Logan: The Wolverine (USA/AUS/CAN 2017)

„Nature made me a freak. Man made me a weapon. And God made it last too long.“ – Müde: Logan

Auch die großen Comic-Helden kommen in die Jahre. Während solche wie Spider-Man die Überalterung durch wiederholte Reboots aber einfach umkehren, stellt sich Krallen-Krieger Wolverine der Konsequenz der Vergänglichkeit. Denn Selbstheilungskräfte hin oder her, auch eine künstlich geschaffene Kampfmaschine wie er unterliegt Verschleiß. Die aus den Handknochen tretenden Klingen haken, Wunden schließen sich nicht mehr, ein Bein wird nachgezogen. Die früher stolzen Koteletten wurden von einem grau durchzogenen Vollbart absorbiert. Das erinnert – auch aufgrund von Alkohol und Fluchtiraden – mehr an den späten Mel Gibson als an jenen unerschütterlichen Recken, der im Kreise der X-Men wiederholt die Welt rettete.

In Hugh Jackmans drittem Solo-Auftritt als Wolverine ist nichts wie zuvor. Das belegt bereits der Titel: „Logan“. Er gibt die Reduzierung des Topos vor. Die Helden sind vergangen. Geblieben sind nur Schmerz, Trauer und Tod. Dieser radikale Wandel ist James Mangold zu verdanken, der bereits den durchwachsenen Vorgänger „Wolverine – Der Weg des Kriegers“ vorlegte. Er lieferte die Story, schrieb am Drehbuch mit und führte Regie. Auf eine Jugendfreigabe wurde in den USA bewusst verzichtet. So setzt es statt der üblichen Zurückhaltung abgeschlagene Gliedmaßen, durchstoßene Körper und spritzendes Blut. Wer sich schon immer gefragt hat, was Wolverines Krallen im Nahkampf anrichten können, erhält hier die wenig zimperliche Antwort. Gestorben wird dreckig. Aber das passt zum Setting.

Die Handlung blickt ins Jahr 2029. Für Mutanten sind harte Zeiten angebrochen. Die alten Helden sind weitgehend tot. Sie leben in Comics fort, die mit den eigentlichen Ereignissen der Vergangenheit wenig gemein haben. Hinzu kommt der Mangel an Nachwuchs. Seit Jahren wurde kein Kind mehr mit Superkräften geboren. Der abgehalfterte, von seinem Adamantium-Skelett langsam vergiftete Logan verdingt sich im US-mexikanischen-Grenzgebiet als Limousinen-Fahrer. Als Gefährten geblieben sind ihm lediglich Caliban (Stephen Merchant, „Life’s Too Short“) und der ehemalige X-Men-Vorsteher Professor Charles Xavier (Patrick Stewart). Nur leidet der mächtige Telephat an einer Hirnerkrankung, die ihn zur akuten Gefahr macht. Also wird er in der Abgeschiedenheit in einen Tank gesperrt und mit Tabletten ruhig gestellt.

Widerwillig aus der Versenkung emporsteigen muss Logan, als er die seinen Fähigkeiten nachempfundene elfjährige Laura (wild: Dafne Keen, „The Refugees“) zu einem geheimen Mutantenreservat bringen soll. Erschwert wird die Mission durch Söldner Pierce („Narcos“-Star Boyd Holbrook), der das im Labor geschaffene Mädchen auf Geheiß von Wissenschaftler Dr. Rice (Richard E. Grant, „Dom Hemingway“) einfangen soll. Also tritt Logan mit ihr und Xavier die Flucht an. Nur ist ihnen Pierce samt verbessertem Wolverine-Folgemodell dicht auf den Fersen. Auf diesem Fundament errichtet Mangold einen zwar überlangen, jedoch insgesamt furiosen Abgesang auf das Superhelden-Kino der Moderne. Gekämpft wird nicht länger für die Gerechtigkeit, sondern einzig die Selbsterhaltung.

Die Nähe zum (Spät-)Western, u. a. genährt durch „Mein großer Freund Shane“-Zitate, bringt eine willkommene Lakonie mit sich, die das Schicksal der verbliebenen X-Men reduziert und ohne bombastische Computertricks besiegelt. Die düster brutale Action bleibt sparsam dosiert, wobei wird die Riege der Haupt- und Nebenfiguren mit bemerkenswerter Kompromisslosigkeit ausgedünnt wird. Erzählerisch tritt der Film bisweilen auf der Stelle. Die spröde, bestenfalls zögerliche Annäherung von Logan und seiner ungezähmten Quasi-Tochter Laura bleibt davon aber glücklicherweise ausgespart. Frei von Makeln ist „Logan“ nicht. Trotzdem ist dieser auf Desillusionierung pochende Gegenentwurf das Beste, was dem in struktureller Monotonie erstarrenden Genre passieren konnte.

Wertung: (7,5 / 10)

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