La Horde – Die Horde (F 2010)

lahordeWährend der US-Zombiefilm den Zerfall sozialer Strukturen beklagt und sich am zwischenmenschlichen Extrem versucht, gehen die Franzosen einmal mehr dahin, wo es weh tut. In „La Horde – Die Horde“ bleibt der gesellschaftliche Querschnitt ausgespart und die schwarz-weiße Farbpalette wird durch ein tiefes Grau ersetzt. Es gibt nicht Gut und Böse, sondern einzig Opfer, wobei Rollenklischees in ruppiger Ambivalenz verwischt werden. Überhaupt verlässt sich das debütierende Regie-Duo Yannick Dahan und Benjamin Rocher nur scheinbar auf die Standarten des Genres und serviert einen klaustrophobischen Alptraum als Vorhof zur Hölle.

Als die Leiche eines Polizisten in den Banlieues gefunden wird, dürstet es die Kollegen nach Rache. Der Schuldige ist Crime Lord Adewale (Eriq Ebouaney, „Thirst – Durst“), der mit seinem Gefolge einen maroden Hochhauskomplex am Stadtrand beherrscht. In den dringen Ouesso (Jean-Pierre Martins, „Das Imperium der Wölfe“), die schwangere Aurore (Claude Perron, „Die fabelhafte Welt der Amelie“) und zwei weitere Komplizen ein, werden von den Gangstern jedoch mit Waffengewalt überrumpelt und festgesetzt. Während Adewale abwägt, wie er mit den Gefangenen verfahren soll, bricht unvermittelt die Apokalypse herein.

Die Toten erheben sich und attackieren mit unstillbarem Appetit die Lebenden. Aus Cops und Verbrechern werden plötzlich Verbündete und nachdem die Gruppe auf dem Dach Zeuge wird, wie das Stadtbild im Chaos versinkt, wagen sie die Flucht nach vorn. Auf der Begegnen sie dem kauzigen alten Kriegsveteran René (Yves Pignot, „Die Blume des Bösen“), der ihnen mit Axt und antikem Maschinengewehr zur Seite steht. Der Strom der rennenden Untoten aber will nicht versiegen und mit dem Mut der Verzweiflung stemmen sich die Überlebenden gegen den sicheren Tod. Menschlichkeit und Anteilnahme zählen nichts mehr. Am Ende siegen persönliche Rachegelüste über den Vorteil der zweckheiligen Paktierung.

Das wenig zimperliche – in der deutschen Fassung stark gekürzte – Blutbad ist so simpel wie effektiv in Szene gesetzt. Auch wenn sich „La Horde“ nicht aus purem Selbstzweck in der konsequenten Grausamkeit suhlt, ist die Gewalt doch erschreckend detailreich. Körper werden förmlich von Kugeln zerfetzt, die rasenden Kreaturen dutzendfach mit Schlägen, Tritten oder Messerstichen eingedeckt. Die Szene, in der sich Ouesso auf einem Autodach beidhändig feuernd einem schieren Meer blutgieriger Monster erwehrt, gehört zum Besten, was der Zombiefilm in den letzten Jahren zu bieten hatte. Bemerkenswert ist das Mitreißen des Films trotz der streng nihilistischen Färbung und der Abstinenz jeglicher Sympathieträger. Ein schnörkelloser Schocker für Hartgesottene.

Wertung: (7 / 10)

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