X-Men (USA 2000)

x-menDie Geschichte der Mutation ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Zumindest in der Welt der X-Men, in der die Existenz übersinnlich begabter Zeitgenossen große Skepsis und noch größere Angst hervorruft. Die Politik sieht den nationalen Frieden in Gefahr und plant ein Gesetz, das jeden Mutanten zur Registrierung und Offenlegung seiner speziellen Fähigkeiten zwingt. Parallelen zum Nationalsozialismus sind nicht von der Hand zu weisen. Genau darin liegt eine der großen Stärken des eröffnenden Kinospektakels um die supramenschliche Heldentruppe.

Denn der spätere „Superman Returns“-Regisseur Bryan Singer blickt im düsteren Auftakt in ein Konzentrationslager des Hitler-Regimes. Der junge Eric Lensherr, in der Gegenwart besser bekannt als Magneto, wird seiner Familie beraubt und verbiegt Kraft seiner Gedanken ein Eisentor. Vertieft wurde dieser Aspekt im 2011 präsentierten Prequel „X-Men: Erste Entscheidung“. Hier bleibt er eine Fußnote, die zugleich politische Brücke zu den Ereignissen der nahen Zukunft bildet und Magnetos (Ian McKellen, „Der Herr der Ringe“) Motivation untermauert, den Vorstoß des reaktionären Senators Kelly (Bruce Davison, „Hexenjagd“) mit einer Kriegserklärung zu kontern.

Dem entgegen stellt sich sein alter Freund Professor Charles Xavier („Star Trek: Next Generation“-Kapitän Patrick Stewart), der andere Menschen per Gedankenkraft kontrollieren kann. Ihm ist an Frieden gelegen, weshalb er junge Mutanten an seiner Akademie ausbildet. Dabei behilflich sind ihm die mit telekinetischen Kräften ausgestattete Jean Grey (Famke Janssen, „The Faculty“), deren aus den Augen Energieblitze verschießender Partner Cyclops (immer noch der größte Langweiler im Mutantenstadl: James Marsden, „Dich kriegen wir auch noch“) und die das Wetter beherrschende Storm (Halle Berry, „Catwoman“).

Zu ihnen stößt der unverwundbare, mit ausfahrbaren Metallkrallen versehene Wolverine (Hugh Jackman, „Password: Swordfish“). Der ist physisch noch ein gutes Stück von der muskelbepackten Kampfmaschine der jüngeren Filme entfernt und verdingt sich eingangs als illegaler Käfigkämpfer. Dabei begegnet er der jungen Rogue (der spätere „True Blood“-Star Anna Paquin), die bei Berührung kurzzeitig die Kräfte anderer Mutanten absorbiert. Als die beiden in einen Hinterhalt geraten, werden sie von Cyclops und Storm gerettet. Zunächst glaubt Xavier, Magneto zeige Interesse an Wolverine. Als wahres Ziel erweist sich jedoch Rogue, mit deren Hilfe er die Teilnehmer des UN-Gipfels selbst in Mutanten verwandeln.

Der Einstand von Stan Lees (einmal mehr als Produzent beteiligt) klassischen Comic-Figuren auf der großen Leinwand ist sehenswert getrickst und treffend besetzt – auf Schurkenseite machen noch immer die blaue Gestaltwandlerin Mystique (Rebecca Romijn-Stamos, „Femme Fatale“) und der agile Toad (Ray „Darth Maul“ Park) Eindruck. Natürlich braucht die Einführung Zeit und mehr als den ersten Akt einer deutlich umfänglicheren Saga sollte man nicht erwarten. Doch die Protagonisten werden mit Witz und Wonne vorgestellt und liefern sich zum Finale einen packenden Kampf auf der Freiheitsstatue. Auf die unter Marvel später zum Obligatorismus erhobene Abspannszene muss zwar (noch) verzichtet werden, eine Fortsetzung war nach diesem gelungenen Grundstein dennoch vorprogrammiert.

Wertung: 7.5 out of 10 stars (7,5 / 10)

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