Silent Night, Deadly Night 2 (USA 1987)

silentnightdeadlynight2„The nightmare is about to begin… again!“ – Offizieller Slogan oder doch gut gemeinte Warnung?

Wenn die erste Einstellung in einem Film von Tennissocken umhüllte Männerfüße in Mokassins zeigt und dazu scheußliches Synthesizer-Gedudel als begleitende musikalische Untermalung erklingt, dann können wir eigentlich nur auf Zeitreise in den Achtzigern sein! Die Füße gehören einem gewissen Richard ´Ricky´ Caldwell (unvorstellbar schlecht: Eric Freeman), der in der Klapse sitzt und von Dr. Henry Bloom (James Newman) fachgerecht analysiert werden soll. Und der junge Mann hat viel zu erzählen. Zum einem aus seinem Leben und zum anderem auch aus dem seines Bruders, keinem geringeren als William ´Billy´ Chapman, dem sagenumwobenen Santa Claus-Meuchelmörder!

Ihr wisst nicht wer Billy, der sagenumwobene Santa Claus-Meuchelmörder ist? An dieser Stelle stehen euch zur Lösung dieses Problems zwei Optionen zur Auswahl: Entweder besorgt ihr euch den ersten Part der fünfteiligen (!) „Silent Night, Deadly Night“-Reihe, oder ihr entscheidet euch für die bequemere und kostensparendere Variante und schaut einfach Teil zwei weiter! In dem nämlich erzählt Ricky die tragisch-bescheuerte Geschichte seines nicht minder psychodoofen Bruders in aller Ausführlichkeit nach. Als wäre er selbst dabei gewesen werden alle ´wichtigen´ (denkt schnell an die teuflische Dr. Evil-Lache!) Stationen des Originals einfach noch einmal abgespult, womit rund die Hälfte der Spielzeit schon mal abgefrühstückt wäre.

Nur werden die bekannten Ereignisse in dieser als Slasher getarnten Menschenrechtsverletzung von Ricky kommentiert, was sich besonders in der ungeheuer mies synchronisierten deutschen Fassung als wahre Folter entpuppt. Nachdem Billys Odyssee ein Ende finden darf, ist es uns endlich auch erlaubt an Rickys schicksalhafter Chronik teilzuhaben. Und diese fällt tatsächlich noch absurder aus als die des geliebten Bruders. Als Ricky diesen nämlich sterben sah, wurde der traumatisierte Junge von einer jüdischen Familie adoptiert (kein Weihnachten, gell). Fortan darf er sich einer fast normalen Kindheit erfreuen. Zu einer ganz normalen Kindheit reicht es leider aber doch nicht ganz, immerhin erlitt er schon als kleiner Bub beim Sichten der Farbe Rot eine Art katatonisch-schizophrenen Anfall.

Nur denkt er da noch nicht daran, anderen Menschen Regenschirme in den Bauch zu rammen und diese dann aufzuspannen. Oder die Zunge des Nebenbuhlers seiner Freundin per Kabel an eine Autobatterie anzuschließen, bis diesem die Augen heraus platzen. Doch bald soll sich das Schicksal umso mehr gegen die wandelnde Fönfrisur Ricky wenden! Bei einem beschaulichen Spaziergang im Walde wird er in seinem zarten Teenageralter Zeuge einer Fast-Vergewaltigung. Nachdem der Rüpel von dem sich wehrenden Mädchen ablässt und sich ein Bier aus seinem (jawohl roten!) Jeep gönnt, ist sein Schicksal besiegelt.

Eine überfahrene Leiche später (so was von blöd gefilmt) hat Ricky Blut geleckt und möchte fortan wie sein Bruder zuvor alle unartigen Menschen bestrafen. Auch die Beziehung zu seiner hübschen Freundin Jennifer (Elizabeth Kaitan, „Freitag der 13. Part VII“) kann das nach dem Lebenssaft lechzendes Rentier in ihm nicht stoppen, ja sie wird sogar, welch Tragik, eines seiner Opfer. So geht es weiter, bis nach Dr. Bloom noch der Kampf (Santa-Killer vs. zähe Nonnengebieterin im Rollstuhl!) gegen die verhasste Waisenhausoberin ansteht, die neben ihm auch Billy einst schikanierte.

Wo soll man diesem Scherbenhaufen nur anfangen? Lee Harry, der 1991 noch den Action-Rohrkrepierer „Street Soldiers“ drehen sollte, liefert mit dem zweiten Teil der wohl beklopptesten Slasher-Saga überhaupt eine geballte Ladung Filmmüll ab. Immerhin zur Freude der Trash-Fraktion liefert Eric Freeman, der später noch in einigen unbedeutenden TV-Serien sein darstellerisches Unvermögen beweisen durfte, eine der schlechtesten Killerperformances in der Geschichte des Schlitzerfilms ab. Besonders die Szenen, in denen er Zorn darstellen soll, dürften einen Ehrenplatz in den Annalen der (notgedrungenen) Filmkomödie verdient haben.

Leicht gemacht wird es ihm aber von einem jeglicher Vernunft trotzenden Skript, welches von nicht einem, nicht zwei und auch nicht drei, sondern gleich vier (!!!!) Drehbuchautoren zusammen gewurstelt wurde – Ho-Ho-Ho-Holy Shit! Die Idee mit der roten Farbe als eines der Motive für Rickys Fehlverhalten (und Assoziation für Weihnachten, wir haben es kapiert) ist mehr als am Bart des Weihnachtsmanns herbei gezogen. Dass er anfangs noch Leute kalt machen will, die unartig waren (und darunter kann bei ihm alles Mögliche verstanden werden), aber schon kurze Zeit später die eigene Freundin absolut grundlos erdrosselt, stößt auch in einem No-Brainer dieses Kalibers sauer auf.

Dass er von seiner Mission gegen die Unfolgsamkeit allzu schnell ablässt, beweist auch sein an Debilität kaum zu überbietender Amoklauf durch die Stadt. Nachdem er einen Polizisten seiner Waffe (und seines Lebens) beraubt hat, spaziert der gute Ricky die Straßen entlang und ballert auf alles was sich bewegt. Ein Mann bringt seinen Müll raus (wie unartig), also wird er über den Haufen geschossen. Und um einen fahrenden Wagen zum Umkippen UND Explodieren zu bringen braucht unser dauergrinsender Soziopath nur eine einzige Kugel aus dem Revolver. Das überbietet, wenn überhaupt, nur Chuck Norris! Wer sich also an grausigen Leistungen vor wie hinter der Kamera ergötzen kann, der wird an „Silent Night, Deadly Night 2“ durchaus Freude haben. Das allzu überstrapazierte Recyclen des Vorgängers ist allerdings sehr, sehr unartig.

Wertung: (2 / 10)

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