Save the Lost Boys – Temptress (2016, Victory Records)

save-the-lost-boys-temptressIn den Genre-Ausprägungen von Punk und Hardcore nach Originalität fahnden zu wollen, gleicht der sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Damit lässt sich allerdings gut leben. Denn so lange Bands den ewig gleichen Mustern mit der nötigen Prise Eigenständigkeit begegnen, muss man sich um ihren Mehrwert keine Sorgen machen. Problematisch wird es jedoch immer dann, wenn eine Platte kaum von den Werken einschlägiger Kollegen zu unterscheiden ist. Da kommen SAVE THE LOST BOYS ins Spiel, deren Debütalbum „Temptress“ so sehr nach BLINK-182, NEW FOUND GLORY und Co. klingt, dass sich der potenzielle Spaß an der Sache rasch erschöpft.

Der Vierer aus Dayton, Ohio, widmet sich über 10 Songs meist jenen Gefühlswelten, die pubertierende Jugendliche umtreiben. Die Zielgruppe ist damit unweigerlich auf jene Bevölkerungsschicht reduziert, die sich damit grämt, dass bereits eine Woche der Sommerschulferien verstrichen ist. Gänzlich schlecht machen SAVE THE LOST BOYS ihre Sache trotzdem nicht. Ihre Platte ist, typisch Victory Records, dick produziert und bringt zudem ausreichend Vorschub mit, um sich zumindest vom sterilen Pop-Punk-Einerlei der Marke ALL TIME LOW abzuheben. Begeisterung will sich dennoch nicht einstellen. Denn dazu fehlt es schlicht an packenden Momenten.

„Dancing“ etwa folgt erst Schema F und flechtet dann auch noch eine Sprechgesangspassage im CRAZY TOWN-Stil ein. Auch die Quotenballade „Things I Never Could Forget“ forciert kaum mehr als ein müdes Gähnen. Dass es auch anders geht, beweisen die Jungs mit „Everything is You“ oder „Overreaction“, bei dem kurz vor der Ziellinie Riffs in Metal-Core-Manier eingestreut werden. Sporadische Ausschläge nach oben ziehen den musikalischen Karren schlussendlich aber auch nicht aus der Beliebigkeit. Das schlechteste Output seiner Art ist „Temptress“ sicher nicht. Nur führt die Scheibe einfach viel zu selten in Versuchung.

Wertung: (5,5 / 10)

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