’m the real thing.” – Rupert

James Merendino ist ein echter Indie-Filmer. Seine Werke sind unangepasst, eigensinnig und kleinbudgetiert. Nennenswerte Aufmerksamkeit erregen sie meist nicht. Eine Ausnahme ist die Subkultur-Groteske „Punk“, die (bedingt durch die Mitwirkung von Til Schweiger) 1998 selbst in Deutschland im Kino gezeigt wurde. Zwei Jahre zuvor drehte Merendino „The Real Thing“, ein brutales, auf den Spuren von Quentin Tarantino wandelndes Thriller-Drama mit flachem Plot und (immerhin) prominenter Besetzung.

In einer Sammelzelle belauscht Kleinganove James (Dave Buzzotta, „God’s Army III“) eine Konversation zwischen den Gangstern Dexter (auch Produzent: Pat Gallagher) und Collin (Esai Morales, „Rapa Nui“). Dabei geht es um den Überfall auf einen Edel-Club am Silvesterabend. Dass der großmäulige James bald offen über den Coup berichtet, lässt Dexter Mordpläne schmieden. Doch der unliebsame Mitwisser überlebt das daraus resultierende Attentat, benötigt in der Folge jedoch dringend eine Spenderleber.

Weil die, wie es der Originaltitel „Livers Ain’t Cheap“ unterstreicht, nicht für kleines Geld zu haben ist, macht sich James‘ dem kriminellen Dasein entsagter Bruder Rupert (James Russo, „Bad Girls“) daran, den Raub durchzuführen. Mit John (Jeremy Piven, „Judgement Night“) trommelt er eine Gang zusammen, zu der neben dessen Freundin Carla (Ashley Laurence, „Hellraiser“) auch die Ex-Knackis Lisa (Emily Lloyd, „Wish You Were Here“), Eric (Robert LaSardo, „Gang Related“) und Alfredo (Fabrizio Bentivoglio, „Die Ewigkeit und ein Tag“) stoßen.

Die gelängte Rekrutierung der Loser-Gemeinschaft entspinnt sich über Anekdoten, betont lässig, nur eben mehr gewollt als wirklich cool. Überhaupt wirkt der Film unentschlossen, ob er die (Neben-)Figuren ernst nehmen soll, oder nicht. Zu verlieren haben die Außenseiter wenig. Außer ihrem Leben, was die meisten von ihnen schlussendlich auch tun. Denn der Bruch in den Club von Victor (Alt-Star Rod Steiger, „Truth or Consequences“) erweist sich als Todesfalle, als der wüst um sich schießende Dexter mit Gefolge aufkreuzt.

Zwar zeichnet Autor und Regisseur Merendino ein von Ausweglosigkeit geprägtes Milieu nach, doch begünstigen groteske Spitzen Momente zwischen Lakonie und Ironie. Halb Gangster-Drama, halb Pulp-Thriller, entlädt sich der simpel aus verschiedenen Inspirationsquellen zusammengewürfelte Plot in einen blutig gewaltreichen Ausklang. Überzeugend ist das alles kaum, zumindest aber unterhaltsam gegen den Strich Hollywoods gebürstet. Die Schauspielerschar, zu der als Ruperts Boss auch Gary Busey („Alarmstufe: Rot“) zählt, hängt sich rein, große Akzente werden in diesem kleinen Film für ein kleines Publikum aber zu keiner Zeit gesetzt.

Wertung: (5 / 10)

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