Insert Coin – Way Out (2018, Uncle M)

Punk von heute ist anders. Nicht zwingend im Kern, aber doch an der Oberfläche. In den mittleren Neunzehnneunzigern wurde der musikalische Widerstand salon- und verkaufsfähig. Bands wie GREEN DAY und THE OFFSPRING wurden zur Massenware. Ihnen folgten im neuen Jahrtausend solche wie RISE AGAINST und BILLY TALENT. Mit ihnen verblassten die Grenzen zwischen Punk und Stadion-Rock. In Summe decken diese Vertreter eine Nische ab, von der aus ein Brückenschlag zwischen Indie-Chic und Massenpublikum vollzogen wird. Dass man dafür nicht Millionen Platten verkaufen muss, beweisen INSERT COIN aus Recklinghausen.

Der Fünfer, durch die Werbe-Kooperation mit Rockstar Energy zu einiger Popularität gelangt, wird in der Label-Beschreibung mit dem Siegel „Skate-Punk“ versehen. Nur rangiert das dritte Album „Way Out“ ein gutes Stück abseits des klassischen Rollbrett-Sounds der 90er. Das liegt vor allem am Tempo, das zwar variabel gehalten wird, meist jedoch im mittleren Drehzahlbereich verbleibt. Hinzu kommen betont rockige Zwischentöne –  und mit ihnen das momentweise Innehalten, das partielle Zurücknehmen. Mit der Nähe zu artverwandten Genre-Verfechtern wie TEMPLETON PEK oder NATIONS AFIRE ist die kreative Prämisse von Band und Platte hinreichend umrissen. Der Rest ist Prägung durch ansprechendes Melodienspektrum und nette Refrains.

Das bringt Beiträge wie „Same Old“, „Semicolon“ oder „Sidetracked“ sicher über die Ziellinie, täuscht in Summe aber nicht darüber hinweg, dass „Way Out“ in seiner Gesamtheit der letzte Funken Begeisterungsfähigkeit fehlt. An Einsatz und Leidenschaft mangelt es INSERT COIN keineswegs. Allerdings ist die Wirkung der meisten Tracks bereits verflogen, sobald das finale „Done Talking“ die Scheibe zu Ende gebracht hat.

Wertung: (6,5 / 10)

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