Severance – Ein blutiger Betriebsausflug (GB/D 2006)

severance-blutiger-betriebsausflugEs gibt wohl kaum ein einfältigeres Genre als den Slasherfilm. Da stapfen die ewig gleichen Stereotypen durch Wald, Flur oder Kleinstadt und werden von der Inkarnation menschlicher Urängste nach dem Prinzip der „10 kleinen Negerlein“ zu Frikassee verarbeitet. Der Körpersaft spritzt zwar in rauen Mengen, die Originalität aber muss anderswo Klinken putzen. Dachte sich auch Christopher Smith, dessen laue Blutsuppe „Creep“ selbst über mehr Klischees stolperte als es Hauptdarstellerin Franka Potente und einem (selten) verwöhnten Publikum lieb sein konnte. Also knipst er das Licht am Ende des Tunnels eigenhändig an und serviert mit „Severance“ eine kunterbunte Melange aus Brit-Com und Backwood-Splatter.

„The Office“ trifft „Texas Chainsaw Massacre“, wenn sieben Angestellte eines internationalen Rüstungskonzerns zum Teamtraining nach Osteuropa chauffiert werden. Doch statt der versprochenen Luxusunterkunft erwartet sie ein heruntergekommenes Rudiment des Sozialismus. Ohne Vorräte und ohne Handynetz hat der ungeliebte Gruppenleiter Richard (Tim McInnerny, „Black Adder“) alle Hände voll zu tun, die Truppe von der Meuterei abzuhalten. Doch damit nicht genug: Als die erste Nacht im Altbau überstanden ist, blasen von Hass zerfressene Kriegsschlächter zur Treibjagd auf die englischen Touristen.

Nach blutigem Auftakt kehrt der Humor ein. Mit typisch britischer Verschrobenheit werden die Figuren (darunter Danny Dyer, „The Football Factory”) eingeführt, wobei der Amerikanerin Maggie (Laura Harris, „Dead Like Me“) schnell die besten Überlebenschancen zugesprochen werden. Es folgen spaßige Wortgefechte und böse Vorahnungen, während denen das muntere Spiel mit Horror-Obligatorismen für anhaltend ironische Verzerrung sorgt. Bei allem Witz aber gibt Smith seine Protagonisten nie der Lächerlichkeit preis, sondern nimmt sie ernst. Das muss er auch, weil die voll auf Terror gebürstete zweite Hälfte in ihrer überspitzen Ernsthaftigkeit sonst kaum funktionieren würde.

Die Charaktere bleiben Abziehbilder markanter Eigenschaften. Da ist der Playboy, das bebrillte Mauerblümchen, der allerlei Drogen konsumierende Computercrack, der Quotenschwarze und der dickliche Tollpatsch. Die Reduzierung ist Teil des Konzepts, weil sie Querelen garantiert und das Tempo anzieht. Ganz ohne Reibung jedoch fügt sich der humorige nicht in den blutrünstigen Teil ein. Die Abgrenzung wirkt manchmal etwas abrupt, was den immensen Unterhaltungswert der bissig satirischen Splatter-Posse aber kaum schmälern kann. Nicht ganz rund und doch rundum gelungen. Der neueste Partykracher für die Gore-Fraktion.

Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

scroll to top