Scheisse Minnelli – Waking Up On Mistake Street (2018, Destiny Records/Broken Silence)

Eine Band wie SCHEISSE MINNELLI muss man einfach gernhaben. Trends zählen nicht, größtmögliche Allgemeingültigkeit ebenso wenig. Gespielt wird, was Spaß macht. Den Musikern – und, wenn es sich denn fügt, auch dem Publikum. Der Thrash-influenzierte Hardcore-Punk der Mannen um den Exil-Kalifornier und Wahl-Deutschen Samuel El Action ist rau, schnoddrig und laut. So wie in den 80ern. Mit gutem Gefühl fürs Rollbrett und Kanten, die bisweilen schmerzen. Der Sound des Quartetts fußt auf einer Ära, in der Skateboard und Punk noch Subkulturen waren. Modern ist das kaum. Eher konsequentes Gegenprogramm.

„Waking Up On Mistake Street“ ist der bereits fünfte Langspieler des Verbunds. Der trägt, wie etwa der Opener „Yer In a Trance“ zeigt, punktiert rockige Züge, poltert daneben aber sympathisch schnörkellos nach vorn. Thematisch geht es nach wie vor um Erfahrungen, Substanzen und Skurriles (siehe das eigenwillig angepasste HOSTAGES OF AYATOLLAH-Cover „Hallo Werner“). Aber auch ernste Züge prägen die Platte: „Love It Or Leave It“ ist eine Abrechnung mit den USA, „Lessons Learned“ bietet Selbstreflexion mit der groben Kelle und „Green River Wishes“ befasst sich mit dem Treiben von US-Serienmörder Gary Ridgway. Sams Stimme dröhnt weiterhin aus den Boxen, als wäre melodische Klarheit eine zu vernachlässigende Zier. Wer den Punk derbe und direkt braucht, sollte um SCHEISSE MINNELLI keinen allzu üppigen Bogen schlagen.

Wertung: (7,5 / 10)

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