Oldboy (USA 2013)

oldboy-leeDer Remake-Zwang Hollywoods treibt bisweilen groteske Blüten. Man nehme „Oldboy“, einen modernen südkoreanischen Thriller-Klassiker, der in Cannes 2003 mit dem Spezialpreis der Jury bedacht wurde und weltweit Kultstatus genießt. Selbst in Amerika, wo man trotzdem nicht müde wird, jedes gefeierte (oder zumindest kommerziell ertragreiche) Filmwerk neu aufzulegen. Park Chan-wooks existenzialistisches Meisterwerk ist in Wucht und Wirkung kaum zu übertreffen. Für eine US-Auflage ist das (meist) eine unüberwindbare Hürde. Was Spike Lee („Inside Man“) mit seiner Interpretation des Stoffes abliefert, ist jedoch in jeder Hinsicht als Misslungen zu erachten. Obwohl sich Lee eng an der Vorlage orientiert, ist seine West-Variante bis zur Lächerlichkeit überzogen.

Das zeigt bereits der Auftakt, in dem Josh Brolin („No Country for Old Men“) das versoffene Werber-Ekel Joe Doucett mit latentem Hang zum Overacting gibt. Beim ursprünglich für die Rolle gehandelten Nicolas Cage hätte das kaum verwundert, aber beim resoluten und im Grunde stets überzeugenden Brolin? Sein überhöhtes Chargentum bleibt aber nicht die Ausnahme, sondern etabliert sich über den Cast hinweg als bedauerliche Regel. Die emotionale Kraft des Originals ist damit hoffnungslos verloren und wird an unfreiwilliger Komik restlos aufgerieben. Doch zunächst wird jener Kotzbrocken Joe, der die Karriere in den Wind pisst, weil er die Frau eines Klienten (Serien-Star Lance Reddick, „The Wire“) ins Bett kriegen will, eines regnerischen Abends verschleppt.

Als er nackt in einem (vermeintlichen) Hotelzimmer erwacht, wähnt er sich im Ausklang eines erotischen Abenteuers. Doch er ist allein in dem kleinen Raum, aus dem es kein Entrinnen gibt. Über die nächsten 20 Jahre bleibt er isoliert, ohne Kontakt zur Außenwelt und ohne Ahnung, womit er diese Folter verdient hat. Den ihn verlassenden Lebensmut kontert er mit der Stählung seines Körpers. Als er irgendwann in einer Kiste auf freiem Feld erwacht, kennt der verrohte Joe nur ein Ziel: Rache. Bei seiner Suche nach Hintermännern und Motiv hilft ihm Streetworkerin Marie (ein Lichtblick: Elizabeth Olsen, „Silent House“). Wie bei Park Chan-wook ist sie auch in Lees Nachbau einer der Schlüssel zum Geheimnis, für dessen Enträtselung Joe vom undurchsichtigen Adrian (Sharlto Copley, „Elysium“) fünf Tage Zeit erhält.

Die Vielschichtigkeit des tragisch gefärbten Plots leidet auch unter seiner Figur, die Copley am Rande einer affektierten Parodie ansiedelt. Mit Samuel L. Jacksons („Snakes on a Plane“) vor Altersspuren gefeitem Kerkermeister Chaney ist er da in bester Gesellschaft. Durch die Verbindung der haltlos übertriebenen und zu keiner Zeit glaubhaften Charaktere mit bemüht schockierenden Gewaltentgleisungen verkommt „Oldboy“ zur Farce. Wenn Brolin in den engen Gängen von Chaneys Privat-Gefängnis mit einem Hammer bewaffnet durch Reihen von Gegnern pflügt, entspricht dies zwar grundlegend dem Original, doch trägt Lee mit dem schlechtesten Film seiner Karriere schlichtweg viel zu dick auf. Es mag Beispiele für Remakes geben, die ihrer Vorlage zumindest ebenbürtig sind (etwa „The Departed“). Diese einmal mehr überflüssige und bisweilen hochnotpeinliche Neuformulierung hingegen ist kaum mehr als verhunzter Trash.

Wertung: (3,5 / 10)

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