Sartana – Töten war sein täglich Brot (I 1969)

sartanataeglichbrot„Wenn ich schieße tu´ ich niemandem weh. Bei mir sind alle immer gleich tot.“ – Hot Dead

Kleider machen Leute. Sie können zum Marken- oder Erkennungszeichen werden, mehr noch der Identitätsstiftung dienen. Dies originäre Moment bringt Nachteile mit sich, wenn finstre Subjekte im Schutz einer Verwirrung stiftenden Maskerade Verbrechen verüben. Die Schuld trifft ja nicht die räuberischen Verantwortlichen, sondern den unwissentlich Kopierten. Hört der aber auf den Namen Sartana und ist obendrein einer der cleversten Revolverhelden des Spaghetti-Westerns, bleibt solch krimineller Gestus garantiert nicht ungesühnt.

„Sartana – Töten war sein täglich Brot“ ist der Film mit der Anziehpuppe. Bereits im Vorspann glänzt er durch Ideenreichtum, wenn ein Kleiderdummy nach und nach mit dem unverkennbaren Zwirn der Titelfigur bestückt wird. Gleich darauf überfällt ein vermeintlicher Sartana, der dem Original bis zur eigenwilligen Bewaffnung gleicht, eine Zweigstelle der North Western Bank, wo das Geld eigentlich am sichersten und die hauseigenen Kopfgeldjäger die besten sein sollen. Das zumindest suggeriert – denn Marketing war schon im wilden Westen unabdingbar – die allerorten angebrachte Außenwerbung.

Natürlich gerät der echte Sartana in Folge des spektakulären Raubzugs in arge Bedrängnis und hat schnurstracks ein Rudel Prämienjäger am Hals. Zum dritten Mal gespielt wird der populäre Zocker und Scharfschütze von Gianni Garko („1000 Dollar Kopfgeld“), der unter dem hier erstmals die Reihe fortführenden Giuliano Carnimeo („Ein Halleluja für Spirito Santo“) zu neuerlicher Höchstform aufläuft. Zusammen mit seinem Kumpel Ben (Frank Wolff, „Spiel mir das Lied vom Tod“) macht er sich an die Enthüllung des wahren Täters und steigt dafür mit List und Tücke möglichen Mitwissern auf die Füße.

Die originelle Kameraführung macht das Zubodensinken tödlich getroffener Protagonisten erfahrbar, die atmosphärische Musik sorgt für die passende Stimmung. Dazu dirigiert Carnimeo eine Besetzung, die von Ettore Manni („Bekreuzige dich, Fremder“) über Sal Borgese („Adios Sabata“) bis hin zu Gordon Mitchell („Die letzte Rechnung zahlst du selbst“) gern gesehene Darsteller des europäischen Westerns vereint. Auch Klaus Kinski schaut für eine feine Rolle als wettversessener Kopfjäger Hot Dead vorbei.

Die Action ist etwas blutleer, dafür aber schick fotografiert. Ein gewitzter Held und munteres Scheibenschießen ergeben in der Summe einen gefälligen Film, dem die steigende Selbstironie gut zu Gesicht steht. Die ungewöhnlichen Krimianleihen fügen sich angenehm ins Gesamtbild, wenn auch nicht vorrangig von Interesse ist, wer da nun schlussendlich als Schuldiger aus dem Hut gezaubert wird. Der Reiz begründet sich eher aus der Frage, wie der stets furztrockene Sartana seinen Kopf immer wieder aus der Schlinge zu ziehen versteht. Die Inszenierung ist pfiffig, der Tenor auf Kurzweil geeicht. Prächtige Unterhaltung ist damit garantiert.

Wertung: (7 / 10)

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