Rise of the Footsoldier (GB 2007)

rise-of-the-footsoldierFußball und Gewalt, vor allem in England hat diese Verbindung eine lange Tradition. Einen großen Teil mit beidem verbrachte der ehemalige Hooligan Carlton Leach, auf dessen Memoiren „Rise of the Footsoldier“ – der deutsche Titel „Footsoldier – Hooligan, Gangster, Legende“ wird im Folgenden bewusst übergangen – entstand. Allerdings ist dies in erster Linie kein Film über Hooligans, auch wenn anderenorts häufig etwas derartiges genannt wird. Ebenso wenig steigt Carlton Leach zum Unterweltboss auf, sein Weg führt ihn zwar zwangsläufig in die Kriminalität, aber war er nie ein „Gangster“. Scheinbar wird bewusst mit falschen Erwartungen gespielt, denn wirklich mehr als eine stumpfe und wenig fesselnde Klopper-Orgie ist der Film einfach nicht.

In den späten 70er Jahren gehört der 16-jährige Carlton Leach (Ricci Harnett) zur berüchtigten ICF-Brigade, dem harten Kern der West Ham United Hooligans. Dort macht er sich schnell einen Namen. Nach jahrelangem prügeln und verprügelt werden beendet Carlton nach einem Axtangriff vor einem Spiel seine aktive Zeit als Hooligan. Er steigt ins Türstehergeschäft ein und gründet seine eigene Firma. Dort versammelt er vor allem seine früheren Weggefährten, was ihm schnell einen gewissen Ruf einbringt. Fortan umfasst das Aufgabengebiet seiner Firma auch andere Jobs, zum Beispiel den Personenschutz bei Drogengeschäften. Dabei lernt er auch den Drogenboss Tony Tucker (Terry Stone) kennen, mit dem er schnell ein freundschaftliches Verhältnis pflegt. Die Jahre vergehen, Probleme kommen und gehen, Drogen und Steroide gehören zu seinem Leben. Von den ganz heißen Dingen lässt Carlton dennoch die Finger, im Gegensatz zu Tony, der bald nicht mehr zu stoppen ist und auch Carlton mit in den Abgrund reißt.

Julian Gilbeys „Rise of the Footsoldier“ ist kein Film über Hooligans, auch nicht über Gangster. Der erste Teil des Films handelt fast ausschließlich von brutalen Schlägereien rivalisierender Fußballanhänger. Schon hier spritzt das Blut gern mal einen halben Meter über den Bildschirm. Das ändert sich auch nicht, als sich das Schlachtfeld vom Stadion auf die Straße und in die Drogenszene verlagert. Geschlagen, geblutet und auch gestorben wird immer und überall. Der Film zieht da keine Grenzen. Der Grad der Brutalität ist sicherlich enorm, irgendwann allerdings nerven die nicht enden wollenden Gewaltakte zunehmend, da diese einfach recht unmotiviert aneinandergereiht werden. Eine geradlinig erzählte Story existiert dabei nicht. Mehr oder weniger zusammenhängend springt der Film durch das Leben und die Jahre rund um die Figur des Carlton Leach.

Dieses allerdings rückt in der zweiten Filmhälfte zunehmend in den Hintergrund. Dafür stehen plötzlich die Freunde des Vorzeigeschlägers im Brennpunkt des Geschehens bzw. deren Gewalteskapaden und Drogengeschäfte, mit denen Carlton Leach selbst gar nichts bis wenig zu tun hat. Insofern weckt der Film falsche Erwartungen, denn von einem Aufstieg zum absoluten Unterweltboss á la Tony Montana ist Carlton Leach stets meilenweit entfernt. Etwas anderes versucht der Film aber auch gar nicht erst zu vermitteln. Dadurch wirkt er aber auch noch zusammenhangsloser. Wer sich an einem Stakkatofeuer aus Blut und Gewalt ergötzen kann, ist hier sicherlich gut aufgehoben. Wer nur einen Hauch Anspruch sucht, ist bei „Rise of the Footsoldier“ falsch. Scheinbar wird wieder einmal versucht, aus einem allenfalls mittelmäßigen Film etwas Besonderes zu machen. Blenden lassen sollte sich davon aber selbst die anvisierte Klientel nicht. Ausnahmen natürlich ausgeschlossen.

Wertung: (4 / 10)

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