Kampf der Titanen (USA 2010)

kampf-der-titanen-2010Die Wiederentdeckung der 3D-Technik beschert dem Kino endlich den ersehnten Erlebnismehrwert. Der Besuch des Filmtheaters ist wieder Spektakel und kann Download und Raubkopie eine Nähe zum szenischen Geschehen entgegensetzen, die selbst inhaltlich arg flache Blockbuster in ihrer optischen Wirkung erheblich aufwertet. „Avatar“ und „Alice im Wunderland“ stellten die kommerzielle Zugkraft des lange abgeschriebenen Formats unter Beweis. Plötzlich wird nahezu jedes mit Spezialeffekten gepflasterte Filmwerk in 3D angekündigt. Von der hierzulande beschränkten Zahl geeigneter Kinosäle abgesehen, zeichnet sich schon jetzt eine Übersättigung ab.

Teil dieser Entwicklung ist auch, dass manche Produktionen erst in der Nachbearbeitung mit dem kassenträchtigen Tiefeneffekt versehen werden. Bei „Kampf der Titanen“, dem Remake des trashigen Fantasy-Klassikers von 1981, ist das offenkundig. Dennoch, schließlich kann nicht jeder Filmemacher Zeit und Aufwand eines James Cameron in die technische Revolution investieren, bietet „Der unglaubliche Hulk“-Regisseur Louis Leterrier (auch in 2D) einiges fürs Auge. Immerhin scheint der altgriechisch mythologische Krieg der Menschen gegen die Götter wie gemacht für die große Leinwand. Abseits der teils immensen Schauwerte klafft jedoch ein Vakuum, das den Spaß an der aufwändigen Keilerei merklich trübt.

Das liegt zum einen an den haltlos chargierenden Akteuren. Vor allem Ralph Fiennes und Liam Neeson, die übrigens auch in Spielbergs „Schindlers Liste“ gemeinsam vor der Kamera agierten, können das Gewicht ihrer Namen zu keiner Zeit in atmosphärischen Zugewinn übersetzen. Zum anderen ist da ein Skript, das dreidimensionalen Effekten eindimensionale Charaktere entgegenstellt – und deren Profillosigkeit auch noch versucht mit beinahe gänzlich misslungener Überspitzung zu überspielen. Als Göttersohn Perseus macht Shootingstar Sam Worthington („Avatar“) noch die beste Figur, beschränkt er sich doch auf wenige Worte und ein überschaubares Repertoire meist grimmiger Gesichtszüge.

Die brachte ihm der Tod der Ziehfamilie ein, als diese zwischen die Fronten des aufziehenden Krieges geriet. Weil sich die Menschen über die Allmacht der Götter erhoben, gestattet Zeus (Neeson) dem neidvollen Bruder Hades (Fiennes), Herrscher der Unterwelt, den mächtigen Kraken zu entfesseln. Zehn Tage hat der hasserfüllte Perseus Zeit, das Ungeheuer zu stoppen und die schöne Andromeda (Alexa Davalos, „Der Nebel“) vor dem besänftigenden Blutopfer zu bewahren. Mit einer Schar tapferer Krieger (u.a. Bond-Schurke Mads Mikkelsen) stellt sich der mit seinem Schicksal hadernde Halbgott mit sanfter Unterstützung seines Vaters Zeus Riesenskorpionen entgegen und steigt in die Unterwelt, um Schlangenfrau Medusa den Kopf abzuschlagen.

Ihr Blick verwandelt jede Kreatur zu Stein. Nach Auskunft der drei (im Erscheinungsbild recht plump bei Guillermo del Toro abgekupferten) stygischen Hexen auch ein probates Mittel gegen den Kraken. Mit der Mythologie und dem Verlauf des Originals, dem durch Eulen-Roboter Bubo am Rande Tribut gezollt wird, nimmt es Leterrier nicht allzu genau. Andromeda wird zur Randfigur, dafür darf Halbgöttin Io (Gemma Arterton, „Prince of Persia“) Perseus‘ Blut in Wallung bringen. Die Geschichte ist schlicht, aber ausreichend flott erzählt. „Kampf der Titanen“ ist Generationenkonflikt im Schlachtgetümmel, ein optisch fantastisches Unterhaltungswerk, dem kruder Humor und Alibicharaktere aber deutlich im Wege stehen.

Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

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