Iris (GB/USA 2001)

iris-2001Basierend auf „Elegy for Iris”, John Baleys literarischer Aufarbeitung der Alzheimererkrankung seiner Frau, der 1999 verstorbenen britischen Autorin und Dichterin Dame Iris Murdoch, rollt Regisseur Richard Eyre („Loose Connection”) in seinem gefühlvollen Drama „Iris” die über vier Jahrzehnte andauernde Romanze zweier Menschen auf, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Anhand von Rückblenden und inhaltlichen Überschneidungen wirft Eyre einen ungeschönten Blick auf den gemeinsamen Lebensweg der beiden, angefangen bei der Studienzeit bis hin zum geistigen Verfall der geadelten Literatin.

Denn auf Anhieb wirkt der schüchterne und obendrein stotternde John Baley (Hugh Bonneville) nicht gerade wie der Traummann der resoluten und lebensfreudigen Iris Murdoch (Kate Winslet). Doch scheint er der einzig feste Bestandteil ihres wankelmütigen Lebens zu sein, diversen Liebhabern der wechselfreudigen Bekanntschaften fröhnenden jungen Frau zum Trotze. Dennoch verbindet die beiden nicht nur ihre Liebe zur Literatur, vielmehr knüpft das verschroben anmutende Paar im Laufe der Zeit ein unsichtbares Band, welches einzig die im fortschreitenden Alter auftretende Hirnschädigung der charakterstarken Frau aufzulösen vermag.

Bis zum bitteren Ende steht der in Würde ergraute John (Jim Broadbent) seiner Iris (Judi Dench) bei, begleitet sie bis an das absehbare, unabwendbare Ende. Unspektakulär, unaufdringlich und in ruhigen Bildern schwelgend belässt es Regisseur Richard Eyre über die Gesamte Länge des Films dabei, die Beziehung und das Zusammenleben des eng verbundenen Paares zu beschreiben, klammert dabei beinahe den gesamten Rest ihres Lebens aus und beschränkt die Vergangenheit auf Fragmentartige Erinnerungen. Dabei sorgt die in höchstem Maße stilvolle, sehr britische Inszenierung dafür, dass das Dialoglastige Drama nicht zerredet wird oder das differenziert betrachtete Thema gar in pathetischem Schmalz ersäuft. Dies garantiert das eindringlich zu Werke gehende Darstellerensemble, bei dem Kate Winslet („Sinn und Sinnlichkeit”) perfekt mit Oscar-Preisträgerin Judi Dench („Shakespeare in Love”) in der Rolle der Iris Murdoch harmoniert. Für die facettenreiche Darstellung der berühmten Schriftstellerin in jungen wie alten Tagen wurden beide Schauspielerinnen übrigens für den Oscar nominiert.

Dem steht die gut fusionierende Verkörperung des John Baley durch Hugh Bonneville („Notting Hill”) und Jim Broadbent („Moulin Rouge”), der für sein intensives Spiel hochverdient den Oscar als bester Nebendarsteller erhielt und sich als krasser Außenseiter u.a. gegen Ben Kingsley, Jon Voight und Ian McKellen behaupten konnte, in nichts nach. Obendrein unterstreicht die Tatsache, dass das bittere, ungeschönt und unsentimental hereinbrechende Finale unter „Iris” bereits nach knapp 83 Minuten einen Schlussstrich zieht, dass sich Richard Eyre wirklich auf Wesentliches beschränkt hält und nicht bemüht scheint, unwesentliche inhaltliche Lücken zwanghaft füllen zu müssen. So ist „Iris” ein beeindruckendes Schauspiel, darstellerisch brilliant umgesetzt und weit abseits von Kitsch und Klischees angesiedelt. Kein gut geöltes Rührstück, sondern lebendiges Kino der besten Sorte.

Wertung: (8 / 10)

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