Anchorman 2 – Die Legende kehrt zurück (USA 2013)

anchorman-2„If you’ve got an ass like the North Star, wise men are gonna want to follow it.“ – Der Weisheit letzter Schluss: Ron Burgundy

Ron Burgundy ist zurück. Für seinen zweiten Leinwandeinsatz hat sich der berüchtigte „Anchorman“ mit der üppigen Rotzbremse Zeit gelassen. Allen voran, weil sich das produzierende Studio Paramount sträubte. Das Original geht auf das Jahr 2004 zurück und zementierte seinerzeit die Kinotauglichkeit des ehemaligen „Saturday Night Life“-Mitglieds Will Ferrell. Der ist mittlerweile weltweit populärer Filmstar und selbst wenn seine Werke von schwankender Qualität sind, für ein paar herrlich alberne Zoten ist der meist überzogen ernst aufspielende Vollblut-Komiker immer gut. Bei der späten Rückkehr Burgundys jedoch stößt die Suche nach epischem Nonsens an ihre Grenzen.

„Anchorman 2“ wirkt wie ein typisches Sequel der späten Neunziger (eine rühmliche Ausnahme bleibt „Waynes World 2“): bonbonbunt und grell überzeichnet, dabei aber viel zu gedehnt und inhaltlich luftleer. Wobei fairerweise angemerkt werden muss, dass nicht einmal die Fortsetzung von „The Brady Bunch“ die Frechheit besaß, den gespielten Witz auf mehr als zwei Stunden zu überdehnen. Für Ron Burgundy gelten solche Regeln jedoch nicht. Als Produzent fungierte Judd Apatow („Beim ersten Mal“), dessen Werke die Marke klassischer Neunzigminüter ohnehin gern weitläufig umfahren. Das Vergnügen wird damit jedoch wiederholt ausgebremst. Auf eine harte Probe gestellt wird aber nicht nur der Zuschauer, sondern insbesondere Burgundy selbst.

Der hält sich bekanntermaßen für Gottes Geschenk an die Nachrichtenwelt und fällt entsprechend ins Bodenlose, als Gattin Veronica („Eine schrecklich nette Familie“-Dumpfbacke Christina Applegate) befördert und er gefeuert wird – und das auch noch von Altstar Harrison Ford („Star Wars“). Aber das Tal der Tränen ist schnell durchschritten und anstatt aufzustecken rollt die (selbsternannte) News-Ikone die Karriere einfach von vorne auf. Der weltweit erste 24-Stunden-Newskanal heuert ihn für die Spätnachrichten an, wo sich sensationslüsterne und betont unseriöse Berichterstattung bald als Quotenrenner entpuppen. Um in die Erfolgsspur zurückzufinden, muss Burgundy aber erst seine alten Gefährten Champ (David Koechner, „Piranha 2“), Brian (Paul Rudd, „Vorbilder!?“) und Brick (Steve Carell, „Date Night“) zusammentrommeln.

Anstatt den Wiederaufstieg im stimmigen 70’s-Setting aber mit Tempo abzuhandeln, verstrickt sich Regisseur Adam McKay („Stiefbrüder“), der mit Ferrell auch das Skript schrieb, in gedehnte Endlos-Scherze, bei denen allen voran der souveräne Carell an stumpfe Grimassen verschwendet wird. Trotz zahlreicher Anknüpfungspunkte an den Vorgänger – beim bewährten Massengerangel hagelt es diesmal Cameos u.a. von Jim Carrey, Will Smith und Vince Vaughn – bleibt Ron Burgundy seine Klasse aber weitgehend schuldig. So gibt es beim neuen Arbeitgeber natürlich einen eitlen Widersacher (James Marsden, „X-Men“), Veronica lässt sich auf Psychiater Gary (Gregg Kinnear, „Little Miss Sunshine“) ein und Brick findet eine nicht minder exzentrische Seelenverwandte (Kristen Wiig, „Brautalarm“). Trotz mediensatirischer Ansätze ein überlanger und weitgehend uninspirierter Aufguss.

Wertung: (5 / 10)

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