Mad Max 3 – Jenseits der Donnerkuppel (USA/AUS 1985)

mad-max-3Für den dritten Teil seiner Endzeitvision holte sich Regisseur George Miller („Die Hexen von Eastwick“) Verstärkung auf den Regiestuhl. George Ogilvie, sonst eher für TV-Inszenierungen bekannt, unterstütze den Visionär als Co-Regisseur.

Max (Mel Gibson, „Payback“) zieht weiterhin durch das vom Krieg in die Anarchie getriebene Land. Eines Tages trifft er auf die Stadt Barter-Town, die von der Amazone Aunty Entity (Tina Turner, „Last Action Hero“) regiert wird, zumindest oberhalb der Erde. Denn darunter gibt es eine andere Welt. Die Stadt wird nämlich durch Methan am Leben gehalten und dessen Produktion ist in der Hand des Duos Master-Blaster (Angelo Rossitto, „Dracula vs. Frankenstein“ und Paul Larrson, „Altered States“). Max soll dieses Duo für Aunty ausschalten.

Der nette Versuch, die „Mad Max“-Reihe für die ganze Familie konsumierbar zu machen, ging nicht ganz so auf, wie das Regisseursteam es sich erhofft hatte. Tina Turner macht sich zwar ganz gut im Endzeitkostüm und auch Mel Gibson guckt noch manches Mal wie in den stärksten Momenten von „Mad Max 2“, insgesamt ist dieser dritte Teil aber höchstens halbgar.

Nicht einmal die große Verfolgungsjagd am Ende, sonst Epizentrum in den Vorgängern, weiß auch nur annähernd so mitzureißen, wie man es gewohnt ist. Und auch die Kinder, die wie immer eine Schlüsselrolle im Film einnehmen, sind diesmal nicht auf der Linie der restlichen Serie. Nein, diesmal lernen sie französisch, während draußen noch die Schlacht tobt – geradezu lächerlich. Der Soundtrack tut sein übriges. Nachdem Queen-Gitarrist Brian May noch „Mad Max 2“ grandios vertonte, schallt es diesmal „We Don’t Need Another Hero“ von Tina Turner aus allen Boxen. Selten hatte ein Film einen unpassenderen Titelsong. Max, der Söldner, der Vollstrecker, der Road-Warrior, soll auf einmal strahlender Held sein? Das ist Verrat am Charakter.

Bleibt nur zu hoffen, dass der von Miller angekündigte vierte „Mad Max“-Film über 20 Jahre nach diesem bisherigen Abschluss der Serie sich wieder auf die alten Werte besinnt. Für Mel Gibson ist die Reise im getunten V8 jedenfalls vorbei – an „Mad Max 4“ wird er nicht mitwirken. Dass die bislang letzte Zusammenarbeit von Gibson und Miller so ein Resultat hervorbringen musste, ist äußerst Schade. Zu großartig waren die ersten beiden Teile der Serie, als dass dieser Film nötig gewesen wäre. Insofern hat Tina Turner fast schon wieder recht: Noch so einen Helden braucht das Kino und auch die Welt nicht. Lieber noch mal „Mad Max 2“ anschauen und sich an die Tage erinnern, als es noch in Ordnung war, Filme mit Mel Gibson zu machen, die nur für Erwachsene sind.

Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

Ähnliche Beiträge

  • White House Down (USA 2013)

    Bereits zum zweiten Mal wird das Weiße Haus im Kino-Jahr 2013 nach den Regeln des Actionfilms demontiert. Doch nach dem ärgerlich reaktionären „Olympus Has Fallen“ schlägt „White House Down“ deutlich gemäßigtere Töne an. Dabei geht der von Schwaben-Spielberg Roland Emmerich („2012“) gedrehte Blockbuster fast als Gegenentwurf zu Antoine Fuquas hurra-patriotischer „Stirb langsam“-Variante durch. Das zeigt…

  • Safe House (USA/RSA 2012)

    Obwohl Denzel Washington in den letzten Jahren überwiegend in konventionellen Thrillern mitwirkte, ist der Ruf des zweifachen Oscar-Preisträgers („Training Day“) in Hollywood ungebrochen exzellent. Mit seinem nuancierten Spiel veredelt er auch „Safe House“, einen weiteren standardisierten Reißer, der Logik und Cleverness zugunsten rasanter Actioneinlagen und eines oberflächlichen Darstellerduells in den Hintergrund rückt. Als Washingtons unfreiwilliger…

  • House II – Das Unerwartete… (USA 1987)

    „Looks like you’ve got some kind of alternate universe in there or something.“ – Blickt tief ins Mauerwerk: Elektriker/Abenteurer Bill Die Rückkehr ins Horror-Haus geriet Produzent Sean S. Cunningham („Last House on the Left“) noch humoriger. Vom Erfolgsteam des Erstlings blieb neben Kameramann Mac Ahlberg („From Beyond“), Komponist Harry Manfredini (nutzte für den Score Teile…

  • Das Spiel der Macht – All the King’s Men (USA 2006)

    Ein Film wie „Das Spiel der Macht“ hat es nicht leicht. Zwangsläufig, denn zum einen ist das Thema vom Aufstieg und Fall eines Südstaaten-Politikers alles andere als Massentauglich, zum anderen müsste der durchschnittliche Kinobesucher seinen Kopf anstrengen, um das Gesehene verarbeiten zu können. Dass dies auch in Hollywood nicht immer gern gesehen wird, dürfte zweifelsfrei…

  • 8 Blickwinkel (USA 2008)

    Auf den US-Präsidenten wurde ein Attentat verübt. Während einer wegweisenden Anti-Terror-Konferenz im spanischen Salamanca, vor den Augen der Welt an den Fernsehschirmen. Kurz nachdem das schwer verwundete Staatsoberhaupt abtransportiert ist, erschüttert eine schwere Explosion den öffentlichen Schauplatz. Das Davor und Danach schildert Regisseur Pete Travis („Omagh – Das Attentat“) aus der Perspektive verschiedener Protagonisten. „8…

  • Christine (USA 1983)

    Das Auto als des Mannes liebstes Kind ist zugleich Statussymbol und Prestigeobjekt. Mit „Christine“ hat Stephen King der bisweilen innigen Beziehung zwischen Fahrzeug und Eigner einen Roman gewidmet, der mit Hochspannung und brutalem Sarkasmus die Obsession eines sozialen Außenseiters zu seinem beseelten Gefährt beschreibt. Kult-Regisseur John Carpenter, der mit „Halloween“ und „The Fog“ Kinogeschichte geschrieben…