Looper (USA 2012)

looperIn der Zukunft sind Zeitreisen zwar möglich, aber strikt verboten. Zu groß ist die Gefahr, dass sie von den falschen Leuten für noch falschere Zwecke missbraucht werden. Joe (seltsam verfremdet: Joseph Gordon-Levitt, „The Dark Knight Rises“) ist das egal. Er profitiert davon. Wenn auch in der Vergangenheit. Seine Gegenwart ist das Jahr 2044. Zeitreisen werden erst in Jahrzehnten möglich sein. Trotzdem weiß er davon. Joe ist ein Looper, ein Mietmörder, der missliebige Menschen aus der Zukunft hinrichtet, sobald diese in die Vergangenheit geschickt werden. Auf diese Weise entledigt sich ein Verbrechersyndikat seiner Widersacher. Denn in der Zukunft lassen sich Leichen kaum mehr unbemerkt entsorgen.

Das um diese Ausgangssituation drapierte Szenario zeichnet ein nihilistisches Bild kommender Tage. Ein beträchtlicher Teil der Menschen lebt in Armut. Wenige besitzen viel. Das erinnert an heute. Beklemmend ist aber vor allem die Gleichgültigkeit. Dafür steht auch Joe, der im ländlichen Irgendwo von Amerika fortwährend mit den Auswirkungen des wirtschaftlichen Kollapses konfrontiert wird. Nur scheren braucht es ihn nicht. Er bekommt einen Zettel mit einer Uhrzeit zugespielt und wartet mit futuristischer Flinte am Feldweg, bis eine gefesselte Gestalt mit Kapuze überm Kopf vor ihm erscheint. Ohne mit der Wimper zu zucken knallt er die Todgeweihten nieder, die als Entlohnung Silberbarren am Körper tragen.

Manchmal sind es auch goldene. Das allerdings bedeutet, ein Looper hat sein Ich aus der Zukunft hingerichtet. Der Loop ist damit geschlossen und der Killer kann den Rest seiner Tage in Saus und Braus leben. Oder so lange, bis das angehäufte Vermögen erschöpft ist. Zögern oder Fragen stellen ist dabei unerwünscht. Damit das mörderische Treiben in organisierten Bahnen verläuft, wurde Abe (Jeff Daniels, „The Newsroom“) aus der Zukunft geschickt. So bewegt sich Joes Leben zwischen Finger am Abzug und Disconächten im Drogentaumel. Bis er, man mag es ahnen, eines Tages selbst seinem gealterten Ich gegenübersteht. Und da dies von Action-Altstar Bruce Willis („Last Boy Scout“) gespielt wird, ist ein vorzeitiges Ableben nahezu ausgeschlossen.

Ein Superverbrecher, der Rainmaker, sorgt in der Zukunft dafür, dass sämtliche Looper ausgeschaltet und alle Verbindungen zu seiner Person gekappt werden. Ihn will Joe (der alte) in Kindesalter ermorden, um den Lauf der Geschichte zu ändern und Rache zu nehmen. Aber Autor und Regisseur Rian Johnson („Brick“) erzählt all das nicht linear, sondern mit Perspektiv- und Zeitsprüngen. Das Tempo bleibt verhalten, blutige Actioneinlagen eher Unterstrich der umfassenden Abgründigkeit. Endgültig einer gewissen Zerfahrenheit preisgegeben wird der Plot, wenn Joe (der junge) vor Abes Häschern auf die Farm von Sara (Emily Blunt, „Der Plan“) flüchtet.

Deren kleiner Sohn Cid (stark: Pierce Gagnon, „The Crazies“) ist eines der auserkorenen Opfer von Joe (dem alten), der, selbst verfolgt von Abes Gefolgschaft, zum Kindermörder wird. Aber auch wenn die Geschichte mit Anlehnungen an „12 Monkeys“ oder auch „Terminator“ nicht immer schlüssig erscheint, Eindruck macht „Looper“ definitiv. Und das auch aufgrund der guten Darsteller, in deren Reihen lediglich Paul Dano („There Will Be Blood“) als Joes Freund und Kollege Seth etwas verschenkt wirkt. So sträubt sich Johnson gegen Konventionen und Vorhersehbarkeiten, scheint sich in der schieren Fülle komplexer und übersinnlicher Handlungsmuster aber bisweilen zu verheddern. An der Faszination dieses dramaturgisch stimmigen Science-Fiction-Thrillers rüttelt das allerdings nicht.

Wertung: (7 / 10)

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