Truth or Consequences, N.M. (USA 1997)

truth-or-consequencesKiefer Sutherland kann auch anders. Bevor er als Spezialagent Jack Bauer im Quotenrenner „24“ Fernsehgeschichte schrieb, markierte er den harten Mann im Brutalo-Krimi „Truth or Consequences, N.M.“, im Deutschen mit dem Titelzusatz „Ort der Wahrheit“ bedacht. Regie führte er auch gleich und zog das grimmige Road-Movie als Fährtensucher des tarantinoesken Pulp-Thrillers auf. Dabei wirken die teils schrägen Dialoge aufgesetzt. Nicht jedoch die Coolness. Denn diese ist nur Fassade, das Überspielen todgeweihter Figuren ihres eigenen Scheiterns.

Ein letzter großer Coup sollte es werden. Doch als Ex-Knacki Raymond (Vincent Gallo, „Buffalo 66“) mit Freundin Addy (Kim Dickens, „Deadwood“), Kumpan Curtis (Sutherland) und Komplize Marcus (Mykelti Williamson, „Three Kings“) Drogendealer Grillo („Scrubs“-Star John C. McGinley) überfällt, gipfelt die Aktion in ein Blutbad. Dabei lässt auch ein Undercover-Cop sein Leben, was die Räuber zu einer halsbrecherischen Flucht Richtung Mexiko treibt. Unterwegs nehmen sie das Paar Gordon (Kevin Pollak, „Die üblichen Verdächtigen“) und Donna (Grace Phillips, „Quiz Show“) als Geisel.

Die erbeuteten Drogen wollen sie an Mafiosi Vago (Alt-Star Rod Steiger, „Todesmelodie“) veräußern. Der jedoch reagiert ungehalten. Grillo arbeitete auf seine Rechnung. Curtis regelt das Problem neuerlich mit Waffengewalt. Fortan spüren sie neben der Polizei, die mit Marcus einen Mann in den Reihen der Gangster weiß, auch den Atem des organisierten Verbrechens im Nacken. So wird ein namenloser Killer (Martin Sheen, „Wall Street“) entsandt, Vagos Tod zu sühnen. Auf dem Weg nach Mexiko soll der Stoff endgültig zu Geld gemacht werden. Doch am vereinbarten Zielort treffen auch Mafiakiller und Staatsdiener ein.

Die Schwächen von Sutherlands zweitem Film als Regisseur sind offenkundig. Nur scheitert er daran nicht. Dramaturgisch trägt Brad Mirmans („Der gute Hirte“) Skript zum Teil etwas dick auf, was sich gerade im Konflikt zwischen Gordon und Freundin Donna zeigt. Während sie nur mit heiler Haut davonkommen will, beginnt er mit den Kidnappern zu sympathisieren. Auch die konsequent auf den Abgrund zusteuernden Wendungen wirken konstruiert und unglaubwürdig. Über dem Durchschnitt rangiert die blutige Räuberpistole dennoch, was neben der hochklassigen Besetzung an der strammen Umsetzung liegt.

Obwohl zeitweise deutlich an Vorreiter wie „Reservoir Dogs“ oder „True Romance“ angelehnt, findet Sutherland einen eigenen, mit einem Mix aus Tragik und heftiger Gewalt gepflasterten, Weg. Skurrilität spart er aus, die wenigen mit Humor bedachten Dialoge entsprechen mehr der Höhe des seinerzeit grassierenden Trends, einem jeden Gangsterfilm den Hauch von Groteske aufladen zu müssen. Ein Klassiker wurde somit beileibe nicht auf den Weg gebracht. Immerhin aber straff inszeniertes Genre-Kino mit sehenswerten Schauspielern und einer ordentlichen Portion Action.

Wertung: (6,5 / 10)

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