Reine Nervensache 2 (USA 2002)

reine-nervensache-2Seit einigen Jahren sitzt Gangster-Boss Paul Vitti (Robert De Niro) hinter schwedischen Gardinen und führt dort ein sorgloses und im Grunde angenehmes Leben. Zumindest bis zu jenem Zeitpunkt, als ihm jemand unbekanntes an die Wäsche will. Der Mordversuch schlägt zwar fehl, doch reicht dies, um dem Mafiosi einen psychischen Knacks zu versetzen. Fortan pendelt er zwischen völliger Lethargie und völliger Hingabe zu Stücken aus „West Side Story”, die er lauthals durch die Gegend schreit. Helfen kann scheinbar nur sein alter Therapeut Dr. Ben Sobel (Billy Crystal), der Vitti bereits vor seiner Inhaftierung zur Seite stand.

Doch dieser vermutet hinter der offensichtlich verrückten Fassade eine Finte, um nur schnell aus dem Knast zu kommen. Doch allen Tests zum Trotze schafft es Vitti, aufgrund seiner psychischen Belastung freigelassen zu werden. Wenn auch mit der kleinen Einschränkung: Er wird in die direkte Obhut von Dr. Sobel übergeben. Bereits auf der Heimfahrt stellt sich heraus, dass der Gangster alles andere als labil ist. Vielmehr ist es Sobel, der den Tod seines Vaters nicht verarbeiten kann und dringend Hilfe benötigt.

Ein Einspielergebnis von über 100 Millionen Dollar ließ Warner Bros. beim Erstling vor knapp drei Jahren jubeln. Klar, dass da ein neuerlicher Aufguss nur eine Frage der Zeit war. Ebenfalls klar, das bei der Fortsetzung wieder das alte Team mit von der Partie ist. Auf dem Regiestuhl nahm erneut Harold Ramis („Und täglich grüßt das Murmeltier”) Platz, vor der Kamera agieren wie gehabt Billy Crystal („City Slickers”) als Therapeut Ben Snobel, Lisa Kudrow („Lucky Numbers”) als dessen genervte Ehefrau sowie Hollywood-Legende Robert De Niro („Casino”) als Mafiosi. Eigentlich also alles bestens, um wieder 90 Minuten wunderbar unterhalten zu werden. Doch ist dies Sequel einfach mehr lauwarm als heiß. Sprühte „Reine Nervensache” vor Wort- und Situationskomik, so fehlt der Fortsetzung der unbekümmerte Witz und gelegentlich auch die zündende Idee.

Zu Beginn legt der Film noch ein gutes Tempo vor, bei dem vor allem De Niro wieder einige Gags landen kann. Nach knapp 20 Minuten ist diese positive Entwicklung aber passé und die Unterhaltungskurve neigt sich nach unten. Dass „Reine Nervensache 2″ nicht so gut funktioniert wie der Vorgänger liegt aber auch daran, dass das Duo De Niro/Crystal nicht die Vielzahl gemeinsamer Szenen hat, die beim Vorgänger noch entscheidend zum Gelingen des Films beigetragen haben. Meist versucht Vitti, im normalen Leben Fuß zu fassen, die kongenialen Dialoge zwischen ihm und Crystal vermisst man dabei schmerzlich. Crystal hingegen läuft häufig etwas planlos durch die Gegend und auch die Entwicklung seiner Rolle zum Therapeuten, der selbst einen benötigt, wirkt eher uninspiriert. Alles in allem eine solide Fortsetzung, die den ein oder anderen guten Gag parat hält, aber hinter dem Vorgänger weit zurückfällt. Da hätte wie so häufig mehr draus werden können.

Wertung: (5 / 10)

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