James Bond 007: Im Geheimdienst Ihrer Majestät (GB 1969)

jamesbondonhermajestyssecretservice„This never happened to the other fellow.“ – Mit Ironie zum Besetzungswechsel: James Bond

Der letzte Bond-Film der Neunzehnsechziger brachte einschneidende Veränderungen mit sich. Sean Connery, in der Darstellung des tollkühnen MI6-Agenten zu Weltruhm gelangt, erteilte den Produzenten Albert Broccoli und Harry Saltzman nach seinem fünften Auftritt in „Man lebt nur zweimal“ eine Absage. Er fühlte sich als Schauspieler in der öffentlichen Wahrnehmung zu sehr auf die Rolle reduziert und zudem unterbezahlt. Also musste ein neuer Hauptdarsteller her. Im Gespräch waren unter anderem die späteren Bond-Darsteller Roger Moore und Timothy Dalton. Doch war deren Zeit noch nicht gekommen.

Die Wahl fiel letztendlich auf den Australier George Lazenby, der über keinerlei schauspielerische Erfahrung verfügte und sich bis dato lediglich als Fotomodell und Werbedarsteller verdingt hatte. Dennoch konnte er mit seiner Ausstrahlung überzeugen und erhielt einen Vertrag über sieben Bond-Filme. Nach lediglich einem, wohlgemerkt viel versprechenden Einsatz quittierte er jedoch den „Geheimdienst Ihrer Majestät“ und strebte eine Filmkarriere an, die sich als Luftschloss entpuppte. So verschwand Lazenby so schnell in der Versenkung, wie er ins Rampenlicht getreten war.

Jedoch sollte die vorläufige Umbesetzung – nach Lazenbys Ausscheiden gab Connery für eine Millionengage in „Diamantenfieber“ doch noch einmal den James Bond – nicht die einzige einschneidende Veränderung bleiben. Auf den mittlerweile etablierten Titelsong wurde verzichtet, weil Komponist John Barry über die Hürde stolperte, einen Text um den Originaltitel „On Her Majesty’s Secret Service“ zu kreieren. So schuf er in Ergänzung zu seinem klassischen Hauptthema ein Instrumentalstück für die wie gehabt von Maurice Binder gestalteten Anfangstitel. Verzichtet wurde auf einen übergreifenden Song dennoch nicht. Bonds tragische Liebesgeschichte wird von Louis Armstrongs „We Have All the Time in the World“ umschmeichelt.

Doch Moment mal, Bond entdeckt die Liebe für sich? Zu einer einzigen Frau? Tatsächlich schwört er einer anderen als der Queen ewige Treue und wagt sich sogar vor den Traualtar. Aber dem Roman Ian Flemings entsprechend ist das Glück nicht von Dauer. Denn es gibt ja Bonds Erzfeind Ernst Stavro Blofeld, der, diesmal ohne Gesichtsnarbe und wesentlich agiler, von Telly Savalas („Das dreckige Dutzend“) verkörpert wurde. Dass er den Widersacher bei der ersten Begegnung trotz der Geschehnisse aus „Man lebt nur zweimal“ nicht erkennt, ist weniger der Verpflichtung Lazenbys geschuldet, als vielmehr der Vorgeschichte der Filmproduktion.

Ursprünglich nämlich sollte „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ der vierte Part der Serie werden. Doch als sich Broccoli und Saltzman mit Kevin McClory, dem Rechteinhaber des Romans „Feuerball“ einig wurden, zogen sie dessen Verfilmung vor. Da die Parallelen zwischen „Feuerball“ und Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ aber als zu groß empfunden wurden, musste letzterer zugunsten von „Man lebt nur zweimal“ neuerlich verschoben werden. So bleibt die nächste Runde im Kampf zwischen Bond und Blofeld zwar nicht immer nachvollziehbar, dank der von Willy Bogner gestalteten Ski-Action aber gewohnt spektakulär.

Um an Blofeld heranzukommen, paktiert Bond mit Verbrecher Draco (Gabriele Ferzetti, „Spiel mir das Lied vom Tod“) und soll als Gegenleistung dessen Tochter, die vom Leben enttäuschte Teresa de Vicenzo (klasse: Diana Rigg, „Mit Schirm, Charme und Melone“) heiraten. Tatsächlich verliebt sich der Spion in die traurige Schöne und stellt Blofeld, entgegen der Anweisungen des Vorgesetzten M (Bernhard Lee), in den Schweizer Alpen nach. Getarnt als Heraldiker Sir Hilary Bray schleust sich Bond in Blofelds Forschungsstation auf dem Gipfel des Piz Gloria ein, wo zehn reizende Frauen unter strenger Obhut von Irma Bunt (die letzte Rolle der Deutschen Ilse Steppat, „Die Brücke“) mit alternativen Allergietherapien behandelt werden.

Blofeld plant die Damen mittels Hypnose zu Trägern eines eigens entwickelten Virus zu machen, mit dem er die Vereinten Nationen zu erpressen versucht. Weil Bond gleich reihenweise mit den Patientinnen ins Bett steigt, fliegt seine Tarnung auf, was zu wilden Verfolgungsjagden auf Skiern, während eines Stock Car Rennens oder auf Bobschlitten durch den Eiskanal führt. Regisseur Peter Hunt, der bei sämtlichen Vorgängern für den Schnitt verantwortlich war, inszeniert die etwas flache Geschichte nicht ohne Längen, gestaltet die Action aber packend und mit einigen Härten. Für manche Fans gilt „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ als schwächster, für andere wiederum als bester Teil der Reihe. Tatsächlich hat der Film, wie die stimmig eingebundene Bergwelt, seine Höhen und Tiefen. Zumindest das ergreifende, Bond ins Menschliche zurückbringende Ende allerdings ist über jeden Zweifel erhaben.

Wertung: (6,5 / 10)

scroll to top