Der Marsianer – Rettet Mark Watney (USA 2015)

der-marsianer-rettet-mark-watney„In the face of overwhelming odds, I’m left with only one option, I’m gonna have to science the shit out of this.“ – Wissenschaft als Überlebensgarantie: Mark Watney

Mars macht mobil. Zumindest laut dem alten Werbespruch eines bekannten Schokoriegel-Herstellers. Auf Ridley Scotts („Exodus: Götter und Könige“) packendes Science-Fiction-Drama „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ trifft dies Credo ebenfalls zu. Denn die Rettung eines auf dem Roten Planeten zurückgelassenen Astronauten lässt die NASA weder Kosten noch Mühen scheuen. Kein Wunder, wird jener Mark Watney doch vom noch immer erstaunlich jugendlich wirkenden Mittvierziger Matt Damon („Jason Bourne“) verkörpert.

Der ist Teil einer Mars-Mission, die aufgrund eines schweren Sturms vorzeitig abgebrochen werden muss. Als Watney im undurchsichtigen Treiben von einem Ausrüstungsgegenstand getroffen wird und fortan kein Lebenszeichen erkennbar ist, ordnet Forschungsleiterin Melissa Lewis (Jessica Chastain, „Zero Dark Thirty“) den Rückflug zur Erde an. Doch Watney ist mitnichten tot. Der anfänglichen Verzweiflung über die aussichtslose Lage und die mangelnde Möglichkeit, Kontakt zur Erde aufzunehmen, folgt schnell der Trotz eines Mannes, der um jeden Preis überleben will.

Also wird im eigens errichteten Forschungsbungalow eine Inventurliste der zur Verfügung stehenden Proviantrationen angelegt. Nur reichen die unmöglich aus, um die Zeit bis zur geplanten nächsten Mars-Unternehmung der NASA zu überbrücken. Als MacGyver-Ableger mit grünem Daumen bemüht sich der Botaniker fortan, mit einer Mischung aus Keimlingen, Sand und vakuumverpackten Exkrementen Kartoffeln zu züchten. Ein weiteres Ziel ist es, das auf Kurzstreckenbetrieb ausgelegte Forschungsgefährt für große Distanzen gangbar zu machen. Als Watneys Aktivitäten auf der Erde zufällig entdeckt werden, ist die Verblüffung groß.

Was hätte eine mit tiefenpsychologischen Einblicken gespickte Robinsonade werden können, entwickelt sich entgegen des Charakters der meisten Werke Ridley Scotts zum überwiegend locker leichten Feelgood-Abenteuer. Dass „Der Marsianer“ bei der diesjährigen Verleihung der Golden Globes in der Kategorie „Beste Komödie oder Musical“ für Film und Hauptdarsteller ausgezeichnet wurde, veranlasste Moderator Ricky Gervais dennoch wiederholt dazu, den „urkomischen“ Charakter des Werkes zu unterstreichen. Ganz weit war er von der Wahrheit damit jedoch nicht entfernt.

Natürlich hat der Film seine dramatischen und auch schwermütigen Seiten. Nur werden diese selten in den Mittelpunkt gerückt. Die Inszenierung, die sich vornehmlich für das Vorwärtskommen der auf Andy Weirs Roman beruhenden und von Drew Goddard („World War Z“) adaptierten Geschichte interessiert, verhindert Innehalten durch Zeitsprünge. Anders wäre der mehrere Jahre umspannende Überlebens- und Rettungskampf auch kaum in 140 kurzweiligen Minuten zu bewältigen. Der konstruierte Ablauf, die eher oberflächliche Figurenfülle und die gen Ende zunehmende Unglaubwürdigkeit werden dabei verblüffenderweise nie zum Problem.

Trotz Rückschlägen auf dem Mars wie auf der Erde muss man um Leben und Humor des unerschütterlichen Mark Watney kaum fürchten. Der schlussendliche, von freundlichen Chinesen unterstützte Rettungsplan präsentiert sich Hollywood-gemäß waghalsig und bietet, wie auch die Bilder der zerklüfteten Marstopographie, einiges fürs Auge. Dass Ridley Scott perfekt aufgemachtes Blockbuster-Kino präsentiert, liegt auch an der Besetzung, die neben Damon und Chastain, beide auch Teil von „Interstellar“ – in dem Damon ebenfalls allein auf einem fernen Stern vegetierte –, beachtliche Prominenz auffährt.

Chiwetel Ejiofor („12 Years a Slave“), Jeff Daniels („The Newsroom“), Sean Bean („Game of Thrones“), Kristen Wiig („Ghostbusters“) und Benedict Wong („Doctor Strange“) versuchen auf der Erde, die Rettung des Gestrandeten Zwangs-Marsianers zu ermöglichen, während im All u.a. Michael Peña („Ant-Man“), Kate Mara („Fantastic Four“) und Sebastian Stan („Captain America“) direkten Einfluss auf das Schicksal des zurückgebliebenen Kollegen nehmen. „Der Marsianer“, insgesamt siebenfach Oscar-nominiert, ist trotz einer grundlegenden Oberflächlichkeit durchweg sehenswertes Kino mit Schauwerten, Starbesetzung und einer überraschend ausgeprägten Portion Humor. Am epochalen Anspruch des erwähnten „Interstellar“ führt das im Sinne größtmöglichen Unterhaltungswertes deutlich vorbei.

Wertung: (7,5 / 10)

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