NOFX – Pump Up the Valuum (2000, Epitaph Records)

In den ausklingenden Neunzigern erschien fraglich, wohin die Reise für NOFX gehen würde. „Heavy Petting Zoo“ (1996), ihr sechstes Album, wirkte mitunter wie eine Anlehnung an den Populär-Punk jener Zeit. Der überaus kurzweilige Nachfolger „So Long and Thanks For All the Shoes“ (1997) brachte punktiert Ska-Rhythmen und groben Unfug zurück. In dieser Zeit hätte sich der Klassiker weiter öffnen können. Wer weiß, mit ein bisschen Anpassungswillen hätten sie kommerziell zu GREEN DAY und THE OFFSPRING aufschließen können. Bloß gut, dass sie es nicht taten!

So folgte drei Jahre später die Rückbesinnung auf bewährte Muster: Punk-Rock ohne Schnörkel, ohne Bläser, ohne poppige Zwischentöne. Auf „Pump Up the Valuum“, ihrem letzten via Epitaph Records verlegten Longplayer, regieren schnelle Songs, deren grundlegende Patzigkeit der üblichen Eingängigkeit nicht ins Gehege kommt. Sie ebnen den Weg für einen Sound, den NOFX in dieser Form auch auf den nächsten Alben pflegen sollten – und erst mit „Self Entitled“ (2012) mit altschulischer Ruppigkeit unterfütterten. Dennoch ist die Scheibe – neben „Wolves in Wolves‘ Clothing“ (2006) – zu den schwächeren Langspielern der sarkastischen Eigenbrötler zu zählen.

An mangelnder Spielfreude liegt es nicht, sondern vorrangig daran, dass zu viele der 14 Tracks hinter den Referenz-Hits – vorrangig das ulkige „What’s the Matter With Parents Today?“, der Musikindustrie-Abgesang „Dinosaurs Will Die“ und der Party-Kracher „Bottles to the Ground“ – zurückstehen. Für eine Platte wie „Pump Up the Valuum“ würden andere Bands vermutlich einen Arm und ein Bein geben. Doch NOFX haben davor und danach einfach bessere Alben eingespielt – selbst wenn mit „Thank God It’s Monday“, der neuerlichen Lesben-Mär „Louise“ oder „Pharmacist’s Daughter“ weitere Songs von Format vertreten sind.

Eine Nummer wie „My Vagina“ zielt hingegen etwas zu offensiv auf sexuelle Anzüglichkeit. Mit dem finalen, Akkordeon-geprägten „Theme From a NOFX Album“ zeigt der Vierer jedoch seine verspielte (und ironisch selbstreflexive) Seite. Irgendwo dazwischen gibt es mit „Stranger Than Fishin“ nicht nur eine launige (Titel-)Anlehnung an BAD RELIGION, sondern – nach „So Long…“ – die zweite Neuinterpretation eines Songs von der „Fuck the Kids“-EP (1996). Der Titeltrack schaffte es übrigens nicht aufs fertige Output. Er wurde im selben Jahr auf dem Label-Sampler „Punk-O-Rama Vol. 5“ sowie später der NOFX-Compilation „45 or 46 Songs That Weren’t Good Enough to Go on Our Other Records“ (2002) verewigt. Ein insgesamt gestandener Spaß, wenn auch kein ganz großer Wurf.

Wertung: (7 / 10)

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