Stiefbrüder (USA 2008)

stiefbruederNonsens hat in Hollywood viele Gesichter. Adam Sandler steht seit Jahren für schlüpfrigen Humor unter oder knapp über der Gürtellinie. Er kann aber auch anders, wenn er möchte, siehe „Reign Over Me“. Gleiches gilt für Zotenkönig Will Ferrell, der in „Schräger als Fiktion“ ebenfalls ernsthaftere Töne anschlug. Das funktionierte bei beiden, aber im Dickicht der Zoten und Kalauer scheinen sie sich noch wohler zu fühlen. Anders ist „Stiefbrüder“ nicht zu erklären. Abermals mit John C. Reilly, der seinem Ruf als früherer Charaktermime („Im Vorhof der Hölle“, „Gangs of New York“) die rote Karte zeigt und nun fast ausschließlich als Buddy von Will Ferrell zu sehen ist. So auch hier.

Die magische 40, für Männer und Frauen gleichermaßen ein böses Alter. Nicht so für Brennan (Will Ferrell), der noch bei seiner Mutter Nancy (Mary Steenburgen) wohnt, und Dale (John C. Reilly), der sein Bett noch im Hause seines Vaters Robert (Richard Jenkins) stehen hat. Beide „alleinerziehenden“ Elternteile lernen sich auf einer Konferenz von Arzt Robert kennen und lieben, schnell wird geheiratet und zusammengezogen. Bis zu diesem Zeitpunkt ist die Anfangsmusik noch nicht ganz verklungen und die Einleitung so schnell wie möglich abgeschlossen. Aber mehr braucht es im Grunde auch nicht, denn eine Geschichte oder ähnliches sollte man hier nicht erwarten. Dass man sich lediglich am Baukasten derartigen Klamauks orientiert, offenbart auch das allzu bekannte Ende mit Friede, Freude und ganz viel Eierkuchen.

Dass sich Brennan und Dale spinnefeind sind, muss nicht erwähnt werden. Schnell bekriegen sie sich, das heilige Schlagzeug des einen (Reilly) wird mit dem offensichtlich falschen Hodensack des anderen (Ferrell) penetriert, die Rache erfolgt unter anderem mit einem geschickten Tritt vom Deck eines fahrenden Bootes samt ausufernder Keilerei innerhalb und außerhalb des trauten Heims. Das Tempo des Films ist hoch, vor allem weil sich Regisseur Adam McKay – der bereits für einige Ferrell-Filme verantwortlich war – für allzu einleitende Momente keine Zeit nimmt. Das Niveau hält sich jederzeit in Grenzen, auch wenn die beiden Hauptakteure später dicke Freunde werden und alles gemeinsam richten wollen. Chaos verbreiten sie aber auch dann, vor allem wenn sie sich gemeinsam in diverse Bewerbungsgespräche zwängen. Sprachlich geht es zünftig zu, wer sich bei schlüpfrig versauten Sprüchen pikiert abwendet, schaut definitiv den falschen Film.

Das Duo Will Ferrell und John C. Reilly hat sich scheinbar gesucht und gefunden, nach „Ricky Bobby“ brillieren beide auch in „Stiefbrüder“ auf grenzdebile Art und Weise. Tieferen Sinn bezüglich des Kindes im Manne wahren darf man gerne suchen und vielleicht auch finden, der Holzhammerhumor walzt dennoch jedweden Anspruch rigoros zur Seite. Der Rest ist lediglich schmückendes Beiwerk, was vor allem auf beide vollkommen hoffnungslos überforderten Elternteile zutrifft. Wer auf Filme wie „Ricky Bobby“ oder „Leg Dich nicht mit Zohan“ an steht, der wird auch von „Stiefbrüder“ bestens unterhalten. Nonsens vor dem Herrn und den üblichen Inhalten samt späterer Läuterung. Bis dahin ist aber ein langer Weg und der eigene Anspruch an einen solchen Film dürfte mühelos erfüllt werden.

Wertung: (6 / 10)

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