Finding Neverland – Wenn Träume fliegen lernen (USA/GB 2004)

wenn-traeume-fliegen-lernenBiopics sind in! Die diesjährige Oscar-Verleihung wird dominiert von den wahren, bzw. ausgelegten Lebensgeschichten prägnanter Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Martin Scorsese geht mit Leonardo DiCaprio als Howard Hughes ins Rennen gegen Jamie Foxx als Ray Charles in einem Film von Taylor Hackford. Als Dritter im Bunde schickt Regisseur Marc Forster („Monster’s Ball“) Johnny Depp als Autor James Barrie ins Rennen – den Verfasser von Peter Pan.

London im Jahr 1903. Das neue Stück des viel beachteten Bühnenautors James Barrie (Johnny Depp, „Ed Wood“) fällt beim Londoner Publikum durch. Der Produzent Charles Frohman (Dustin Hoffman, „Rain Man“) hält trotzdem weiter an dem Schriftsteller fest – er soll ein neues Stück schreiben, das das Publikum wieder mitreißen kann. Inspiration findet Barrie in der Familie der Witwe Sylvia Davies (Kate Winslet, „Titanic“) und deren vier Söhnen. Vor allem Peter (Freddy Highmore, „Die Nebel von Avalon“), der den Tod des Vaters nicht verarbeiten kann und sich gegen die fantastischen Exkursionen verschließt, auf die Barrie die Familie mitnimmt, inspiriert ihn. Auf der Grundlage der Erlebnisse des gemeinsamen Sommers schreibt Barrie ein Stück über eine fantastische Parallelwelt, in der sich Piraten und Indianer tummeln und Kinder nie erwachsen werden – Peter Pan.

Regisseur Marc Forster hat Johnny Depp sehr zu Recht besetzt. Durch den Background, den dieser großartige Darsteller durch Filme wie „Edward mit den Scherenhänden“ oder auch „Ed Wood“ mitbringt, wird der Schriftsteller Barrie großartig verkörpert – wahrscheinlich nicht Oscar-reif, aber für die wirklich guten Rollen wie „Fear and Loathing in Las Vegas“ wird Johnny Depp wohl nie ausgezeichnet werden. Dustin Hoffman gibt routiniert markige Sprüche zum Besten, ist im Endeffekt aber mehr schmückendes Beiwerk – allerdings sehr schmückendes. Kate Winslet gibt eine Nachzeichnung ihrer Ophelia in Kenneth Branaghs „Hamlet“-Verfilmung – bleibt jedoch konstant darunter. Ihr ewiges Gehuste ist zwar dramaturgisch sinnvoll – aber stellenweise schwer erträglich.

Neben der sehr stimmigen Besetzung, darunter auch Julie Christie („Wenn die Gondeln Trauer tragen”), Radha Mitchell („Melinda und Melinda”) und Kelly Macdonald („Trainspotting”), hat Marc Foster aber auch die Schwächen des Films zu verantworten. Die Symbiose zwischen Barries Realität und Nimmerland sind schon arg plump umgesetzt – die Regie ist einfach recht hergebracht – man hat alles schon das eine oder andere mal gesehen – einiges auch häufiger. Alles in allem ein solide gemachter Film, der nicht sonderlich viel überraschen wird. Man ist seine 100 Minuten gut unterhalten – viel mehr aber auch nicht.

Wertung: (6,5 / 10)

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