Roter Drache (USA/D 2002)

roter-dracheHannibal „The Cannibal” Lecter ist zurück! Auch wenn die Geschichte von „Roter Drache“ zeitlich vor dem Meilenstein „Das Schweigen Lämmer“ und dem eher missglückten Sequel „Hannibal“ spielt, ist sie dennoch nicht neu. Verfilmt wurde sie von Michael Mann bereits in den 80ern, unter dem Titel „Manhunter“ bzw. „Blutmond“.

FBI-Sonderermittler Wil Graham (Edward Norton) brachte vor einigen Jahren den angesehenen Psychologen Hannibal Lecter (Anthony Hopkins) zur Strecke, erlitt dabei neben körperlichen Schäden aber auch einen psychischen Knacks. Der veranlasste ihn anschließend, seinen Job an den Nagel zu hängen. Doch das FBI, allen voran sein ehemaliger Chef Jack Crawford (Harvey Keitel) sind auf Grahams Talente angewiesen, schließlich wurden bereits zwei Familien von einem Killer grausam getötet, der von den Medien nur „Zahnfee“ genannt wird.

Tatsächlich gelingt es Crawford, Graham für den Fall zu gewinnen. Seine Aufgabe besteht darin, durch seinen alten Gegenspieler Lecter Informationen zu gewinnen, die es ermöglichen, die Zahnfee zu schnappen. Lecter sitzt in einem Sicherheitsgefängnis ein und ist wenig erpicht darauf, den Killer Francis Dolarhyde (Ralph Fiennes) hinter Schloss und Riegel zu bringen. Er steht sogar in geheimem Kontakt mit dem Killer. Doch Lecter wäre nicht Lecter, wenn er nicht auch dem Vertrauten Graham die eine oder andere Information zuspielen würde. Dabei beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, hat Dolarhyde doch die Familie von Graham im Visier.

„Das Schweigen der Lämmer“ war nur an der Kinokasse ein Erfolg, auch die Oscars für die Hauptdarsteller brachten Prestige. Vor wenigen Jahren dann sorgte „Hannibal“ weltweit für Schlagzeilen, doch die Kritik hielt sich mit überschwänglichen Lobeshymnen zurück und der Film floppte. Nicht zu Unrecht, konnte er dem Vorgänger in Sachen Spannung, Darsteller und Atmosphäre doch nie das Wasser reichen. Mit „Roter Drache“ wird nun die bereits erzählte Geschichte von „Manhunter“ neu interpretiert, denn einige Unterschiede zum Original gibt es und von einem reinen Remake kann wohl nicht die Rede sein. Regisseur Brett Ratner („Rush Hour“) betonte dies in Interviews immer wieder.

Dabei gelingt es ihm wider Erwarten, eine ähnlich stimmige und bedrohliche Atmosphäre zu inszenieren, wie sie schon „Das Schweigen der Lämmer“ prägte. Dass er sich dafür gelegentlich beim großen Original bedient, kann ihm kaum nachteilig ausgelegt werden. Überzeugungsarbeit leistet der Film neben der stimmigen und düsteren Atmosphäre vor allem bei den Schauspielern. Anthony Hopkins gibt Hannibal Lecter wieder in Hochform und lässt seine Performance aus „Hannibal“ vergessen. Als Jodie-Foster-Ersatz kann der äußerst talentierte Edward Norton („American History X“) dagegen nicht vollends überzeugen, fehlt es ihm doch ein wenig an der nötigen Intensität, die Ängste und seelischen Narben seines Charakters herauszuarbeiten.

Einen großen Pluspunkt stellt dafür Ralph Fiennes („Schindlers Liste“) dar, dem man den Wahnsinn zu jeder Sekunde abnimmt und der eine äußerst beängstigende Performance abliefert. Doch auch Nebendarstellerin Emily Watson („Breaking the Waves“) als Kollegin und Freundin des Killers ist ein echter Glücksgriff. Harvey Keitel („Bad Lieutenant“) überzeugt wie gewohnt, seine Rolle des Jack Crawford wurde vorher bekanntlich von Scott Glenn gespielt. In weiteren Rollen treten Mary-Louise Parker („Der Klient“), Philip Seymour Hoffman („Boogie Nights“), Ken Leung („A.I.“), Frankie Faison („The Wire“), Bill Duke („Predator“) und Komponist Lalo Schifrin („Mission: Impossible“) auf. So ist „Roter Drache“ gute Thriller-Unterhaltung, die an „Das Schweigen der Lämmer“ definitiv nicht herankommt, doch im Gesamtergebnis positiv überrascht.

Wertung: (7 / 10)

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