Lemony Snicket – Rätselhafte Ereignisse (USA 2004)

lemony-snicket-raetselhafte-ereignisseLemony Snicket ist nicht etwa Held oder Bösewicht, sondern Pseudonym des Schriftstellers Daniel Handler. Dessen erfolgreiche Kinderbuchreihe „Lemony Snicket“ hat es bislang auf einige Bände gebracht, wobei nun die ersten drei Bücher zu einem Film zusammengefasst wurden. Im Mittelpunkt von „Rätselhafte Ereignisse“ stehen die drei Baudelaire-Geschwister Violet (Emily Browning), Klaus (Liam Aiken) und die kleine Sunny (Kara und Shelby Hoffman), die völlig aus dem Nichts ihre Eltern durch einen mysteriösen Brand der heimischen vier Wände verlieren. Von dem Finanzverwalter ihrer Eltern, Mr. Poe (Timothy Spall), werden die drei jungen Waisen, bei der Violet eine erstklassige Erfinderin darstellt, Klaus eine Leseratte ist und Sunny durch ihre Kindersprache sowie ein starkes Gebiss auffällt, zu ihrem neuen Vormund Graf Olaf (Jim Carrey) gebracht.

Dieser haust in einer alten, brüchigen Villa und ist alles andere als an den drei Kindern interessiert. Ihm liegt mehr an dem Vermögen der Waisen, das Violet in vier Jahren, bei Erreichen der Volljährigkeit, ausbezahlt werden soll. Graf Olaf jedoch denkt nicht daran, diese Zeit zu warten und bemüht sich, die drei ungebetenen Gäste schnellstmöglich los zu werden, um vor allem möglichst früh an das Geld der Baudelaires zu kommen. Der erste Versuch scheitert jedoch und im Anschluss kommen die die drei bei ihrem liebenswerten aber auch skurrilen Onkel Monty (Billy Connolly) unter. Doch auch dort sind sie nicht vor Graf Olaf sicher, der ihren zweiten Vormund binnen kürzester Zeit aus dem Weg schafft. Im Anschluss werden sie von Mr. Poe zu ihrer Tante Josephine (Meryl Streep) gebracht, von der sie Näheres zum tragischen Tod ihrer Eltern erfahren. Doch auch dort sind sie vor Graf Olaf alles andere als sicher.

Allen, die den nächsten „Harry Potter“-Film herbeisehnen, sei dieser Film ans Herz gelegt. Denn „Lemony Snicket“ basiert nicht nur auf Kinderbüchern wie die noch erfolgreichere Reihe von Rowling, sondern auch was die Umsetzung, Geschichte und Erzählweise angeht, dürften Potter-Fans auch an den Baudelaire-Waisen ihre Freude haben. Jedoch ist die Optik hier eigenwilliger, morbider und erinnert mehr an die Werke eines Tim Burton. Dies dürfte vor allem dazu führen, dass der Film nicht nur ein jüngeres Publikum anspricht, sondern auch ältere Semester an der optischen Umsetzung und den häufig mehr als schönen Bildern gefallen werden finden. Die Geschichte selbst wird von der Person Lemony Snicket erzählt, die im Original von Jude Law gesprochen wurde und die die Geschichte auf einer Schreibmaschine festhält.

Ehrlich, zusammenhaltend und gekonnt zwischen Tragik und Komik dargestellt, wissen die jungen Darsteller der Baudelaire-Kinder zu überzeugen. Große Gesten werden ebenso vernachlässigt wie albernes Getue, die Mischung aus Humor und Trauer sitzt. Emily Browning („Der Fluch von Darkness Falls“) ähnelt dabei äußerlich durchaus Christina Ricci aus der „Addams Family“-Reihe und auch ihr Filmbruder Liam Aiken („Road to Perdition“) agiert ähnlich zurückhaltend in seinen Gesten. Der weitgehend humoristische Part, neben Jim Carrey selbstredend, ist den kleinen Zwillingen Kara und Shelby Hoffman vorbehalten, deren Kinderlaute von schmissigen Einzeilern untertitelt werden. Die Olsen-Twins lassen grüßen. Im Mittelpunkt steht aber unweigerlich Jim Carrey („Der Dummschwätzer“, „Vergiss mein nicht“), der hier zwar keine Ein-Mann-Show abzieht, der aber allein durch seinen Mimiken, den unterschiedlichen Kostümen und seiner hektischen Gestik die Blicke auf sich zieht und hier selbst seine Darstellung des „Grinch“ vergleichsweise blass erscheint.

Ob als „klassischer“ Graf Olaf oder Klischeeausgabe eines Seefahrers, Jim Carrey überzeugt in jeder Sekunde. In einer Nebenrolle und gut kostümiert kann auch Meryl Streep („Kramer gegen Kramer“, „Das Geisterhaus“) punkten, während allerdings der Cameo-Auftritt von Dustin Hoffmann zum Ende hin beinahe überflüssig erscheint. Bizarre Bilder, überzeugende Darsteller und eine morbide Atmosphäre, „Lemony Snicket – Rätselhafte Ereignisse“ kann auf dieser Ebene gefallen. Dem gegenüber steht ein wenig die Geschichte, die in seiner Aneinanderreihung kurzer Episoden nicht immer überzeugt. Doch ist „Casper“-Regisseur Brad Silberling hier ein mehr als schöner Film gelungen, der für jeden etwas parat hält und förmlich nach einer Fortsetzung schreit.

Wertung: (7,5 / 10)

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